IBM PS/2, Apple OpenDoc, Windows Vista

Die 19 größten Flops der IT-Geschichte

Simon Hülsbömer
Simon verantwortet redaktionell leitend die Themenbereiche IT-Sicherheit, Web und Datenschutz. Außerdem betreut der studierte Media Producer den täglichen Früh-Newsletter und ab und an die iPad-Ausgaben der COMPUTERWOCHE. Aufgaben als Online-News-Aushelfer, in der Traffic- und Keyword-Analyse, dem Content Management sowie die inoffizielle Funktion "redaktioneller Fußballexperte" runden sein Profil ab.
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Manche Ereignisse und Entwicklungen möchte man schnell vergessen. Wir streuen Salz in die Wunden der Microsofts, Apples, IBMs, Palms und Netscapes dieser Welt.

Es waren immer nur Nuancen, die einer technischen Entwicklung die Richtung gaben - manchmal Zufälle und verpasste Chancen, allzu häufig aber auch verheerende Entscheidungen in den Chefetagen großer Unternehmen. Tops und Flops lagen in einer bewegten IT-Geschichte immer nah beieinander. Hier sind die Top 19 der größten Katastrophen.

Plätze 19 bis 15: IBM, SEA, Apple

19. IBM PS/2

1981 kam der erste IBM-PC auf den Markt. Im Gegensatz zu früheren Computern des Herstellers war er aus Komponenten von der Stange gefertigt, was zu günstigen Preisen führte. Im Laufe der 80er Jahre wurde IBM jedoch zunehmend von Wettbewerbern wie Compaq aus dem Markt gedrängt. Big Blues Strategie: weg von der Massenfertigung und zurück zu proprietären Bauteilen. So kam 1987 die Personal System/2-Serie auf den Markt, mit der zwar die meiste Software lief, die hardwareseitig aber mit der Mikrokanal-Bus-Architektur ausgestattet war. Das machte sie inkompatibel zu Dritt-Hardware und beförderte IBM noch weiter ins Abseits. Neue Kunden gewann Big Blue nicht mehr - der zuvor bereits grandios gescheiterte PCjr und die der PS/2 nachfolgenden PS/1-Serie taten ihr Übriges. Und dennoch lebt ein Stück PS/2-Technologie bis heute fort: in den seriellen Schnittstellen der klassischen Eingabegeräte Tastatur und Maus.

18. Virtuelle Realität

Linden Labs 3D-Web "Second Life" erlebte zwei Sommer, bevor es wieder in der Versenkung verschwand.
Linden Labs 3D-Web "Second Life" erlebte zwei Sommer, bevor es wieder in der Versenkung verschwand.

Der Film "Tron" läutete 1982 das Zeitalter der virtuellen Realität ein. 15 Jahre später sollte die Technologie den Markt dann endlich erobern. Sie tat es nicht. Die Programmiersprache VRML (Virtual Reality Modeling Language) war zu komplex, um eine breite Anhängerschaft zu finden. Einige wenige begeisterte Entwickler reichten nicht aus. Das "VR"-Konzept lebt auch heute immer wieder kurz auf (siehe "Second Life"), ob der Durchbruch aber jemals kommen wird, ist mehr als unsicher.

17. SEA ARC

Die 80er Jahre waren auch komprimierungstechnisch eine bewegte Zeit. Phil Katz nahm den Code des Packerformats ARC der Firma System Enhancement Associates (SEA) und baute daraus einen leistungsverbesserten Klon. Da Katz diesen Erfolg nach SEAs Ansicht aber auf illegale Weise erreicht hatte, klagte der Hersteller erfolgreich. Katz musste die Entwicklung des Klons einstellen. Den Anwendern, viele von ihnen schon Katz-Fans, schmeckte das nicht und sie zeigten SEA fortan die kalte Schulter - das Unternehmen konnte einpacken. Katz entwickelte ein komplett neues Komprimierungsformat, was er 1989 veröffentlichte: ZIP.

16. Apple OpenDoc

Die APIs "Cocoa" und "Carbon" waren noch lange nicht geboren, als sich Apple einer innovativen Programmiersprache mit Namen OpenDoc zuwendete. Entwickler konnte ihre Software damit aus modularen Komponenten zusammenbauen. Eine komplexe Textverarbeitung ist schließlich auch nichts anderes als die Kombination aus Text-Editor, Rechtschreibprüfung, Dateimanager und einigen kleinen Tools. So dachte Apple zumindest. Leider erwiesen sich die meisten Applikationen unter der Haube als weitaus komplizierter als an der Oberfläche. Der OpenDoc-Spuk dauerte lediglich fünf Jahre.

15. Push-Technologie

1992 hatte PointCast eine clevere Idee: Warum sollten Nachrichten, Börsenkurse und andere aktuelle Informationen den Anwendern nicht automatisch zugestellt werden, anstatt sie ins Web zu stellen und darauf zu warten, dass sie abgefragt würden. Die Idee eines "Push-Dienstes", der News direkt bis auf den Desktop befördert, war geboren. Schnell gab es eine Menge Nachahmer - das Datenaufkommen explodierte und sprengte alle Verbindungskapazitäten. Netzwerk-Administratoren sperrten die Push-Clients in den Unternehmen und die heimischen Modem-Nutzer ärgerten sich über die viele Werbung, die gleich automatisch mitgeliefert wurde. Rupert Murdochs Medienimperium News Corp. bot für PointCast im Jahr 1997 noch 450 Millionen Dollar - zwei Jahre später war der Hype vorbei und die Firma wurde für lächerliche zehn Millionen verkauft.

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