Deutsche CIOs ticken anders

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
In anderen Ländern liegt der Fokus der IT auf dem Unternehmenswachstum, hierzulande auf der Optimierung der IT-Prozesse.

Der Slogan "Do more with less" hat ausgedient. Die Unternehmen wissen heute um den Beitrag der IT zum Unternehmenserfolg und sind bereit, dafür Geld auszugeben - innerhalb eines bestimmten Rahmens. Das fand das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Gartner heraus, indem es CIOs von etwa 1450 Unternehmen, darunter mehr als 600 aus dem Emea-Raum (Europa, Naher Osten und Afrika) bezüglich ihrer Investitionspläne befragte. Nach der Schlussfolgerung der Analysten heißt die Devise für den CIO künftig: "Make a difference with what you have." Für die deutschen IT-Abteilungen gilt das aber offenbar nur eingeschränkt

Budgetsteigerung weit unter dem Durchschnitt

Weltweit werden die IT-Budgets heuer um durchschnittlich 3,3 Prozent steigen, prognostiziert Gartner. Lateinamerika liegt mit einer erwarteten Steigerung von neun Prozent deutlich über dem Durchschnitt, Emea mit drei Prozent knapp unterhalb des Mittelwerts. Die 29 befragten CIOs aus deutschen Unternehmen kommen nur auf ein mittleres Budgetwachstum von 1,4 Prozent.

Unternehmen, die sich von ihrem IT-Einsatz einen messbaren Geschäftserfolg versprechen, werden sogar 4,9 Prozent mehr dafür ausgeben als im vergangenen Jahr. In den eher auf IT-Effizienz ausgerichteten Organisationen hingegen betrage das durchschnittliche Budgetwachstum nur 1,7 Prozent. Zu dieser Kategorie zählt offenbar die Mehrzahl der deutschen Betriebe.

Der Schwerpunkt der IT-Investitionen wird sich gegenüber dem vergangenen Jahr verschieben, so Gartner weiter. Die wichtigsten IT-Ziele für 2008 seien:

  • die Verbesserung der Geschäftsprozesse,

  • das Gewinnen und Halten von Kunden sowie

  • das Schaffen neuer Produkte und Dienstleistungen (Innovation).

Worauf CIOs weltweit setzen

Business-Prioritäten

Technische Prioritäten

Optimierung der Geschäftsprozesse (1)

Business-Intelligence-Applikationen (1)

Neukundengewinnung und -erhalt (3)

Unternehmensanwendungen wie ERP , CRM etc. (2)

Neue Produkte und Services/Innovation (10)

Server und Storage-Technologien (5)

Expansion in neue Märkte und Regionen (9)

Modernisierung von Legacy-Applikationen (3)

Senkung der Betriebskosten im Unternehmen (2)

Technische Infrastruktur (8)

Verbesserung der Mitarbeitereffizienz (4)

Sicherheitstechnologien (6)

Ausbau bestehender Kundenbeziehungen (3)

Netzwerk, Sprach- und Datenkommunikation (4)

Steigerung des Nutzens von Informationen und Analysen (7)

Technologien für den Collaboration-Bereich (10)

Effizientere Ausrichtung auf Kunden und Märkte (-)

Dokumenten-Management (9)

Zukauf neuer Firmen und Kompetenzen/Fusionen und Akquisitionen (-)

Service-orientierte Architekturen (SOA) und Service-orientierte Business-Applikationen (SOBA) (7)

Diese Ziele stellen neue Anforderungen an die IT, die sich mit der vorhandenen Technik und einer traditionellen Auffassung von deren Aufgabe kaum erfüllen lassen.

Die Kosten sind nicht mehr so wichtig

Gartner diagnostiziert weltweit eine fundamentale Veränderung im Selbstverständnis und der Wahrnehmung der Unternehmens-IT. Der Beleg: Die Kostenersparnis, im vergangenen Jahr noch Priorität Nummer zwei, findet sich im globalen Mittel diesmal erst auf Platz fünf.

Gestützt wird diese Einschätzung auch durch die Angaben der befragten CIOs: 85 Prozent von ihnen sehen sich und ihre Abteilung vor einem grundlegenden Wandel, der sich in den kommenden drei Jahren vollziehen werde - ausgelöst durch die steigenden Ansprüche des Business. Auf diese Herausforderung reagieren die Unternehmen unter anderem mit höheren Investitionen in Web-2.0-Techniken und Business-Intelligence-Anwendungen.

Im Einklang mit diesen Zielen stehen die Strategien, die von den CIOs als besonders effektiv angesehen werden. Ganz oben rangieren "Projekte, die geschäftliches Wachstum ermöglichen", gleich dahinter die "Verbindung von Business- und IT-Strategien beziehungsweise -Plänen".

In Deutschland allerdings sind die CIOs offenbar noch mehr mit den IT-internen Prozessen beschäftigt als mit dem Unternehmenswachstum. Dazu Martin Plessow, Vice President Executiv Programs bei Gartner Deutschland: "Auf der Liste der zehn wichtigsten CIO-Strategien ist der Aspekt ‚ÄöWachstum ermöglichen‚Äò weltweit auf Platz eins gelandet, im deutschen Ranking hingegen taucht er gar nicht auf. Demgegenüber wird in Deutschland der Verbesserung von IT-Prozessen eine hohe Bedeutung beigemessen."

Was deutsche CIOs für wichtig halten

Welche Technik ist 2008 relevant?

Unternehmensanwen-dungen wie ERP , SCM und CRM

Dokumenten-Management

Business Intelligence

Sicherheitstechniken wie Zugriffskontrolle, Authentifikation etc.

Collaboration-Technik

Kundenservice und Vertrieb

Modernisierung von Legacy-Systemen

Anwendungen und Devices für mobile Mitarbeiter

Server und Speichertechnik

Netze, Voice- und Daten-Kommunikation (inklusive VoIP)

Unterschiede hat der Gartner-Manager auch bei der Bewertung der technischen Prioritäten beobachtet. So spiele das Thema Business Intelligence hierzulande eine geringere Rolle als anderswo: "Während es in den meisten Ländern den ersten Platz belegt, kommt es in Deutschland nur auf Rang drei." Stattdessen beschäftigten sich die deutschen IT-Abteilungen vorrangig mit ERP- und Dokumenten-Management-Systemen.

Deutsche Vorstände kommen ohne CIO aus

Wie schon eine aktuelle Accenture-Studie belegte (www.computerwoche.de/1853341), berichten in Deutschland relativ wenige CIOs direkt an die Unternehmensspitze. Laut Gartner sind es nur 21 Prozent, während der weltweite Durchschnitt bei 38 Prozent liege.

Last, but not least wenden die deutschen CIOs auch geringfügig mehr Zeit (genauer gesagt: 64 statt 63 Prozent) dafür auf, den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten, als ihre internationalen Kollegen. So bleiben für Aktivitäten, die Gartner unter "Grow the Business" fasst, hierzulande nur 19 Prozent des Gesamtaufwands, während es weltweit 21 Prozent sind.