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Der Tauschhandel erobert das Internet

26.01.2000
Barter-Sites ermöglichen Geschäfte ohne Bargeld

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Internet eröffnet auch dem Tauschhandel zwischen Unternehmen neue Dimensionen. Mit Bigvine.com startete jetzt ein weiterer Anbieter in diesem jungen Marktsegment.

Experten schätzen, dass mindestens ein Siebtel des gesamten Welthandels über Tauschgeschäfte abgewickelt wird. Nachdem das Internet schon im herkömmlichen Handel zu globalen Marktplätzen von großer Transparenz geführt hat, entstehen in jüngster Zeit Websites, die sich ganz dem bargeldlosen Tauschhandel verschrieben haben. Als Pioniere gingen Ende vergangenen Jahres etwa Bartertrust.com oder Ubarter.com auf Sendung. Nun legte Bigvine.com nach, ausgestattet mit reichlich Venture-Kapital und dem starken Partner American Express an seiner Seite.

Registrierte Unternehmen können über die Website von Bigvine beispielsweise überschüssige Waren in Form von Tauschgeschäften losschlagen und gesuchte Güter erwerben, ohne dafür Bargeld einzusetzen. Möglich wird das durch die künstliche Währung "Trade Dollar", mit der die Geschäfte abgewickelt werden. Dadurch entsteht eine sehr viel offenere "Tauschgemeinschaft", da die Interessenten nicht mehr wie üblich auf Zweierbeziehungen angewiesen sind. Sie lassen sich vielmehr in Trade Dollars bezahlen und können damit wieder Waren Dritter eintauschen. Überschüssiges Kunstgeld wird eins zu eins in US-Dollar abgerechnet.

Für einen Vertrauensvorschuss bei den interessierten Firmen soll American Express sorgen. Das Kreditkartenunternehmen wird im Rahmen der Partnerschaft bei seinen zwei Millionen mittelständischen Firmenkunden ebenso für Bigvine werben wie bei all den Unternehmen, die die American-Express-Karte akzeptieren. Gleichzeitig rechnen die Teilnehmer der Tausch-Seite die erhobenen Gebühren ebenfalls über die Kartenfirma ab. Bigvine kassiert Beträge von fünf bis 30 Dollar für einen Eintrag in das Tausch-Verzeichnis sowie je nach Wert eines abgewickelten Geschäfts Transaktionsprovisionen in Höhe von sechs bis acht Prozent, die zu gleichen Teilen von Anbieter und Nachfrager beglichen werden.