Virtualisierung des Arbeitsplatzes

Der zentralisierte Desktop kommt scheibchenweise

Wolfgang Sommergut ist Betreiber der Online-Publikation WindowsPro.
Citrix steht mit dem Terminal-Server seit Jahren für ein Modell der Desktop-Zentralisierung. Auf dem iForum in München zeigte das Unternehmen nun neue Optionen zur Virtualisierung der Clients im Rechenzentrum.

Citrix gilt als Pionier bei der Nutzung von Windows als Multiuser-Umgebung. Seit dem Verkauf der entsprechenden Erweiterungen an Microsoft Mitte der 90er Jahre konzentriert sich das Unternehmen darauf, die in den Windows Server integrierten Basisfunktionen für Terminaldienste mit eigenen Produkten zu erweitern. Die wesentliche Komponente ist dabei der "Presentation Server", der zuvor auf den Namen "Metaframe" hörte und kürzlich auf "Xenapp" umgetauft wurde.

Das langjährige Hauptprodukt von Citrix ermöglicht ein Modell des Server Based Computing, wie es in den ersten Jahren genannt wurde. Es bietet eine Reihe von Vorteilen, die zahlreiche Unternehmen überzeugten und zu einer großen Verbreitung der Software führten. Dazu zählen die zentrale Administration, Zugriffsmöglichkeiten über das Web und schmalbandige WAN-Verbindungen sowie die Bereitstellung ressourcenhungriger Anwendungen für leistungsschwache Endgeräte. Durch die zentrale Kontrolle der Applikationen versprechen sich Firmen auch mehr Datensicherheit von einer solchen Lösung.

Terminal Server nicht für alle Arbeitsplätze

Bei allen Vorteilen, speziell auch bei den Kosten für das Desktop-Management, leidet das Terminalmodell auch unter einigen wesentlichen Defiziten, so dass es für viele Arbeitsplätze nicht in Frage kommt. Dazu zählt, dass die Anwendungen auf einem Server-Betriebssystem laufen, dessen Desktop sich vom aktuellen Client-Windows unterscheidet.

Beim bisher dominierenden Modell des zentralen Desktops, dem Terminal-Server, teilen sich die Anwender das Betriebssystem.
Beim bisher dominierenden Modell des zentralen Desktops, dem Terminal-Server, teilen sich die Anwender das Betriebssystem.

Persönliche Anpassungen durch die Benutzer kommen ebenso wenig in Frage wie die Installation eigener Software. Die Nutzung lokaler Peripheriegeräte ist umständlich, das Offline-Arbeiten wird nicht unterstützt, einige Anwendungen vertragen sich nicht mit einer Multiuser-Umgebung, und die Darstellung von Multimedia-Anwendungen ist meist unbefriedigend. Insgesamt fällt das Benutzererlebnis bei entfernt laufenden Anwendungen im Vergleich zu ihren lokal ausgeführten Pendants sichtbar schlechter aus.

Aus diesem Grund beschränkt sich der Einsatz des Presentation Server in den meisten Firmen auf bestimmte Arbeitsplätze und Applikationen. Zu der typischen Zielgruppe gehören Sachbearbeiter, die den Großteil ihrer Aufgaben mit einigen Programmen von einem festen Arbeitsplatz aus erledigen. Deshalb ist die Terminallösung etwa im Bankensektor oder in Call-Centern sehr beliebt.