Studie

Deutsche Firmen nehmen Risikomanagement nicht ernst

26.11.2008
Uli Ries ist freier Journalist in München.
Anzeige  Unternehmen in Industriestaaten wie Deutschland nehmen Risikomanagement lange nicht so ernst, wie es zum Beispiel Indien oder China tun. Dort wird Risikomanagement als Wettbewerbsvorteil gesehen. Das belegt eine Studie des IT-Dienstleisters BT Global Services.
Sicherheitsexperte: Dr. Frank Kedziur leitet die IT-Securitysparte bei BT Global Services in Deutschland.
Sicherheitsexperte: Dr. Frank Kedziur leitet die IT-Securitysparte bei BT Global Services in Deutschland.
Foto: BT Global Services

Im Rahmen der Studie hat BT Global Services 2000 Führungskräfte in zehn Ländern zum Thema "Risk Management in Unternehmen" befragen lassen. Fazit laut Dr. Frank Kedziur, Leiter der IT-Sicherheitssparte bei BT Germany: Schwellenländer wie Brasilien, China, Indien und Südafrika variieren auch beim Risikomanagement erheblich von den Industrienationen Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Schweden und den USA. In den Schwellenländern glauben 81 Prozent der Befragten, dass Risikomanagement ein Wettbewerbsvorteil ist. In den Industriestaaten sind nur 44 Prozent der Befragten dieser Meinung. Die Folge: In den Industrienationen gibt es nur in 23 Prozent (Deutschland: 27 Prozent) der Firmen einen Corporate Security Officer (CSO), in Schwellenländern trifft dies auf 65 Prozent aller Unternehmen zu.

Von den deutschen Führungskräften glauben knapp 40 Prozent, dass sich Investitionen in Risikomanagement nicht notgedrungen in geringerem Risiko niederschlagen. Zum Vergleich: In Indien zweifeln weit weniger als zehn Prozent der Befragten, dass in Risikomanagement investiertes Geld vergeudet ist. Demzufolge unterscheidet sich auch die Bereitschaft, in Risikomanagement-Strategien und -Systeme zu investieren (Schwellenländer: 54 Prozent, Industrienationen 36 Prozent). Auffällig ist, dass nur knapp 40 Prozent der deutschen Befragten glauben, dass die kommende Generation der Angestellten - die mit Internet und IT-Gerätschafen aufgewachsen ist - durch ihr Verhalten Firmennetzwerke gefährden. In Indien fürchten sich 90 Prozent der Befragten vor solch schädlichem Verhalten.

Beinahe satirische Züge hat - angesichts der Bespitzelungsskandale bei Telekom, Bahn & Co. - eine weitere Angabe der Studie: 52 Prozent der hierzulande Befragten sagten, dass sie ihren Mitarbeitern uneingeschränkt vertrauen und die größten Gefahren von außen drohen. Nur 17 Prozent sehen in den eigenen Mitarbeitern eine größere Gefahr als in Angriffen von außen.