Augmented- und Virtual-Reality-Brillen

Die Alternativen zu Google Glass

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Google Glass ist wohl die bekannteste, aber keinesfalls die einzige Datenbrille. Es gibt eine ganze Reihe ähnlicher Gadgets, die mehr oder andere Dinge besser können, günstiger oder bereits erhältlich sind. Hier ein kleiner Überblick.

Meta Spaceglasses

Das an der Columbia Universität in New York gegründete Startup Meta (www.spaceglasses.com) hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Thema Augmented Reality mit Hilfe einer eigenen Datenbrille neuen Antrieb zu geben. Meta.01 besteht aus zwei durchsichtige Displays mit 960 mal 540 Pixel (qHD), hinzu kommen eine Infrarot-Tiefen-Kamera, eine normale 3D-fähige Kamera sowie Beschleunigungsmesser, Gyroskop und Kompass. Damit ausgestattet, soll die 3D-fähige Meta.01 nicht nur dreidimensionale virtuelle Gegenstände in den Raum projizieren, der Nutzer soll auch in der Lage sein, damit zu interagieren. Der Code für die 3D-Darstellung wird auf Basis der bekannten Spiele-Engine Unity 3D entwickelt.

Das SDK ist frei verfügbar und kann von interessierten Programmierern für die Weiterentwicklung verwendet werden, aktuell verzeichnet die Plattform immerhin schon knapp tausend Entwickler. Bisher unterstützt die entwickelte Bibliothek beispielsweise Gestensteuerung und Finger-Tracking. Bewegt der Anwender etwa seine Finger auf ein Objekt zu oder gleitet mit ihnen durch den Raum, erkennt die Kamera die Gliedmaßen und zeichnet die Bewegungen auf. Die Bewegungen lassen sich gleichzeitig auf der Brille beobachten. Aktuell sieht die Brille noch sehr futuristisch aus. Man muss allerdings dabei beachten, dass es sich dabei noch um einen Prototypen handelt. Die Entwicklerversion von Meta.01 ist ab Dezember für 667 Dollar erhältlich, ein weiterentwickeltes abgespecktes Modell zum selben Preis soll im April 2014 herauskommen.

Cinemizer OLED

VR-Brille mit Carl-Zeiss-Optik: Cinemizer OLED
VR-Brille mit Carl-Zeiss-Optik: Cinemizer OLED
Foto: Carl Zeiss

Auf Virtual- statt Augmented-Reality setzt die 3D-fähige Datenbrille Cinemizer OLED von Carl Zeiss. Das nach vorne abgeschottete Gerät verfügt über zwei 0,4 Zoll große OLED-Microdisplays mit einer Auflösung von jeweils 870 mal 500 Bildpunkten (dies entspricht einer Pixeldichte von 2.500 dpi!). Zeiss bietet für den Cinemizer OLED einen Adapter für iPhone und iPad an. Das Gerät eignet sich wegen seiner guten Bildqualität ideal dafür, von der Außenwelt abgeschottet Videos und Filmen zu konsumieren und wird etwa von Zahnärzten zur Ruhigstellung und Ablenkung von Patienten während der Behandlung eingesetzt.

Franz Troppenhagen von der Carl Zeiss AG erklärt Einsatzszenarien des Cinemizer OLED

Daneben ist auch die Nutzung bei (3D-)Computerspielen möglich, dazu unterstützt das Device Headtracking und lässt sich via USB an einen PC anschließen und wie eine Maus bedienen. Wegen des relativ spitzen Blickfelds kommen aber Ego-Shooter nicht unbedingt auf ihre Kosten. Interessant ist der Cinemizer OLED dagegen für verschiedenste Business-Szenarien. Eines davon ist die virtuelle Besichtigung oder Inspektion eines geplanten Gebäudes durch den Architekten oder potenzielle Käufer – der Cinemizer OLED unterstützt dazu die mit BIMx von ArchiCAD generierten 3D-Modelle.

