CW-Kolumne

Der Spaß hat ein Ende

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Das Zitat der vergangenen Woche lautete: „In einem Wort: Schlecht.” Gemeint ist Windows 8 auf dem Desktop, Urheber ist Gartner-Analyst Gunnar Berger, der in seinem Blog kein gutes Haar an Microsofts Neuling ließ.
Heinrich Vaske, Chefredakteur Computerwoche
Heinrich Vaske, Chefredakteur Computerwoche

Dass diese Meinung so hohe Wellen schlagen konnte, überrascht ein wenig. Für die meisten Unternehmen ist Windows 8 auf dem Desktop erst einmal nicht relevant. Sie haben gerade Windows 7 eingeführt oder sind noch dabei. Und sie sind glücklich, nach dem Vista-Flop wieder ein stabiles Betriebssystem mit guten Sicherheits-, Administrations- und Netzwerkeigenschaften vorzufinden. Windows 8 und die schöne neue Metro-Welt sind für sie weit, weit weg, schon weil es dafür zunächst kaum Anwendungen gibt und die Migration vorhandener Win-32-Anwendungen Jahre dauern wird – vorausgesetzt, es ist denn ein Nutzen erkennbar. Nicht die Kunden haben derzeit ein Problem, Microsoft hat es.

Hinter Windows 8 steht der gewagte Versuch, die außer Kontrolle geratene Betriebssystem-Welt mit einem einheitlichen Konzept und Design vom Smartphone bis zum Server wieder einzufangen. Das wird schwierig, denn inzwischen prägen Apple mit iOS und Google mit Android ebenso die Nutzergewohnheiten. Ihre Systeme sind akzeptiert, der Vorsprung, insbesondere was die Verfügbarkeit von Apps betrifft, ist gewaltig.

Von hier aus wächst der Druck auf das Windows-Imperium, nicht nur, weil Tablets zunehmend Notebooks ersetzen. Längst kümmert sich das Open-Source-Projekt Android x86 mit viel Einsatz auch um die Eroberung des Desktops. Um den zerstörerischen Prozess aufzuhalten, braucht Microsoft Anteile im Tablet- und Smartphone-Markt. Das Unternehmen ist bereit, erhebliche Risiken einzugehen. Die Ankündigung, mit den eigenen „Surface“-Tablets ins Hardwaregeschäft einzusteigen, hat die Partner nicht erfreut. Und dass neben Windows 8 Pro für die Intel-Welt eine zweite Variante namens Windows RT für ARM-Hardware vorgesehen ist, dürfte Intel keinen Spaß machen. Aber um Spaß geht es bei