Investitionen in den USA

Deutsche Telekom gibt schwachen Ausblick

23.02.2012
Die Deutsche Telekom geht beim Sorgenkind T-Mobile USA in die Offensive und baut dort ein Mobilfunknetz der vierten Generation.
"Der starke Gegenwind wird in diesem Jahr nicht nachlassen", warnt Telekom-Chef René Obermann.
"Der starke Gegenwind wird in diesem Jahr nicht nachlassen", warnt Telekom-Chef René Obermann.
Foto: Telekom

Die US-Sparte, deren Verkauf an den Konkurrenten AT&T jüngst an den Wettbewerbshütern gescheitert war, investiert Milliarden in ein LTE-Netz, wie das im Dax notierte Unternehmen am Donnerstag in Bonn mitteilte. Für dieses Jahr stellt die Telekom wegen des harten Wettbewerbs in den gesättigten Märkten USA und Europa einen Rückgang des bereinigten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von zuletzt 18,9 auf rund 18 Milliarden Euro in Aussicht. Der freie Barmittelzufluss dürfte von 6,5 auf sechs Milliarden Euro fallen. Für das vergangene Jahr schüttet die Telekom 70 Cent Dividende aus.

An der Frankfurter Börse fiel die Aktie im frühen Handel um 0,27 Prozent auf 8,94 Euro. Die Kennziffern zum vierten Quartal seien im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, schrieb Analystin Heike Pauls. Der Ausblick der Bonner für 2012 liege jedoch drei bis vier Prozent unter den Erwartungen.

"Wir haben 2011 überall starken Gegenwind gespürt. Und der wird in diesem Jahr nicht nachlassen", sagte Unternehmenschef René Obermann. Er fordert von der Telekom Innovationskraft, Kostendisziplin und Bereitschaft zur Veränderung, um im Wettbewerb weiter zu bestehen. 2011 sank der Umsatz von 62,4 auf 58,7 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA fiel von 19,5 auf 18,9 Milliarden Euro. Der freie Barmittelzufluss blieb mit 6,5 Milliarden Euro stabil. Umsatzrückgänge federte die Telekom an allen Fronten durch Effizienzsteigerungen ab, die allerdings nicht unbegrenzt fortsetzbar sein dürften.

Unterm Strich schrumpfte der Überschuss trotz der Ausgleichszahlung von AT&T für den gescheiterten Verkauf von T-Mobile USA von 1,7 Milliarden Euro vor einem Jahr auf 557 Millionen Euro. Dabei schlugen eine Reihe von Sonderposten zu Buche. Auf der Negativseite fielen 1,2 Milliarden Euro für Personalmaßnahmen an, deren größten Anteil deutsche Arbeitnehmer hatten. Zudem wurden 3,3 Milliarden Euro auf den Buchwert des US-Mobilfunkgeschäft sowie auf die von der Konjunkturflaute in Südosteuropa betroffene OTE-Gruppe abgeschrieben. Zusätzlich steckte die Telekom 1,7 Milliarden Euro in den Umbau. Auf der Positivseite verbuchten die Bonner die Barausgleichszahlungen sowie Rechte auf Mobilfunkspektren von der AT&T über insgesamt 3,2 Milliarden Euro.

Angeschlagenes US-Geschäft

T-Mobile-Laden auf der Market Street in San Francisco
T-Mobile-Laden auf der Market Street in San Francisco
Foto: Thomas Cloer (CC BY-NC-SA 2.0)

Im angeschlagenen US-Geschäft sank der Umsatz im vierten Quartal von 3,94 auf 3,85 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA blieb dank Kostensenkungen konstant bei einer Milliarde Euro. Als einzigem großen Anbieter fehlt der Telekom in den USA das beliebte iPhone im Programm. Die Telekom macht aus der Not eine Tugend und verzichtet weitgehend auf die teure Subventionierung von Smartphones und positioniert sich als Günstiganbieter.

Der Kundenexodus setzt sich allerdings fort. Im vierten Quartal lag die Kundenzahl mit 33,2 Millionen um mehr als eine halbe Million unter der des Vorjahres. Besonders mit lukrativen Vertragskunden tut sich die Telekom schwer. Obermann zeigte sich unzufrieden mit der Kundenentwicklung, will nun aber gegensteuern mit den Frequenzen, die das Unternehmen von AT&T erhält. Zudem rüstet die Telekom das dortige Netz auf LTE-Standard auf. Amerika-Chef Philipp Humm sagte, die Investitionen in das Netz würden mit 1,4 Milliarden Dollar beginnen und sich insgesamt auf vier Milliarden Dollar summieren.

Im Heimatmarkt verringerte sich Umsatz im vierten Quartal von 6,44 auf 6,05 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA sank von 2,34 auf 2,28 Milliarden Euro. Die Telekom profitierte weiterhin von der starken Nutzung des Datenstroms über Mobiltelefone. Negativ schlug die Senkung der Entgelte zu Buche, die die Telekom für die Umleitung von Anrufen auf ihr Netz verlangen darf. Da der Geldsegen aus dem gescheiterten Verkauf von T-Mobile USA ausbleibt, und die Telekom in den USA selbst investiert, ist unklar, ob die Bonner den Ausbau des deutschen Glasfasernetzes vorantreiben werden, um den leistungsstarken Angeboten der Kabelbetreiber Paroli bieten zu können.

Die IT-Sparte T-Systems zeigte sich in besserer Verfassung als erwartet. Der Umsatz blieb im vierten Quartal mit 2,46 Milliarden Euro beinahe stabil und das bereinigte EBITDA sank lediglich von 299 auf 282 Millionen Euro. Nachdem sich die Sparte in den vergangenen Jahren mit Großaufträgen übernommen hatte, konzentriert sie sich nur auf kleinere Projekte. (dpa/tc)

Newsletter 'Netzwerke' bestellen!