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Deutschlands beste IT-Projekte

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Die MLP AG und die Sparkasse Bad Tölz haben den Preis "Anwender des Jahres" gewonnen, den die COMPUTERWOCHE und Gartner Deutschland gemeinsam ausschreiben.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Finanzdienstleister MLP AG und die Sparkasse Bad Tölz haben den Wettbewerb "Anwender des Jahres" gewonnen.

Zwei Sieger und fünf glückliche Finalisten versammeltern sich zum Gruppenbild mit Damen. (Fotots: Bernhard Huber)

Erstmals wurde der Preis "Anwender des Jahres", den die COMPUTERWOCHE gemeinsam mit Gartner Deutschland ausschreibt, in den zwei Kategorien für Großunternehmen und für Mittelstandsfirmen verliehen.

MLP trug den Sieg in der Kategorie Großunternehmen mit einem kompletten Redesign seiner IT-Infrastruktur in nur 15 Monaten davon. Hierbei erledigten CIO Carsten Stockmann und seine Mitarbeiter sieben Einzelprojekte. Unter anderem entwickelten sie ein neues System für das Kunden-Management (Brokerpilot) und krempelten die Basisinfrastruktur mit 140 Linux-Servern und rund 4300 einheitlichen Clients in über 300 europäischen MLP-Geschäftsstellen um.

Die Projekte im Überblick

Sie wechselten ein Internet-Finanzportal von einer Brokat-Plattform auf ein J2EE/Struts-Framework und tauschten eine Eigenentwicklung bei der MLP Lebensversicherung AG gegen Standardsoftware des Münchner Softwarehauses FJH aus. Kosteneinsparung: 5,8 Millionen Euro in einem halben Jahr.

Die Sparkasse Bad Tölz, Gewinner in der Kategorie Mittelstand, glänzte ebenfalls mit einem Infrastrukturthema: In einem Big-Bang-Ansatz stellte das Team um IT-Projektleiter Anton Geraci gemeinsam mit den Partnern Tecoplan und Tenovis unter anderem die Sparkassenzentrale und acht Niederlassungen von einer konventionellen Telekommunikations-Anlage auf ein Voice-over-IP-System um. Sie integrierten darin ein Call-Center und installierten zudem ein Voice-Portal. Allein die TK-Kosten konnten um 25 Prozent, die Betriebskosten insgesamt um 70 Prozent gesenkt werden.

Carsten Stockmann, CIO der MLP AG, nahm den Preis "Anwender des Jahres Großunternehmen" entgegen.

Zu der Jury gehören neben Claudia Schnupfhagn, Vice President bei Gartner Deutschland, die hoch dekorierten Wissenschaftler Thomas Schildhauer und Horst Wildemann sowie der langjährige Diebold-Geschäftsführer Gerhard Adler. Das Quintett vervollständigt Andreas Resch, der 1999 mit der Herlitz PBS den seinerzeit erstmals ausgeschriebenen Titel errang und heute Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayer Business Services GmbH ist.

Ursprünglich hatten sich 83 Unternehmen beteiligt. Nach einer Zwischenqualifikation, die 32 Teilnehmern überstanden, wählte eine fünfköpfige, unabhängige Jury zunächst vier Mittelständler und drei Großkonzerne in die Finalrunde und kürten dann die beiden Sieger.

In die Finalrunde kamen bei den Großunternehmen der schwäbische Automobil-Weltkonzern Daimler-Chrysler und der Logitikspezialist Dachser.

Christoph Witte, Chefredakteur der COMPUTERWOCHE, überreicht den Preis "Anwender des Jahres Mittelstand" an Anton Geraci, IT-Projektleiter der Sparkasse Bad Tölz.

Daimler-Chrysler überzeugte durch eine integrierte Anwendungsplattform (IAP) für Java-basierende Anwendungen. Diese definiert weltweit für den gesamten Konzern Daimler-Chrysler gültige Standards für die Softwareentwicklung. Projektleiter Winfried Reimann und seine IT-Mannschaft schafften damit den Grundstock für eine einheitliche Anwendungsentwicklung. Auf dieser hat Daimler-Chrysler bislang schon über 80 Applikationen entwickelt. Hierzu gehören unter anderem ein unternehmensweit eingesetztes Mitarbeiterportal, ein Zuliefererportal und - ganz aktuell - ein Materialeinkaufssystem.

