Accenture-Umfrage

Deutschland versagt beim E-Government

Florian Maier beschäftigt sich in erster Linie mit dem Themenbereich IT-Security. Daneben schreibt er auch über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C und ist für den Facebook-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
Öffentliche Verwaltung und Digitalisierung - zwei Begriffe, die in Deutschland nicht zusammen passen. Das will eine neue Umfrage von Accenture beweisen.

Der IT-Dienstleister Accenture hat über 6600 Menschen weltweit zum Thema digitale Verwaltungsangebote befragt. Davon kamen 1000 Teilnehmer aus Deutschland, die verbleibenden 5600 Befragten verteilen sich auf die Länder Australien, Frankreich, Singapur, die Vereinigten Arabischen Emirate, Großbritannien und die USA. Die Ergebnisse der E-Government-Studie sind - zumindest aus deutscher Sicht - ernüchternd.

Die Deutschen wollen digitale Verwaltungsservices in Anspruch nehmen. Das Problem: entweder man kennt sie nicht, oder es gibt sie erst gar nicht.
Die Deutschen wollen digitale Verwaltungsservices in Anspruch nehmen. Das Problem: entweder man kennt sie nicht, oder es gibt sie erst gar nicht.
Foto: dencg / shutterstock.com

Deutschland ist E-Government-Schlusslicht

Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der befragten Deutschen sind mit dem derzeit verfügbaren Angebot an digitalen Verwaltungsservices unzufrieden. Betrachtet man nur die Gruppe der 18- bis 29-jährigen Digital Natives, fällt das Ergebnis noch eindeutiger aus: 90 Prozent dieser Gruppe nutzen E-Government-Angebote, aber nur elf Prozent sind mit dem Angebot zufrieden.

Entsprechend schlecht fällt das Länder-Ranking innerhalb der Accenture-Studie aus: Deutschland ist Schlusslicht, wenn es um digitale Interaktion zwischen Staat und Bürgern geht. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der befragten Deutschen geben an, derzeit lediglich zehn Prozent ihrer Behördengänge digital zu erledigen. Das liegt allerdings in erster Linie daran, dass digitale Verwaltungsservices in Deutschland entweder nicht bekannt oder gar nicht erst verfügbar sind: 58 Prozent der Digital Natives wissen nicht, welche E-Government-Dienste überhaupt angeboten werden; 49 Prozent dieser Gruppe wollte gar Services genutzt haben, die es noch gar nicht gibt.

Digitale Verwaltung: Mehr Angebote, bessere Usability

Die öffentliche Verwaltung wird also nicht umhin kommen, ihr Service-Angebot deutlich zu erweitern und für die Bürger nutzerfreundlicher zu gestalten: 78 Prozent der Deutschen legen laut der Umfrage Wert darauf, digitale Verwaltungsleistungen so nutzen zu können, wie sie es etwa von Online-Shops gewohnt sind.

Catrin Hinkel, Geschäftsführerin des Bereichs Öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen bei Accenture, erklärt, warum diese Ergebnisse aus ihrer Sicht ein fatales Licht auf Deutschlands E-Government-Angebot werfen: "Trotz zahlreicher Bemühungen ist Deutschland noch immer nicht so erfolgreich darin wie andere Ländern, eine digitale Revolution in der Verwaltung anzustoßen. Zudem klafft gerade bei der jüngeren Generation eine erhebliche Lücke zwischen den Erwartungen und dem Ist-Zustand." Staat und Verwaltung drohten sich damit künftig weiter von der Gesellschaft zu entfremden. Denn von der digitalen Generation werde nur ernsthaft wahrgenommen, wer online und vernetzt sei.