Die besten Tools zur SOA-Verwaltung

03.04.2006
Forrester Research hat die führenden Anbieter von Verwaltungs-Tools für Service-orientierte Architekturen (SOA) unter die Lupe genommen. Spezialisten schneiden dabei besser ab als große Plattformanbieter.
Forrester bewertet die Anbieter von SOA-Management-Software nach den Kategorien Angebot, Strategie und Marktpräsenz.
Forrester bewertet die Anbieter von SOA-Management-Software nach den Kategorien Angebot, Strategie und Marktpräsenz.
Softwarehersteller gehen das Thema SOA-Verwaltung mit unterschiedlichen Schwerpunkten an.
Softwarehersteller gehen das Thema SOA-Verwaltung mit unterschiedlichen Schwerpunkten an.

Best of Breed oder integrierte Komplettlösung? Diese Frage stellt sich auch Unternehmen, die komplexe SOA-Installationen verwalten müssen. IT-Verantwortliche haben dabei grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder sie investieren in eine dedizierte Management-Software, oder sie legen sich auf eine integrierte Plattform eines der großen Hersteller fest. Deren breit angelegte Stacks bieten vielfach komplette System-Management- und Integrationsfunktionen. Zur Gruppe der Plattformanbieter zählt Forrester-Experte Randy Heffner etwa Computer Associates, Hewlett-Packard, IBM, Oracle und Tibco. Ihnen stehen Spezialisten wie Amberpoint und die kürzlich von der Progress-Tochter Sonic Software übernommene Firma Actional gegenüber.

Fazit

Spezialisten wie Amberpoint und die von Sonic Software übernommene Firma Actional offerieren nach der Einschätzung von Forrester Research derzeit die besten SOA-Management-Produkte. Die großen Plattformanbieter, unter ihnen IBM, Computer Associates, Hewlett-Packard und Oracle, halten mit einer guten Integration von Verwaltungsfunktionen in ihre breiter angelegten Stacks dagegen. Welches System im Einzelfall das Rennen macht, sollten Anwender von ihren grundsätzlichen SOA-Plänen, ihrer IT-Infrastruktur sowie bestehenden Lieferbeziehungen abhängig machen, raten die Experten.

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Forrester-Studie

In der Studie "The Forrester Wave: SOA and Web Services Management, Q1 ‘06" vergleichen Heffner und seine Mitautoren das Portfolio der elf wichtigsten Anbieter anhand von 106 Kriterien. Zugleich ordnen sie den Markt nach zwei weiteren Merkmalen ein (siehe Grafik "Anbieterstruktur"): Eine Ausprägung beschreibt eher technisch orientierte Management-Systeme, die sich etwa auf das Service-Monitoring und die Identitätskontrolle konzentrieren ("Pure Management and Security"). Darüber hinausgehende Produkte bewegen sich schon in Richtung Business Activity Monitoring (BAM), ohne den vollen Funktionsumfang solcher Systeme zu bieten. Forrester spricht von "Business-Level SOA Management".

Was die Produkte leisten

Der Leistungsumfang der untersuchten Produkte variiert beträchtlich, erläutert Heffner. Grundsätzlich bieten SOA-Verwaltungs-Tools eine Reihe von Funktionen, die über das Angebot klassischer System-Management-Frameworks hinausgehen. Letztere sind auf Infrastrukturkomponenten ausgerichtet, sie überwachen etwa Funktionen von Application-Servern, Datenbanken oder Betriebssystemen. Im SOA-Kontext müssen IT-Verantwortliche darüber hinaus auch die Beziehungen zwischen modularen Software-Services nachvollziehen können. Die Hersteller ziehen deshalb eine zusätzliche Management-Schicht für die Service-Schnittstellen ein. Ein weiteres Leistungsmerkmal nennt Forrester Policy-basierende Flexibilität. Dahinter steckt die Option, in einer SOA hinterlegte Abläufe mit Regeln (Policies) zu versehen. Betroffen davon sind sowohl technische als auch Business-Funktionen. So kann ein Administrator etwa einen Alarm aktivieren, wenn ein Web-Service in die Knie geht. Darüber hinaus lässt sich beispielsweise regeln, dass je nach Kundenkategorie spezielle Business-Services greifen.

