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Deutsche Telekom mit Milliardenverlust

05.03.2002
Erstmals seit ihrem Börsengang musste die Deutsche Telekom ein negatives Jahresergebnis ausweisen. Nach vorläufigen Zahlen verbuchte der Bonner Carrier im Geschäftsjahr 2001 einen Konzernfehlbetrag von 3,5 Milliarden Euro.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Erstmals seit ihrem Börsengang musste die Deutsche Telekom ein negatives Jahresergebnis ausweisen. Nach vorläufigen Zahlen verbuchte der Bonner Carrier im Geschäftsjahr 2001 einen Konzernfehlbetrag von 3,5 Milliarden Euro, während man 2000 hier noch plus 5,9 Milliarden Euro erwirtschaftet hatte. Der positive Wert des Vorjahres beruhte jedoch auf den Sondereinkünften aus dem Verkauf der Global-One-Anteile sowie der Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Ohne diese Zugewinne hätte die Telekom damals einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro verzeichnet. Das jüngste Ergebnis wurde vor allem durch Sonderaufwendungen und Abschreibungen unter anderem für die Akquisition der US-Mobilfunkgesellschaft Voicestream sowie der Kosten für die UMTS-Lizenzen belastet.

Der Umsatz der Telekom stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um 18,1 Prozent auf 48,3 Milliarden Euro. Die Einnahmen in Deutschland kletterten im Jahresvergleich um 5,7 auf 35,1 Milliarden Euro, die Auslandserlöse um 71,4 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro.

Die Zahl der konzernweit vermittelten Festnetz-Telefonanschlüsse einschließlich der ISDN-Kanäle lag zum 31. Dezember 2001 bei knapp 57 Millionen, was einem Wachstum von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert entspricht. Ende 2001 zählte die Telekom weltweit 48,9 Millionen Mobilfunkkunden. Das sind 20,9 Prozent mehr als im Vorjahr. T-Mobile Deutschland kam dabei auf über 23, die britische Tochter One-2-One auf 10,4 und Voicestream auf sieben Millionen Kunden. Auf die übrigen Mobilfunktöchter entfielen 8,4 Millionen Teilnehmer. T-Online steigerte seine Kundenzahl um 35,4 Prozent auf 10,7 Millionen. Zum Jahresende beschäftigte die Telekom 257.058 Mitarbeiter weltweit. Das sind 13,2 Prozent mehr als noch Ende 2000.

Im vierten Geschäftsquartal 2001 konnte der ehemalige Monopolist seine Schulden um 4,8 Prozent auf 62,1 Milliarden Euro senken. Hierzu trugen unter anderem Steuerrückerstattungen im Zusammenhang mit den verkauften Sprint-Anteilen sowie Immobilienverkäufe positiv bei. Ende 2000 hatten die Verbindlichkeiten des Konzerns bei 56,5 Milliarden Euro gelegen.

Das Geschäftsjahr 2001 habe im Zeichen "kräftiger Wachstumsraten" gestanden, erklärte die Telekom zusammenfassend. Dafür stünden die Expansion in neue und zukunftsträchtige Geschäftsfelder wie T-DSL, das Wachstum gerade im Mobilfunkbereich sowie die weitere Internationalisierung durch den Mehrheitserwerb der US-Mobilfunkgesellschaft Voicestream Wireless, der tschechischen Radio Mobil, der kroatischen Hrvatske Telekomunikacije und der mazedonischen Maktel (über die ungarische Tochter Matav).

Für das laufende Geschäftsjahr 2002 gab die Telekom keine Prognosen ab. Der endgültige Jahresbericht für 2001 soll am 23. April vorgelegt werden.

Die Anleger reagierten leicht verstimmt auf die roten Zahlen des rosa Riesen: Im frühen Handel am heutigen Dienstag sank die Telekom-Aktie zunächst um 2,3 Prozent auf 16,65 Euro. Im Laufe des Vormittags erholte sich der Kurs wieder auf 16,80 Euro (Stand: 11:19 Uhr). (ka)