Open Source

Deutschland und Frankreich hängen Amerika ab

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Europäische Unternehmen nutzen Open-Source-Software intensiver und sorgen sich weniger um Sicherheitsaspekte als Anwender in Nordamerika.

Geht es um den professionellen Einsatz quelloffener Systeme, liegt Frankreich im internationalen Vergleich einsam an der Spitze. Zu diesem Ergebnis kommt Forrester Research in einer Studie. 24 Prozent der von den Marktforschern befragten französischen Unternehmen verwenden bereits Open-Source-Software. Weiter 15 Prozent fahren Pilotprojekte oder planen dies innerhalb der nächsten 12 Monate. Deutsche Unternehmen liegen mit einem Einsatzgrad von 21 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von den Vereinigten Staaten und Kanada mit jeweils nur noch 17 Prozent (siehe Grafik).

Was gegen Open Source spricht

Französische und deutsche Unternehmen sind in Sachen Open Source weiter als nordamerikanische Anwender.
Französische und deutsche Unternehmen sind in Sachen Open Source weiter als nordamerikanische Anwender.

Die Forrester-Analysten Jeffrey Hammond und Diego Lo Giudice betonen einen weiteren interessanten Unterschied, der sich auch in Interviews auf der Fachkonferenz IT Forum Emea 2008 in Lissabon gezeigt habe: Europäische Unternehmen sorgen sich demnach weniger um Sicherheitsaspekte und mögliche rechtliche Probleme beim Open-Source-Einsatz als IT-Verantwortliche in Nordamerika. "Wir haben einfach noch keine erfolgreiche Klage gesehen, die solche Befürchtungen rechtfertigen würde", zitiert Forrester einen IT-Manager (siehe auch: SCO scheitert mit Klagen). Auch das von Kritikern oft ins Feld geführte Argument, mit dem Offenlegen des Quellcodes würden Sicherheitsattacken erleichtert, beunruhigt europäische Anwender weniger als amerikanische. Rund 45 Prozent der Unternehmen auf dem alten Kontinent äußerten diesbezüglich Bedenken. Unter den nordamerikanischen Befragten lag der Wert bei 71 Prozent.

Knackpunkt Support

Den Knackpunkt beim Open-Source-Einsatz sehen europäische Entscheider eindeutig im verfügbaren Support. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer bezeichnete diesen Aspekt als sehr wichtig. Für professionelle Unterstützung würden die meisten IT-Verantwortliche gerne bezahlen, vorausgesetzt der Wert der Support-Dienste lasse sich messen. Knapp fünfzig Prozent der Unternehmen haben laut eigenen Angaben bereits Geld für interne Supportmaßnahmen ausgegeben. Laut Forrester handelt es sich dabei vor allem um solche Organisationen, die Open-Source-Software nicht nur als Betriebssystem- oder Web-Server-Alternativen einsetzen sondern auch quelloffene Anwendungs-Plattformen, Entwicklungs-Tools und Infrastruktur-Dienste nutzen.

Noch immer gelingt es den Protagonisten zu selten, ein Bewusstsein für den Open-Source-Einsatz zu schaffen, führen die Marktforscher weiter aus. Der Grund: Quelloffene Software kommt oft über Hintertüren in die Unternehmen, beispielsweise als Bestandteil kommerzieller Produkte oder über Systemintegratoren (siehe dazu: Die Zukunft von Open Source). Viele IT-Verantwortliche und Business-Manager wüssten gar nicht, in welchen Umfang Open-Source-Systeme bereits im Einsatz sind. Abhilfe könnte mehr internes Marketing schaffen. Dabei gelte es insbesondere, Fachverantwortlichen den wirtschaftlichen Nutzen quelloffener Systeme klar zu machen.