PAC-Studie

Deutschland hinkt bei Social Collaboration hinterher

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
In Sachen Social Collaboration gibt es mittlerweile zwar viele Initiativen; die Umsetzung steht aber häufig noch am Anfang.

Laut einer Studie des Analyse- und Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC) ist das Interesse an Social Collaboration in Unternehmen in Europa sehr groß. Vielfach wurden auch schon Projekte initiiert, aber die Umsetzung steht häufig noch am Anfang.

Social Collaboration sei längst kein Nischenthema mehr, so die Experten. In knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen werden bereits erste Initiativen gestartet. Allerdings berichten nur elf Prozent der Fachbereichsverantwortlichen von vollständig abgeschlossenen Projekten. In jedem dritten Unternehmen stecken die Initiativen noch in der Test- und Planungsphase.

Öffentliche Social-Networking-Dienste haben sich im Geschäftsalltag etabliert. Sie werden aber bislang häufig nur geduldet und nicht aktiv gefördert oder in die Social-Collaboration-Umsetzung integriert. Zudem sind Verbote immer noch an der Tagesordnung. In 31 Prozent der Unternehmen ist beispielsweise die Nutzung von Microblogging-Diensten wie Twitter untersagt.

Die Implementierung einzelner Social-Networking-Anwendungen reicht für die erfolgreiche Umsetzung von Social Collaboration nicht aus. "In den meisten Fällen fehlt die für eine effektive Vernetzung notwendige Selbstbestimmung und Flexibilität der Mitarbeiter", sagt der Lead-Analyst der Studie, Dr. Andreas Stiehler. "Auch gibt es meist noch keine Regelwerke für die Vernetzung." Außerdem vermissen zwei Drittel der Befragten eine aktive Mitwirkung des Managements.

Die größte Barriere für die Realisierung von Social-Collaboration-Konzepten sind aus Sicht der Fachbereichsleiter jedoch Bedenken hinsichtlich Datensicherheit sowie die Angst vor einem Abfluss von Unternehmenswissen.

Social-Collaboration-Initiativen werden laut PAC heute nicht als klassisches IT-Projekt initiiert, koordiniert und finanziert. Mehr als drei Viertel der entsprechenden Projekte wurden von den Fachbereichen oder vom Top-Management angestoßen. Dennoch funktioniert Social Collaboration nicht losgelöst von der IT. Für mehr als 80 Prozent der Befragten ist ein dediziertes Sicherheitskonzept ein absolutes Must have und mehr als 60 Prozent bestehen auf Möglichkeiten zur Datenanalyse. Auch die Integration mit anderen IT-Anwendungen wird, so die Studie, immer wichtiger. "Das Zusammenspiel von Business und IT ist der Schlüssel zum Erfolg. Der CIO muss deshalb nicht zum Chief Social Officer konvertieren, sollte aber bei der Planung mit am Tisch sitzen", so Stiehler weiter.

Deutschland, Land der Bedenkenträger

Effizientere Prozesse und eine bessere Unterstützung der Vernetzung sind typische Einstiegsthemen für Social Collaboration in Deutschland. So sehen die Fachbereiche hohen oder sehr hohen Handlungsbedarf bei Themen wie "Identifikation von Experten und Wissen" (66 Prozent), "gemeinsame Dokumentenbearbeitung" (61 Prozent) oder "Förderung der interdisziplinären Vernetzung" (57 Prozent). Dennoch hinkt Deutschland bei der Umsetzung hinterher: Nur 21 Prozent der Fachbereiche haben Social-Collaboration-Projekte zumindest teilweise umgesetzt. Zum Vergleich: in Großbritannien sind es 38 und in Frankreich 27 Prozent. "Social Collaboration muss sich entwickeln und lässt sich nicht perfekt planen. Wer zunächst abwartet und auf Verbote setzt, bis das Umfeld perfekt ist, der riskiert, im Wettbewerb zurückzufallen", warnt Nicole Dufft, Senior Vice President bei PAC Deutschland.

Auch bei konkreten Umsetzungsfragen zeigt sich Deutschland der Studie zufolge eher als Nachzügler. In knapp 90 Prozent der Unternehmen fehlt die aktive Mitwirkung des Managements. Jedes zweite Social-Collaboration-Projekt in Deutschland wird ad hoc nach aktuellem Bedarf umgesetzt und nicht langfristig strategisch geplant. Anstatt integrierter Lösungen werden zudem häufig verschiedene Einzelanwendungen genutzt.

"Social Collaboration-Initiativen müssen strategisch geplant, die Nutzung entsprechender Anwendungen durch die Mitarbeiter gezielt gefördert, Regeln definiert und die soziale Vernetzung technisch und organisatorisch in die Abläufe integriert werden", rät Dufft. Dabei nimmt PAC insbesondere die Führungskräfte in die Pflicht: "Es reicht nicht aus, neue Initiativen oder Pilotprojekte ins Leben zu rufen. Führungskräfte müssen selbst aktiv die neuen Möglichkeiten nutzen und Social Collaboration (vor)leben. Großbritannien zeigt, dass dies möglich ist und funktioniert."

Für die Studie wurden mehr als 250 Fachbereichsverantwortliche aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in Deutschland, Frankreich und Großbritannien befragt. Die Studie wurde unterstützt von Atos, Beck et al. Services, T-Systems International und der SQLI Group.