Der Kemptener Logistiker Dachser hat mit "NV Online II" seine IT-Lösung für den Nahverkehr komplett überholt. Hierzu entwickelten die Spezialisten um Projektleiter Hubert Reiser eine GPRS-Mobilanwendung. Mit dieser kompletten Neuentwicklung und dem Einsatz einer neuen Handheld-Generation bei den Fahrern erhalten diese schnell und effizient neue Informationen für die täglichen Arbeitsabläufe, Belieferungsprozesse etc. Eine besondere Herausforderung für Dachser stellte die Verbindung moderner .NET- und Java-basierender Anwendungen mit den Cobol-Programmen auf den zentralen i-Series-Rechnern dar.

Anwender des Jahres:

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In der Kategorie Mittelstand konnten sich die Zentrale Abrechnungsstelle für den Rettungsdienst Bayern GmbH (Zast), Melitta Haushaltsprodukte und die Markenfilm Gruppe für das Finale qualifizieren.

Zast hat mit der Einführung einer ERP-Lösung auf Internet-Portal-Basis die Abrechnungsprozesse mit verschiedensten Rettungsdiensten radikal vereinfacht, beschleunigt und spart damit schon in der Anfangsphase nach Abschluss des Projekts pro Jahr weit über 600.000 Euro ein. Neben den erheblichen Kosteneinsparungen kann die Zast aber auch ihr Dienstleistungsmodell ausweiten und anderen Organisationen in anderen Bundesländern anbieten.

Melitta Haushaltsprodukte hatte bislang die europaweiten Geschäftsaktivitäten in den Controlling-Abteilungen via Excel zu steuern versucht. Die hierbei generierten Daten waren aber bei weitem nicht so aussagekräftig, wie es sich die Geschäftsleitung gewünscht hätte. Insbesondere angetrieben von den Vorstellungen der Controlling-Fachabteilung in der Mindener Firmenzentrale entwickelte die Mannschaft um Projektleiter Achim Koch einen Kriterienkatalog für ein "Ex-IS"-Controlling-System auf Basis der "Decisionware"Lösung von MIS AG.

Grundlage des neuen Controlling-Systems ist ein Datenpool mit einem eigens entwickelten Datenmodell. Dieses musste für alle Länderorganisationen von Melitta einheitlich entwickelt werden. Die Reporting- und Planungs-Applikationen laufen auf einem Applikations-Server und werden heute den Anwendern über ein Web-Portal bereitgestellt. Melitta hat sich mit Ex-IS ein hocheffizientes Werkzeug zur Analyse und Steuerung seines Unternehmens geschaffen.

Die drei Finalisten in der Kategorie Großunternehmen (von links): Hubert Reiser (Dachser), Carsten Stockmann (MLP) und Wilfried Reimann (Daimler-Chrysler).

Markenfilm ist eine Filmproduktionsfirma aus Hamburg mit fünf weiteren Niederlassungen in ganz Deutschland, die Produktionsanfragen von Werbeagenturen umsetzt. Hierzu muss Markenfilm bei Produktionsanfragen etwa von Werbeagenturen schnell Konzepte vorlegen, wie eine geforderte Filmkonzeption kreativ umgesetzt werden kann. Markenfilm arbeitet hierbei mit über 1000 Regisseuren zusammen, deren Arbeitsproben auf Filmrollen in Bandarchivlagern festgehalten sind - allerdings nur auf analogen Videobändern.

Markenfilm hat deshalb ein komplett digitalisiertes Filmarchivierungssystem selbst entwickelt, weil am Markt angebotene Lösungen den Bedürfnissen der Hamburger nicht genügten. Sie bauten zudem eine Client-Server-Architektur auf, damit alle autorisierten Mitarbeiter an den sechs Standorten auf das System zugreifen können. Ferner bauten die Filmproduzenten eine SQL-Datenbank auf, in der das gesamte, jetzt in digitaler Form vorliegende Bandarchiv anhand von Metadaten zu Regisseuren und deren Arbeitsweise recherchiert werden kann.

Eine Schnittstelle zum Intra-/Internet ermöglicht die Anbindung auch externer Kunden an das System. Ein zentraler Archivserver kann das vorliegende DV-Material in diverse andere Formate mit je nach Kunden unterschiedlichen Qualitätsanforderungen konvertieren. IT-Leiter Ralf Nyenhuis hat mit nur zwei weiteren Mitarbeitern ein Projekt verwirklicht, mit dem die Kerntätigkeiten der Markenfilm Gruppe extrem vereinfacht, beschleunigt und die Recherche in den Bandarchiven gravierend verbessert werden konnten.