Großbritannien

Deutsche Telekom plant Joint Venture mit Orange

08.09.2009
Die Deutsche Telekom will ihre angeschlagene britische Mobilfunktochter T-Mobile in ein Joint Venture mit France Télécom einbringen.
Timotheus Höttges: "Beste unternehmerische Entscheidung für die Deutsche Telekom und ihre Aktionäre"
Timotheus Höttges: "Beste unternehmerische Entscheidung für die Deutsche Telekom und ihre Aktionäre"

Es seien Verhandlungen zu einer Zusammenlegung von T-Mobile (UK) und Orange UK aufgenommen worden, teilten beide Unternehmen am Morgen mit. Mit dem Gemeinschaftsunternehmen wollen die beiden einen neuen britischen Mobilfunk-Marktführer mit 28,4 Millionen Kunden und 37 Prozent Marktanteil (Stand Ende 2008) schaffen. Der Vertrag soll Ende Oktober abgeschlossen werden. Deutsche Telekom und France Télécom wollen jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture halten. Vorbörslich reagierte die Aktie der Deutschen Telekom leicht positiv und lag gegenüber dem Schlusskurs vom Vorabend 0,53 Prozent im Plus bei 9,5 Euro.

"Wir haben mit diesem Gemeinschaftsunternehmen die beste unternehmerische Entscheidung für die Deutsche Telekom und ihre Aktionäre getroffen", sagte Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges. Monatelang war über einen Verkauf der angeschlagenen britischen Tochter spekuliert worden, auf die die Bonner im ersten Quartal 1,8 Milliarden Euro abschreiben mussten.

Aus der Integration beider Unternehmen würden Synergien von mehr als vier Milliarden Euro (3,5 Milliarden Pfund) erwartet, hieß es weiter. Die operativen Kosten beider Mobilfunker sollen ab 2014 um jährlich mehr als 445 Millionen Pfund (508 Millionen Euro ) gesenkt werden. Die Telekom hofft, vor allem durch die gemeinsame Nutzung ihres Netzes sowie im Vertrieb und Marketing zu sparen. Auch bei den Investitionen in die Mobilfunknetze soll sich der Zusammenschluss mit 620 Millionen Pfund in den Jahre 2010 bis 2014 auszahlen, später sollen es 100 Millionen Pfund jährlich sein. Dem stehen erwartete Integrationskosten von 600 bis 800 Millionen Pfund (bis zu 914 Millionen Euro) in den Jahren 2010 bis 2014 gegenüber.

In das neue Joint Venture will die Deutsche Telekom die gesamten Aktivitäten von T-Mobile UK ohne Barmittel und Schulden einbringen. Dazu gehören auch die 50-prozentige Beteiligung am 3G-Joint-Venture mit Hutchinson sowie steuerliche Verlustvorträge von brutto mindestens 1,5 Milliarden Pfund. France Télécom würde 1,25 Milliarden Pfund Schulden mitbringen. Beide Unternehmen wollen aber Darlehen von jeweils 625 Millionen Pfund gewähren, so dass das Joint Venture im Ergebnis mit Schulden von 1,25 Milliarden Pfund starten würde. Die beiden Anteilseigner gehen fest davon aus, dass die Transaktion Wert schaffen wird und sich ab 2010 positiv auf den Free Cash Flow je Aktie und ab 2011 auf den Gewinn je Aktie auswirken werde.

Für die britischen Kunden versprechen Telekom und France Télécom eine bessere Netzabdeckung sowie eine verbesserte Netzqualität sowohl für Sprach- als auch für Datendienste. Durch die Integration der Aktivitäten der Breitbandsparte von Orange könnten T-Mobile-UK-Kunden künftig auch integrierte Festnetz- und Mobilfunklösungen in Anspruch nehmen. Die Marken eigenständigen T-Mobile UK und Orange UK sollen nach anderthalb Jahren verschwinden. (dpa/tc)