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Dicke Verträge nützen IT-Dienstleistern (noch) nicht viel

09.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - "Wir gehen nach wie vor von einem gedämpften Wachstum der Umsätze von IT-Dienstleistern für die nächsten Quartale aus." Rod Bourgois, Analyst bei Sanford Bernstein, zeigt sich gegenüber dem "Wall Street Journal" unbeeindruckt von den Mega-Deals, die einige IT-Dienstleister in den vergangenen Wochen präsentierten. Milliardenschwere Aufträge wie sie jüngst von IBMs Dienstleistungstruppe Global Services mit der Deutschen Bank oder J.P. Morgan Chase bekanntgegeben wurden, gelten derzeit eher als Ausnahme denn als Regel. Auf eine echte Erholung noch in diesem Jahr mag sich niemand so recht einstimmen. Denn noch befinden sich die Kunden in einer schwierigen Situation und verhandeln lieber neu über alte Verträge, als dass sie weitere Aufträge vergeben.

Immerhin scheint die Abwärtsbewegung des Marktes vorerst gestoppt zu sein, die Umsätze beginnen, sich zu stabilisieren. Unbestrittener Martktführer ist nach wie vor IBM Global Services. Die IBM-Tochter konnte Schätzungen zufolge ihren Vorsteuergewinn im vierten Quartal 2002 um vier Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,48 Milliarden Dollar steigern. Der Umsatz wird nach Meinung der Analysten von rund neun auf mehr als zehn Milliarden Dollar gestiegen sein. Die endgültigen Zahlen präsentiert IBM in einer Woche.
Auch Erzrivale Electronic Data Systems (EDS) beeindruckte mit einer Reihe großer Outsourcing-Deals (unter anderem ein Fünf-Jahresvertrag mit der Banc of America im Wert 4,5 Milliarden Dollar). Trotzdem bleiben die Analysten skeptisch bezüglich der Ergebnisse für das vierte Quartal. Die Marktbeobachter von Multex, so das "Wall Street Journal", rechnen damit, dass der Umsatz im vierten Quartal 2002 um rund 500 Millionen Dollar geringer ausfällt als in der Vorjahresperiode. Damals setzte EDS rund 5,9 Milliarden Dollar um. Für Accenture sehen die Analysten ebenfalls auf der Einnahmenseite eher einen Rückgang, rechnen allerdings damit, dass das Unternehmen im letzten Jahresviertel seinen Gewinn steigern konnte. Im Durchschnitt erwarten die Experten einen Profit von 24 Cent je Aktie, das vierte Quartal 2001 schloss die Company mit einem Gewinn von 20 Cent je Aktie ab. Als Entäuschung werteten viele den unsicheren Ausblick der in Bermuda ansässigen Firma, deren CEO Joe Forehand vor einem Monat lediglich auf der anhaltend schwer vorhersehbaren wirtschaftlichen Situation herumritt. Andrew Steinerman von Bear Stearns & Co. bezeichnete diese Aussage als Beleg dafür, dass das Unternehmen noch immer nicht aus dem Gröbsten heraus sei. Er glaubt, dass sich Accentures Umsatz auf jeden Fall unter dem des Vorjahreszeitraumes von 2,6 Miliarden Dollar bewegen wird.
Auf weniger Gewinn trotz steigender Einnahmen spekulierte Sanford-Analyst Rod Bourgois bei Bearing Point. Der ehemals als KPMG firmierende IT-Dienstleister wird seiner Ansicht nach einen Umsatz von 792 Millionen Dollar (Vorjahresquartal: 593 Millionen Dollar) ausweisen. Dagegen dürfte der Profit von zwölf auf zehn Cent je Anteilschein geschmolzen sein, da das Unternehmen wegen großangelegter Marketing-Kampagnen mit stark gestiegenen Kosten zu kämpfen hatte. Bearing Point verrät die Zahlen für sein zweites Fiskalquartal (Ende: 31. Dezember) am 30. Januar. (rs)