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Kelkoo-Studie

Deutschland ist der zweitgünstigste Online-Markt in Europa

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Der Comparison-Shopping-Anbieter Kelkoo hat seinen "European Online Price Index" veröffentlicht. Darin kommt Deutschland ziemlich gut weg.

Die im Auftrag von Kelkoo durchgeführte Studie vergleicht über 1220 Online-Preise (inklusive Mehrwertsteuer) in zehn größeren europäischen Ländern und den USA. Der Warenkorb umfasst 124 Konsumgüter aus zwölf Produktkategorien: Bücher, DVDs, Musik, Computer-Ausrüstung, Spielekonsolen, Spielwaren, Elektronik, Kosmetikprodukte, Mobiltelefone, Haushaltsgeräte, Autos und Lebensmittel. Alle Angaben in der Studie beziehen sich auf den gesamteuropäischen, aus dem Wert für die einzelnen Warenkörbe oder Produktkategorien errechneten Durchschnittspreis und geben die jeweilige prozentuale Abweichung an.

Der Studie zufolge schlagen die USA Europa weiterhin bei den Online-Preisen. Der Wert des US-Warenkorbs liegt um 35,4% unter dem Index-Durchschnitt. Dies ist zum großen Teil auf die relative Schwäche des Dollars gegenüber dem Pfund und dem Euro zurückzuführen. Hinzu kommt der vergleichsweise niedrige Mehrwertsteuersatz.

Doch als einer der am weitesten entwickelten und konkurrenzstärksten Online-Retail-Märkte der Welt folgt Großbritannien gleich hinter den USA, mit einem Warenkorb der deutlich weniger (-34%) als der Index-Durchschnitt kostet. Danach folgen in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis Deutschland (-17,5%), dicht gefolgt von Italien (-17,3%), Schweden (-16,4%), Belgien (-13,9%) und Frankreich (-12,4%).

Am anderen Ende der Skala hat Dänemark die höchsten Online-Preise insgesamt mit einem 83,2% über dem durchschnittlichen Index liegenden Warenkorbwert. Platz zwei nimmt mit dem benachbarten Norwegen (47,0%) ein weiteres für seine hohen Lebenshaltungskosten bekanntes skandinavisches Land ein, noch vor den Niederlanden (8,7 %).

Insgesamt bieten der Kelkoo-Studie zufolge Großbritannien und die USA die günstigsten Online-Preise in elf von insgesamt zwölf im Index analysierten Kategorien: Die USA liegen bei Autos (-37,3%), Spielkonsolen (-30,1%), Mobiltelefonen (-27,2%), Computern (-26,9%), Elektronik (-11,7%) und Kosmetika (-4,7%) vorne, während der Online-Handel in Großbritannien die besten Preise für Bücher (-54,6%), Musik (-49,5%), Spielzeug (-26,9%), DVDs (-22,0%) und Haushaltsgeräte (-12,7%) vorweisen kann. Für Lebensmittel ist das billigste Land Spanien, mit einem Warenkorb für Grundnahrungsmittel, der 38,2 Prozent unter dem Durchschnitt liegt. Deutsche Kunden genießen das zweitgünstigste Angebot in den Kategorien DVDs (-19,9%), Haushaltsgeräte (-8,4%) und Kosmetika (-4,2%).

Europaweit bietet Großbritannien die besten Online-Preise für Autos (-35,6%), Elektronik (-10,3%), Computer (-9,3%) und Mobiltelefone (-9,3%), womit der britische Online-Markt in neun von zwölf Produktkategorien am konkurrenzstärksten ist. Darüber hinaus bieten wiederum belgische Online-Händler die niedrigsten Preise für Spielkonsolen (-6,8%). Deutsche Internet-Shops ermöglichen in Europa dafür die größten Einsparungen bei Kosmetika (-4,2%).

Umgekehrt erweist sich Norwegen als das teuerste Land in sechs von zwölf Kategorien, nämlich bei Kosmetikprodukten (129,3%), Büchern (40%), Musik (33,8%), Mobiltelefonen (29,8%), Computer-Ausrüstung (20,4%) und Spielzeug (16,2%). Vielleicht überraschend haben sich die USA als teuerster Markt für den Kauf von Haushaltsgeräten (31,1%) erwiesen. Andere Länder, die die am wenigsten wettbewerbsfähigen Preise für Online-Waren aufweisen, sind Italien mit 17 Prozent teureren DVDs; Frankreich, wo Spiele und Spielkonsolen 16 Prozent über dem Durschschnitt liegen, Dänemark, wo Autos (88,7%) und Elektronik (17,8%) teurer sind sowie Schweden. Hier kosten Nahrungsmittel 68% mehr als im Index-Durchschnitt.

Grenzüberschreitendes Online-Shopping wird attraktiver und wächst kontinuierlich. So gaben noch 2009 erst 21 Prozent der deutschen Online-Käufer an, schon im Ausland über das Internet eingekauft zu haben. Aktuell beabsichtiget ein Drittel der europäischen Konsumenten, im kommenden Jahr Waren aus dem Ausland über das Internet zu beziehen.

Bo Jensen, Deutschlandchef von Kelkoo, kommentiert: "Aktuell bieten nur 25 Prozent der Online-Händler Waren über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus an, während knapp 30 Millionen von insgesamt 150 Millionen Internet-Shoppern in Europa im Ausland online kaufen. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass Online-Preise für die gleichen Produkte zwischen den Märkten um bis zu mehr als 200% variieren. Verbraucher könnten also von erheblichen Einsparungen profitieren, wenn grenzüberschreitendes Online-Shopping einfacher gemacht würde."

Gegen Unsicherheit in Bezug auf die bestehenden Rechtsregelungen, Bedenken um versteckte Kosten, Steuern und Abgaben sowie das Problem grenzüberschreitender Rückerstattungen will das Europäische Parlament durch Einführung ihrer neuen Richtlinie zu Verbrauerrechten (Consumer Rights Directive) den grenzüberschreitenden Online-Kauf durch eine Vereinfachung des Online-Handels zwischen den Mitgliedstaaten ankurbeln.

Was die Anbieterseite angeht, sollen die Kosten für den Verkauf sowie bisher bestehender übertriebener Verwaltungsaufwand für Online-Händler abgebaut werden. Für die Käuferseite gilt, dass die Verbraucher so eine größere Warenauswahl erhalten. Auch für mehr Rechtssicherheit soll gesorgt werden, Ansprüche auf Rückerstattung sollen verbessert und die Fristen für Widerruf und Garantien verlängert werden.