Deutsche Töchter: Unternehmenskultur in US-Firmen

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Unkomplizierte Umgangsformen, mit allen per Du und offene Bürotüren - so sieht das Klischee vom Arbeitsalltag in US-amerikanischen Firmen aus. Zusätzlich lockt internationales Flair gerade IT-Spezialisten. Doch der Alltag im Großraumbüro lässt die Träume von der großen weiten Firmenwelt mitunter schnell platzen, denn die scheinbare Freiheit kann sich als Illusion entpuppen.

„Ich habe lange über meinen ersten Job nachgedacht, denn in einer typischen Beamtenbude wollte ich nicht einsteigen“, erzählt Christian Funke. Mittlerweile arbeitet der 34-jährige Diplominformatiker schon fünfeinhalb Jahre bei Sun Microsystems in Heimstetten bei München, davon verbrachte er ein Jahr in der US-Zentrale. Nach den auffälligsten Unterschieden befragt, meint Funke: „Mich überraschte anfangs die Art, wie die Leute miteinander reden. Die Kommunikation funktioniert anders. Alle benutzten nur den Vornamen, Hierarchien waren nicht sofort sichtbar. Fragen an Kollegen, die eigentlich einige Stufen höher auf der Karriereleiter stehen, gehen leichter über die Lippen, da die förmliche Anrede entfällt.“

Das „Du“ gilt vom ersten Arbeitstag an

Für die Sun-Führungskräfte allerdings ist noch immer das höfliche „Sie“ reserviert, falls keine anderen Vereinbarungen getroffen wurden. Ähnliches weiß Sonja Fleischer-Atorf von Procter und Gamble in Schwalbach zu berichten: „Bei uns gehört die Anrede mit Vornamen und „Du“ vom ersten Arbeitstag an dazu. Das gilt für alle Hierarchieebenen, auch für den Geschäftsführer.“ Allerdings sei es, so die Senior-HR-Managerin, für sie anfangs durchaus ungewöhnlich gewesen, den um einige Jahre älteren Chef beim Vornamen zu nennen. Große Unterschiede zwischen US-Zentrale und den weltweiten Tochterunternehmen von Procter und Gamble gebe es nicht: „Die Werte und Prinzipien sind dieselben, ebenso die Tendenz zu

Großraumbüros und der Open-Space-Policy.“

Für offene Bürotüren und saloppe Umgangsformen können sich viele Mitarbeiter begeistern, allerdings nimmt die Euphorie rapide ab, wenn der Umzug in ein Großraumbüro mit eigenem „Cubicle“ ansteht. Daran erinnert sich auch der 46-jährige Holger Exner, der sieben Jahre für Texas Instruments als Marketing Manager Finance arbeitete und die letzten vier Jahre die Marketing-Abteilung der Viasoft International GmbH leitete: „Ich war immer ganz froh, dass ich nie längere Zeit in einem Kaninchenstall arbeiten musste.“ Bei Hewlett-Packard (HP) sind Großraumbüros auch für Führungskräfte eine Selbstverständlichkeit. „Unser Geschäftsführer Heribert Schmitz hat mit anderen Managern zusammen auch ein Großraumbüro“, erzählt die HP-Pressesprecherin Jeannette Weißschuh.

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