"Merhaba!"

Deutsche Konzerne entdecken türkische Kunden

25.11.2014
Vom Telekommunikationskonzern bis zum Stromversorger: Immer mehr Unternehmen umwerben die türkische Gemeinschaft in Deutschland mit eigenen Marken. Auch Banken sind dabei. Denn der Markt ist milliardenschwer.

"Hallo! Merhaba!". Gleich zweisprachig - auf Deutsch und Türkisch - begrüßt der Energiekonzern Eon seit dieser Woche die Kunden auf der Internetseite seiner jüngsten Tochter Enerji Almanya. Deutschlands größter Energieversorger hat türkische Familien und Betriebe in Bundesrepublik als Zielgruppe entdeckt. Und er ist damit nicht allein. Egal ob es um Strom, Telekommunikation oder Bankgeschäfte geht, immer mehr Unternehmen umwerben die türkische Gemeinschaft in Deutschland mit eigenen Marken.

Die Webseite von Enerji Almanya spricht auf Wunsch auch Türkisch.
Die Webseite von Enerji Almanya spricht auf Wunsch auch Türkisch.

Der Grund dafür ist einfach: Es gibt fast eine Million türkische Haushalte in Deutschland, wie Engin Ergün, Geschäftsführer der Ethno-Marketingagentur Ethno IQ, vorrechnet. Ihre Konsumausgaben summieren sich Schätzungen zufolge auf rund 17 Milliarden Euro. Doch von deutscher Werbung werden sie oft nicht erreicht. Dabei sind die Deutschtürken für Unternehmen Ergün zufolge als Kunden eigentlich besonders interessant. Denn sie legen Wert auf bekannte Marken und sind bereit, auch einmal tiefer in die Tasche zu greifen, wenn der gebotene Mehrwert das Leben erleichtert.

Der inzwischen vom Rivalen Telefonica übernommene Telekommunikationskonzern E-Plus gehörte zu den ersten, der diesen Markt für sich entdeckte. Mit seiner Tochter Ay Yildiz bietet das Unternehmen schon seit Jahren ein maßgeschneidertes Angebot für die Zielgruppe. Neben Flatrates für Deutschland sind dort ganz selbstverständlich auch solche für Gespräche in die Türkei im Angebot und Prepaid-Offerten, die für 9 Cent Gespräche in alle türkischen Netze ermöglichen. Ay Yildiz sei in diesem Bereich heute unangefochtener Marktführer, sagt Telefonica-Sprecherin Deniz Taskiran.

Auch die Targobank umwirbt bereits seit Sommer 2010 mit ihrem Angebot Bankadas (Bankfreund) die türkische Gemeinde in Deutschland - Beratung in der Muttersprache und kostenlose Überweisungen in die Türkei inklusive. Seit dem Start vor vier Jahren hat die Bank das Angebot kontinuierlich ausgebaut, wie Targobank-Sprecherin Tanja Plebuch berichtet. War der Bankadas-Service Anfangs nur in 60 Filialen erhältlich, so gibt es das Angebot inzwischen in 137 von 350 Targobank-Niederlassungen. "Wir haben immer wieder bemerkt, das Dinge wie Bankenangelegenheiten oder Finanzen gerne in der Muttersprache erledigt werden", sagt Plebuch.

Die Deutsche Bank nennt ihr Angebot Bankamiz. "Zweisprachige türkischstämmige Senior-Kundenberater" sollen dabei auf Mentalität und Wünsche der türkischen Kunden eingehen. Außerdem bietet der Branchenriese als zusätzlichen Anreiz unter anderem Kundenkarten mit der türkischen Fußball-Nationalmannschaft als Motiv und fünf kostenlose Überweisungen in die Türkei pro Jahr. Allerdings ist Bankamiz bislang nur in 40 ausgewählten Filialen im Angebot.

Dass die Spezialofferten deutscher Unternehmen für die türkische Community in Deutschland vom Rest der Bevölkerung oft gar nicht wahrgenommen werden, hat einen einfachen Grund. Die Werbung dafür läuft in aller Regel nicht in den deutschen Medien, sondern wird in türkischen Zeitungen und türkischen Fernsehsendern platziert, die hierzulande gelesen oder gesehen werden. So lässt sich die Zielgruppe viel besser erreichen. (dpa/tc)