BITKOM-Präsident

Deutschland braucht mehr Unternehmergeist

23.02.2011
Die IT-Branche versammelt sich kommende Woche zur weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover.

August-Wilhelm Scheer, der Präsident des Branchenverbandes BITKOM, sprach mit der Deutschen Presse-Agentur über die Bedeutung der Messe, den Wettbewerb mit anderen Veranstaltungen und die Zukunft des IT-Standorts Deutschland.

Herr Scheer, der allgemeine Eindruck ist, die CeBIT hat seit den Rekordmessen zur Jahrhundertwende deutlich an Strahlkraft verloren. Spürt der BITKOM das auch? Wie steuern Sie gegen?

BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer
BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer
Foto: BITKOM

Scheer: Die CeBIT ist noch immer die überragende High-Tech-Messe in der Welt. Sie zeigt die gesamte Breite der Branche. Aber die CeBIT ist auch in einem Wandel, wie unsere ganze Industrie. Unternehmen wie IBM, die früher vor allem Hardware produziert haben, bieten heute primär Dienstleistungen an. Die Messe reagiert auf solche Entwicklungen. Mit dem neuen Konzept haben wir uns für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Wir werden neben den Fachbesuchern, die etwa 80 Prozent der CeBIT-Gäste ausmachen, auch den mündigen Verbraucher auf die Messe holen.

Stichwort Verbraucher: In den vergangenen Jahren schienen die Konsumenten manchen Cebit-Ausstellern nicht willkommen zu sein. Ist das nicht ein Zick-Zack-Kurs, dass sich das jetzt wieder ändern soll?

Scheer: Die Aussteller selbst haben sich verändert. Nehmen Sie zum Beispiel Microsoft: Microsoft stellt heute Spiele her, steigt in die Telekommunikation ein - und will damit natürlich auch den Endverbraucher ansprechen. Auch die Besucher haben sich verändert, viele Entwicklungen wie Apps und Cloud Computing adressieren den Privatbereich. Die Messe fährt auf dem Kurs der Branche. Es wäre schlimm, wenn man stur an Althergebrachtem festhielte und nicht mitkriegte, dass sich das Umfeld geändert hat.

Die CeBIT-Veranstalter sagen immer, man dürfe den Erfolg einer Messe nicht an Besucher- oder Ausstellerzahlen bewerten. Woran messen Sie den Erfolg einer CeBIT?

Scheer: Am besten misst man ihn an dem Umsatz, den Aufträgen, die die Aussteller erzielt haben. Kürzlich erzählte mir der Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens für E-Learning-Software, dass er einen Auftrag aus Afrika bekommen hat, für den er den Kontakt auf der vergangenen CeBIT geknüpft hatte. Ich kenne das: Ich bin als Aussteller auf jeder CeBIT seit ihrer Gründung gewesen, von den ganz kleinen Anfängen an. Die Früchte des Messeauftritts erntet man oft erst später.

Es fällt aber trotzdem auf, dass die Chefs internationaler Konzerne eher etwa auf dem Mobile World Congress in Barcelona anzutreffen sind, denn in Hannover?

Scheer: Das höre ich häufiger, aber stimmt es auch? Auf der CeBIT spricht Sam Palmisano, der weltweite Chef von IBM. Der CEO von Ford tritt auf, Alan Mullaly. René Obermann ist da, der HP-Chef kommt. Und die CeBIT versammelt die Spitzen der Politik - anders als Barcelona. Die Kanzlerin, der türkische Ministerpräsident Erdogan, EU-Kommissarin Kroes. Die CeBIT ist das Davos der IT-Branche. Gleichzeitig gilt: Nach Hannover kommen Fachbesucher, die auch mal in die Küche gucken wollen. Und in der Küche stehen nun einmal die Köche und nicht immer die Chefs der Restaurants. Trotzdem: Wir müssen daran arbeiten, dass wir auch mehr Glamour auf die Messe bekommen.