Studie Hasso Plattner Institut

Design Thinking dauert vier Jahre

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Rund vier Jahre braucht die Methode, bis sie in den Köpfen der Unternehmensleitung ankommt. Anwender stellen vor allem eine bessere Arbeitskultur fest. Das ergab eine HPI-Studie.
Design Thinking lässt noch nicht jedem Entscheider ein Licht aufgehen.
Design Thinking lässt noch nicht jedem Entscheider ein Licht aufgehen.
Foto: Ismagilov - shutterstock.com

Design Thinking ist schwer zu greifen. Die Schwierigkeiten fangen schon bei der Definition an, von der Erfolgsmessung ganz zu schweigen. Das räumt jedenfalls das Hasso Plattner Institut in seiner Studie "Parts without a whole - The Current State of Design Thinking Practice in Organizations" ein. Das Institut an der Universität Potsdam nimmt für sich in Anspruch, die erste umfassende Analyse von Design Thinking im Unternehmensalltag vorzulegen. Basis sind Angaben von 235 Entscheidern, davon 112 aus Deutschland. Das Institut hat nicht nur einen quantitativen Fragebogen herausgegeben, sondern mit einzelnen Entscheidern auch qualitative Gespräche geführt.

Rund um den Begriff Design Thinking haben die Studienteilnehmer 37 Synonyme angegeben. Sie reichen von Biothinking über Holistic User-needs-centered Innovation und Human-centered Design bis Value by Design. Das mag mit der kurzen Erfahrung zusammenhängen: Die meisten Befragten setzen sich erst seit ein bis zwei Jahren aktiv mit Design Thinking auseinander.

Möglicherweise lassen sich die Effekte von Design Thinking auch deswegen schwer benennen. Das Hasso Plattner Institut schreibt selbst von der "Crux with measuring" und widmet dieser Krux gleich ein ganzes Kapitel. Die Studienautoren zitieren einen Teilnehmer mit den Worten: "Wie würden sie das denn messen? Messung impliziert harte Metriken, die einen Vergleich mit anderen Methoden ermöglichen. Außerdem: Wenn sie Design Thinking ins ganze Unternehmen einbinden, lässt es sich nicht als singuläres Konzept messen."

Nichtsdestoweniger schreiben die Anwender Design Thinking Wirkungen zu. In Zahlen: 71 Prozent sprechen von verbesserter Arbeitskultur, 69 Prozent von effizienteren Innovations-Prozessen. Mit deutlichem Abstand folgt die Beobachtung, dass Nutzer öfter eingebunden werden, seit man Design Thinking anwende (48 Prozent). 18 Prozent wollen Kostensenkungen festgestellt haben. Fünf Prozent wiederum geben an, sie hätten keinerlei Effekt erzielt. Diese Angaben beziehen sich auf Wirtschaftsunternehmen.

Bezüglich Non-Profit-Organisationen gibt es zwei Ergebnisse: 29 Prozent konnten ihre Verkaufszahlen verbessern und 18 Prozent arbeiten seit Einführung von Design Thinking profitabler.

Teamarbeit verbessert sich

Die Studienautoren haben sich die Verbesserungen in Sachen Arbeitskultur in einem der qualitativen Gespräche näher erklären lassen. Der Studienteilnehmer gab an, Design Thinking verbessere an sich bereits die Teamarbeit. In seinem Unternehmen ging es darum, insgesamt Design-getriebener zu arbeiten. Daher wurde die neue Methode, die insgesamt rund vier Jahre brauchte, bis sie in den Köpfen der Unternehmensleitung angekommen war, um ein großangelegtes Change-Programm ergänzt. Im Ergebnis strukturierte sich das ganze Unternehmen um und stellt nun nach den Worten des Befragten die Geschäftsprozesse und Markenidentitäten viel stärker in den Mittelpunkt.

Design Thinking vor allem in Forschungsabteilungen relevant

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Vor allem Forschungsabteilungen setzten Design Thinking ein. Es folgen Marketing und Consulting (intern wie extern) sowie auf Rang vier die IT-Abteilung vor Sales und Personal. Die meisten Teilnehmer (145 von 232) haben sich an Bildungsträger gewandt, um die Methode zu lernen. Sie nennen beispielsweise das Center of Design Research Stanford in den USA, das Fraunhofer IASA in Kaiserslautern und die University of Applied Science Munich.

Immerhin 81 Befragte geben an, sie hätten sich Design Thinking selbst beigebracht. Weitere 46 wurden intern gecoacht.

Manchmal scheitert Design Thinking auch

Jeder zehnte Studienteilnehmer hat Projekte rund um Design Thinking wieder aufgegeben. Entweder galten solche Aktivitäten von vornherein als begrenzt oder es fehlte die Unterstützung durch das Management. Andere scheiterten an der Implementierung.

Die Studienautoren wollen Design Thinking als Reise verstanden wissen. Wer nach diesen Prinzipien agieren wolle, müsse sich auf massive Veränderungen von Teams und ganzen Abteilungen einstellen. Ohne flankierende Change-Initiativen rund um Führungskultur und Innovationsfähigkeit verpufft die Methode.