In einer SOA geht es schließlich auch um die Kommunikation zwischen den angebotenen, meist aber unterschiedlich implementierten Business-Services und den Dienstenutzern mit ihren speziellen Anforderungen und Restriktionen. SOA-Verwaltungswerkzeuge müssen hier das Routing zwischen den Diensten sowie die Transformation von XML- und Soap-Nachrichten kontrollieren.

Um die Anbieterbewertung grafisch darstellen zu können, fasst Forrester die Einzelkriterien in drei Gruppen zusammen (siehe Grafik "SOA Management Ranking"): Angebot, Strategie und Marktpräsenz. Als Messlatte für das aktuelle Angebot dient in erster Linie der Funktionsumfang der Software-Tools. In puncto Strategie nehmen die Experten die langfristigen Pläne für die Produktentwicklung, aber auch die technischen und finanziellen Ressourcen zur Durchsetzung dieser Vorhaben unter die Lupe. Die Einordnung der Marktpräsenz bemisst sich unter anderem an der installierten Basis, der Mitarbeiterzahl und den erzielten Umsätzen.

Amberpoint und Actional

Aus diesem Bewertungsschema gehen Amberpoint und Actional als klare Sieger hervor. Als Spezialisten bieten sie den breitesten und am eindeutigsten definierten Funktionsumfang, erläutert Heffner. Im Ranking liegen beide Anbieter nahezu gleichauf, obwohl es Unterschiede gibt: So veranschlagt Amberpoint etwas niedrigere Preise als Actional. Nach der Übernahme durch die Progress-Tochter Sonic Software spricht für Actional andererseits der stärkere finanzielle und organisatorische Rückhalt.

Enterprise Management

Die 2001 im kalifornischen Oakland gegründete Amberpoint Inc. konzentrierte sich von Beginn an auf die Verwaltung Service-orientierter Architekturen. Kernprodukt ist das Paket "Amberpoint SOA Management". Neben der Funktionsbreite lobt Forrester die vielfältigen Integrationsmechanismen mit anderen SOA- und Enterprise-Management-Lösungen.

Amberpoints Konkurrent Actional startete 1998 als Integrationsanbieter und fusionierte vor der Übernahme durch Sonic mit dem XML-Security-Spezialisten Westbridge Technology. Forrester sieht die Stärken der Softwareschmiede vor allem in den Bereichen IT-Management und Sicherheit.

SOA Software

Mit nur geringem Abstand zum Führungsduo folgt die Firma SOA Software auf Rang drei. Unter den übrigen Spezialisten platziert die Studie nur diesen Hersteller in die Kategorie der starken Anbieter. SOA Software verfolge das Konzept einer Policy-basierenden SOA-Verwaltung am konsequentesten, so die Autoren. Vor allem die breite Unterstützung der noch relativ jungen XML- und Web-Services-Standards spreche für das Portfolio. Darüber hinaus biete der Hersteller mit Hauptsitz in Los Angeles Integrationswerkzeuge für Legacy-Systeme wie Cics.

Die Stärken der Plattformanbieter

In den Reihen der Plattformanbieter bewerten die Analysten das Angebot von Tibco Software am höchsten. Der US-Hersteller setzt auf sein Integrations-Portfolio rund um das Kernprodukt "Businessworks", das er in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut hat. Zwar eigne sich eine komplette Integrationslösung nicht für jeden Anwender, der lediglich eine SOA verwalten wolle, schränkt Forrester ein. So gestalte sich beispielsweise die Benutzeroberfläche längst nicht so einfach wie in dedizierten SOA-Tools. Kunden, die bereits Tibco-Produkte einsetzen und mächtige Integrationsfunktionen benötigten, sollten die Plattform aber dennoch auch als SOA-Verwaltungssystem in Betracht ziehen.

Als klassischer Plattformanbieter verfügt auch IBM über ein ausgesprochen breites Portfolio für die SOA-Infrastruktur. Allerdings bewerbe der IT-Konzern allein 13 verschiedene Produkte als SOA-Management-Werkzeuge, monieren die Experten. Dennoch erhält das Angebot in den meisten Kategorien gute Noten. IBM arbeite kontinuierlich an einer tieferen Integration seiner diversen Systeme, lobt Heffner.

