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Deutsche CIOs leiden unter alten Systemen und hohem Kostendruck

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die deutschen IT-Abteilungen liefern gute Ergebnisse unter widrigen Umständen, so eine aktuelle Studie.

Die IT-Systeme deutscher Unternehmen sind zu zwei Dritteln bereits abgeschrieben. Zudem haben drei von vier CIOs keine Budgethoheit, sondern sind relativ häufig IT-fremden Vorstandsressorts unterstellt. Hierzulande gilt die Informationstechnik in den meisten Unternehmen immer noch als Kostenstelle. Entsprechend schlecht sind Geschäft und IT aufeinander abgestimmt (siehe auch: "Alignment bringt Geld"). Die Ergebnisse der jüngsten "High-Performance"-Studie von Accenture sind also auf den ersten Blick alles andere als positiv.

Umso überraschender schneiden die deutschen IT-Abteilungen im internationalen Vergleich ab: Der Studie zufolge haben die CIOs in den hiesigen Unternehmen ihre überalteten Systeme gut im Griff; für den reinen Betrieb und die Maintenance wenden sie nicht mehr Zeit auf als ihre Kollegen aus anderen Ländern. Zudem beurteilen sie ihre Anwendungen zumeist deutlich besser als der weltweite Durchschnitt – hinsichtlich der Erfüllung technischer wie auch geschäftlicher Anforderungen. Und in der Nutzung neuer Techniken, beispielsweise Wikis oder Service-orientierter Architekturen (zum Thema SOA siehe auch "Wie sag ich's meinem Chef"), sind die deutschen CIOs deutlich weiter fortgeschritten als das Gros der internationalen IT-Chefs.

Nachholbedarf zeigt sich erst, wenn die allgemeinen Umfrageergebnisse den Angaben der besonders erfolgreichen Unternehmen gegenübergestellt werden. Diese von Accenture "High Performers" genannten Betriebe nutzen die IT weit intensiver und mit anderen Schwerpunkten als Durchschnittsorganisationen. Sie investieren vor allem in automatisierte Kunden- und Lieferantenkommunikation, mobile Applikationen und Web-2.0-Techniken. Unnötig zu erwähnen, dass dort kein einziger CIO an den Finanzchef berichtet!