Oculus Rift

Zumindest bei der Entwicklerversion von Oculus Rift spielen Tragekomfort und Design kaum eine Rolle. Der Hersteller gelobt Besserung.
Zumindest bei der Entwicklerversion von Oculus Rift spielen Tragekomfort und Design kaum eine Rolle. Der Hersteller gelobt Besserung.
Foto: Oculus VR

Bei dem Virtual-Reality-Headset Oculus Rift haben die Erfinder den Schwerpunkt eher auf die grafische Darstellung als auf den Tragekomfort gelegt. Der Nutzer blickt über zwei separate Linsen auf ein 3D-fähiges 7-Zoll-Display, wobei ihm ein riesiges Bild mit 440 Zoll Diagonale vorgegaukelt wird. Bei einem Sichtfeld von 110 Grad ist dabei weniger von entspannten Kinosaal- als von Egoshooter-Perspektive die Rede. Für den Gaming-Einsatz spricht weiterhin, dass das Gerät dank Bewegungssensoren auch Headtracking ermöglicht. Leider ist die Auflösung mit 1200 mal 800 Bildpunkten bei der aktuell verfügbaren Entwicklerversion für das riesige Bild nicht üppig, so dass teilweise sogar Subpixel gesehen werden. Die für Ende 2014 erwartete endgültige Version soll jedoch Full-HD-Auflösung bieten. Auch die Anzahl der von Oculus Rift unterstützten Spiele und Engines wächst allmählich, aktuell sind bereits die Unreal Engine 3 und 4 sowie Unity 3 und 4 voll integriert.

Epson Moverio BT-100

Beim 500 Euro teuren Epson Moverio BT 100 handelt es sich um eine halbtransparente Multimediabrille, in die Bilder oder Videos projiziert werden können. Der Bildgrößeneindruck entspricht einer aus 20 Metern Entfernung betrachteten Großbildprojektion mit einer Bilddiagonale von 8,13 Meter (320 Zoll). Das Bild wird in der QHD-Auflösung (960 mal 540 Pixel) dargestellt. Das Sichtfeld beträgt relativ spitze 23 Grad. Zur 3D-fähigen Multimediabrille gehört eine WLAN-fähige Steuereinheit (802.11 b/g/n) mit Android 2.2, die bis zu 32 GB große Speicherkarten unterstützt. Das Gerät ist mit Funktionstasten und Touchpad ausgerüstet.

Vuzix M100

Die Vuzix M100 ist eine Augmented-Reality-Brille mit einzelnem Display. Sie kann wahlweise vor dem rechten oder linken Auge getragen werden. Laut Vuzix lassen sich darauf etwa Texte, Videos, E-Mails, Karten aber auch der Musik-Player des Smartphones darstellen. Das kleine Display soll eine Auflösung von 800 mal 480 Pixel erreichen und Inhalte im 16:9 Format darstellen. Die Verbindung zum Mobiltelefon funktioniert über Bluetooth. Das "Freihand-Smartphone-Display" ist mit iOS- und Android-Geräten kompatibel. In der Vuzix M100 arbeitet ein Zweikern-Prozessor (OMAP4430) mit einer Taktung von einem Gigahertz. Zudem hat das Gadget ein Gigabyte Arbeitsspeicher integriert. Ein Steckplatz für eine Speicherkarte (Micro-SD), GPS-Empfänger, Kopfhörer, Mikrofon und WLAN-Empfang runden die Funktionen ab.

Die integrierten vier Gigabyte Speicher erlauben das Installieren von Apps und Ablegen von Musik sowie Spielen. Als Software setzt der Hersteller Android 4.0 ein. Ein weiteres Feature ist die eingebaute Kamera. Mit ihr sollen sich HD-Videos im 720p-Format aufzeichnen lassen. Diese können allerdings nicht in voller Auflösung auf dem kleinen Display dargestellt werden. Gleichzeitig könnte die Sprachsteuerung das Vuzix M100 zu einem interessanten Konkurrenten für Google machen.