Hewlett-Packard (HP) und Computer Associates (CA) gehen das Thema SOA-Verwaltung über ihre IT-Management-Plattformen an. Entsprechende Tools wie HPs "SOA Manager" zeichneten sich vor allem durch eine enge Integration mit diesen breit angelegten Stacks aus, urteilt der Experte. Kernbestandteil von HPs SOA-Werkzeug ist ein erweiterbares Metamodell, das der Hersteller im Rahmen seiner "Model-driven-Automation"-Initiative entwickelt. Forrester sieht darin eine starke Grundlage für die Verwaltung einer SOA.

Computer Associates

Einen ähnlichen Weg geht CA mit seinen Plattformen für Enterprise Management ("Unicenter") und Sicherheit ("eTrust"). In der Studie erhält das Web-Services-Monitoring-Tool "Unicenter WSDM" (Web Services Distributed Management) in vielen Kategorien gute Werte.

Oracle schnürte für seine "SOA Suite" sieben Einzelprodukte zu einem Paket. Vor allem in den Kategorien für Business-Level-Management schnitt das System überwiegend positiv ab. Nach Ansicht der Forrester-Analysten fehlen der Programmsammlung aber einige Funktionen, beispielsweise wenn es um die Integration mit Enterprise-Management-Frameworks gehe.

Den Gegenpol zu Tibcos integriertem Ansatz bildet Webmethods Stand-alone-System für SOA-Management. Anwender können es separat von den Integrations- und Portallösungen des Anbieters erwerben und einsetzen. Der modulare Ansatz biete den Kunden Vorteile, kommentiert Forrester. Sie könnten mit einer relativ kleinen Installation beginnen und diese später ausbauen.

Zu den Herausforderern in Sachen SOA-Management zählt Forrester auch die Firmen Infravio und Itellix. Beide Anbieter stufen die Analysten als Spezialisten ein, die nicht die gesamte Funktionsbreite abdecken und deshalb auch in der Gesamtwertung schlechter abschneiden. Dennoch haben auch sie Stärken zu bieten, die für bestimmte Anwender ausschlaggebend sein können, betont Heffner. So konzentriert sich die kalifornische Infravio auf Registry- und Repository-Funktionen für eine Policy-basierende SOA-Verwaltung. Die aus dem indischen Bangalore stammende Itellix hat sich auf SOA-Management-Systeme für Service-Provider spezialisiert.

Empfehlungen

Um Anwendern die Auswahl zu erleichtern, hat Forrester verschiedene Käuferprofile entwickelt: Geht es um taktische Einzelprojekte, in denen Unternehmen möglichst rasch SOA-Verwaltungsfunktionen für eine bestimmte Anwendung benötigen, sollten sie Spezialanbieter in die engere Wahl nehmen.

Planen IT-Verantwortliche über Einstiegsprojekte hinaus eine strategische SOA-Plattform, kommen sowohl Spezialisten als auch Plattformanbieter in Frage. Ausschlaggebend in solchen Fällen können bestehende Geschäftsverbindungen zu einem der Plattformhersteller sein. Drängt die Zeit in ersten SOA-Vorhaben, empfiehlt Forrester, zunächst mit einer Speziallösung zu arbeiten. Über einen Wechsel zu einem strategischen Anbieter könne später entschieden werden.

Sind die Anforderungen weniger dringend und ist kein Framework-Anbieter im Haus, spricht wiederum viel für die Spezialisten: Deren Tools ließen sich in unterschiedliche Plattformen einbinden, argumentieren die Analysten, auch wenn der Integrationsgrad innerhalb eines breiteren Frameworks in der Regel höher sei.

Andere Voraussetzungen liegen vor, wenn sich das Management bereits auf einen Plattformhersteller festgelegt hat und das Thema SOA-Management eher langfristig betrachtet. Für diese Klientel lohne es sich, die SOA-Infrastruktur gemeinsam mit dem Lieferanten aufzubauen und dabei die Vorteile einer tieferen Integration zu nutzen.