Industrieappell

Deutschland - nutze Deine Softwarechance!

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Ohne Software und IT-Services stehen in Deutschland alle Räder still. Auf diesen Nenner lässt sich das Ergebnis einer Studie bringen, die der ITK-Verband Bitkom auf der CeBIT präsentierte.

Flankiert von den Chefs der Software AG und der SAP AG hat Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer auf der CeBIT die volkswirtschaftliche Bedeutung von Software und IT-Services betont. "Software und IT-Dienste sind die Hidden Champions der deutschen Wirtschaft", sagte Scheer, der zusammen mit SAP, der Software AG und IDS Scheer eine Untersuchung beim Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Auftrag gegeben hatte.

Der Bitkom-Sprecher schloss aus der Studie, dass Software und IT-Dienste hierzulande "Arbeitsplatzmotoren" seien und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands entscheidend davon abhänge. Im Jahre 2007 arbeiteten demnach rund 1,3 Prozent aller Beschäftigten in der Software- und Servicebranche - bis 2030 soll sich die Zahl verdoppeln, so dass mehr als eine Millionen Menschen in diesen Industrien beschäftigt sind.

Software und Services haben bessere Wachstumsperspektiven als der Hardwaremarkt.
Software und Services haben bessere Wachstumsperspektiven als der Hardwaremarkt.
Foto: Bitkom

Ende 2009 gab es hierzulande 553.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Selbständige im Bereich Software und IT-Dienstleistungen, eine geringfügige Steigerung von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die jeweiligen Umsätze sind im vergangenen Jahr allerdings leicht gesunken. Für 2010 erwartet die Branche aber bei der Software wieder ein Einnahmenplus von 1 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, während die IT-Services um 2 Prozent auf 33 Milliarden Euro zulegen sollen.

Scheer zeigte auf, dass die Branche vor großen Effizienzsprüngen stehe, da Arbeits- und Produktionsmethoden aus klassischen Industriezweigen nun in die IT-Welt übertragen würden. Das betreffe "Standardisierung, Automatisierung, Spezialisierung - das ganze gepaart mit geringer Fertigungstiefe." IT-Dienstleistungen würden zunehmend industriell hergestellt, IT-Anwendungen aus standardisierten Modulen konfiguriert.

SAP-Deutschlandchef Michael Kleinemeier wies darauf hin, dass Deutschland "Software made in Germany" als Chance begreifen müsse. Dazu müssten vor allem kleinere Softwarehäuser besser gefördert werden. "Diesen Betrieben geht das Geld sehr schnell aus, wir haben hier ein paar Nachteile im internationalen Vergleich", so der SAP-Deutschlandchef. Die Softwareindustrie strahle auf alle anderen Branchen aus und sei volkswirtschaftlich entscheidend. Deshalb müsse sie als "Kernindustrie" gezielt gefördert werden.

Derzeit hängt rund die Hälfte aller Industrieprodukte mittelbar oder unmittelbar von ITK ab. Ohne IT könnten diese Produkte gar nicht oder nur zu einem deutlich höheren Preis hergestellt werden. Hinzu kommt die Rolle der IT, wenn es darum geht, betriebliche Abläufe technisch abzubilden. Hier spielen weiterhin Service-orientierte Architekturen (SOA) eine wichtige Rolle - auch wenn der erste Hype vorbei ist.

"Eine riesige Chance für Anbieter von Unternehmenssoftware" sieht Karl-Heinz Streibig, Vorstandsvorsitzender der Software AG.
"Eine riesige Chance für Anbieter von Unternehmenssoftware" sieht Karl-Heinz Streibig, Vorstandsvorsitzender der Software AG.
Foto: Software AG

Karl-Heinz Streibich, Vorstandssprecher der Software AG, mahnte denn auch aufzupassen, dass die Software-Industrie hierzulande gepflegt und gefördert wird. Er zog Parallelen zur Unterhaltungsindustrie in den 70ern, zur PC-Branche in den 80ern und zum IT-Servicemarkt in den 90ern. In diesen Dekaden seien diese Branche jeweils in ihrer Hochphase gewesen - und anschließend zu einem Gutteil aus Deutschland verschwunden. Das dürfe der Softwareindustrie nicht passieren. "Wir haben eine echte Chance, im Markt für Unternehmenssoftware nicht diesen Weg zu nehmen". Dazu aber müssten Politik, Investoren und die breite Öffentlichkeit an einem Strang ziehen. (hv)