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Deutsche Informatikstudenten haben kurzen Atem

18.02.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Rund die Hälfte der deutschen Informatikstudenten bringen ihr Studium nicht zu Ende. An den Universitäten beträgt die Abbrecherquote knapp 60 Prozent, während an den Fachhochschulen und Berufsakademien "nur" 40 Prozent der Informatikstudenten vorzeitig aufgeben. Das erklärte Stephan Pfisterer, Bildungsreferent des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) gegenüber der COMPUTERWOCHE. "An den Universitäten gehen die Professoren sogar von einer weiteren Steigerung der Abbrecherquote aus", fügte er hinzu. Der Grund für die im internationalen Vergleich geringe Absolventenzahl liegt unter anderem darin, dass viele Studenten mit falschen Vorstellungen an das Studienfach herangehen. Viele sind laut Pfisterer für die hohen Anforderungen vor allem im mathematischen Bereich nicht geeignet.

Hinzu kämen die schlechten Zustände an den Universitäten, wo überfüllte Seminarräume und eine mangelhafte Ausstattung den Informatikernachwuchs abschrecken. Motivationsprobleme verursacht den Studenten ferner die starke theoretische Ausrichtung des Studiengangs an den Hochschulen. Hier fordert der Bitkom ein stärkere Praxisorientierung der Universitäten und eine Abstimmung auf den aktuellen Arbeitsmarkt.

Geringer fällt die Abbrecherquote an den Fachhochschulen aus, wo das Informatikstudium laut Pfisterer stärker strukturiert und von Anfang an praxisorientierter ausgerichtet ist. Besser noch gelingt es den Berufsakademien, ihre Studenten bei der Stange zu halten. Die Studierenden seien von Anfang an "handverlesen", da sie nur an Studiengängen teilnehmen können, wenn sie zudem einen Arbeits- oder Praktikumsvertrag eines Unternehmens in der Tasche haben. Die Motivation sei hier deutlich stärker.

Insgesamt schrieben sich im laufenden Wintersemester 2001/2002 rund 25.400 Studenten für das Fach Informatik ein. Das sind rund fünf Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Damit ist die Bitkom-Statistik erstmals seit Mitte der neunziger Jahre rückläufig. (ka)