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Deutscher Gründerpreis verliert Schirmherrn

07.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Deutsche Gründerpreis, der von der Zeitschrift "Stern", der Unternehmensberatung McKinsey und dem Sparkassen- und Giroverband 1997 initiiert wurde und dem 2001 auch das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) als Initiator beitrat, hat mit Bundespräsident Johannes Rau seinen Schirmherrn verloren. Das Bundespräsidialamt hat sich mit der diesjährigen Auswahl des Siegers in der Kategorie "Visionär" nicht abfinden können. Die Internet-Apotheke 0800DocMorris hatte diesen Gründerpreis errungen.

Der Chef des Präsidialamts, Staatssekretär Rüdiger Frohn, schrieb in einem Brief an die Initiatoren des Deutschen Gründerpreises, er "empfinde diese Entscheidung der Träger des Wettbewerbs und der Jury als befremdlich." Die Vereinbarkeit der Geschäftstätigkeiten des Unternehmens mit geltendem Recht sei umstritten. Außerdem habe sich das Unternehmen wegen seiner Internet-Geschäfte - dem Versand von preisgünstigeren Medikamenten - vor Gerichten zu verantworten. Mit der Wahl von 0800DocMorris hätten die Initiatoren "die geschriebenen und die ungeschriebenen Regeln verletzt, die Grundlage für das Engagement des Bundespräsidenten waren." Es könne auch nicht toleriert werden, dass durch die Schirmherrschaft der Eindruck erweckt werde, der Bundespräsident gebe direkt oder indirekt sein Plazet zu den rechtlich noch nicht geklärten Aktivitäten von DocMorris.

Die vier Initiatoren des Gründerwettbewerbs bedauerten die Entscheidung des Bundespräsidenten, hielten aber gleichwohl an ihrer Entscheidung fest. In diesem Jahr habe man solche Unternehmen prämieren wollen, die mit ihren Geschäftsmodellen und Konzepten in der Lage sind, "starre Märkte aufzubrechen," erklärte ZDF-Kommunikationschef Alexander Stock. Mit der Entscheidung, DocMorris am 24. Juni 2003 den Visionärspreis zuzusprechen, habe man insbesondere neue Wege im Arzneimittelverkauf honoriert. (jm)