Der richtige Umgang mit Personalberatern

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
"Können Sie gerade frei sprechen?" Wer diese Frage hört, hat in der Regel einen Personalberater am anderen Ende der Leitung. Die Frage ist nur, wie seriös der Gesprächspartner ist.

Hier lesen Sie ...

  • was seriöse Personalberater von den schwarzen Schafen der Branche unterscheidet;

  • warum Bewerber nicht sofort ihren Lebenslauf herausgeben sollten;

  • welche Rolle Personalberater in Gehaltsverhandlungen spielen.

Das Berufsbild ist nicht geschützt. Allein in Deutschland tummeln sich laut BDU (Bund Deutscher Unternehmensberater) bis zu 3000 Personalberater, die meisten agieren als Einzelkämpfer. Ein gepflegtes Äußeres, eine beeindruckende Visitenkarte und das Büro in bester City-Lage gehören für viele zur Grundausstattung. Schließlich wollen sie ihre Kunden in einer exklusiven Angelegenheit unterstützen: in der Besetzung von Schlüsselpositionen in Management und Fachabteilungen.

Aber ein Maßanzug ist keine Garantie für ein faires Verhalten gegenüber den Bewerbern. Cornelia Haupt (Name von der Redaktion geändert) hatte in den vergangenen fünf Jahren mit etwa 30 Personalberatern zu tun. Dabei machte die IT-Beraterin zwar überwiegend positive, aber auch einige negative Erfahrungen. Ihr wurden fachlich unpassende Positionen angeboten oder kurz vor der Insolvenz stehende Firmen als tolle Arbeitgeber angepriesen. Auch ihren Bitten nach Vertraulichkeit - einer der wichtigsten Grundsätze in der Branche - kam so mancher Personalberater nicht nach: Der eine gab ihr aktuelles Gehalt an den Kunden weiter, obwohl Haupt die Summe nicht nennen wollte, weil sie zu diesem Zeitpunkt deutlich unter Marktwert verdiente. Der andere schickte ihren Lebenslauf an eine Firma, obgleich er diese auf keinen Fall ansprechen sollte. In einem weiteren Fall weckte eine Headhunterin erst große Hoffnungen, ohne sich dann je wieder zu melden. Erst nach mehrmaligem

Nachfragen erfuhr Haupt, dass die angebotene Stelle inzwischen besetzt sei.

Auch die Münchner Karriereberaterin Madeleine Leitner hat schon die Unzuverlässigkeit einiger Personalberater am eigenen Leib erlebt. Gesprächstermine wurden aus fadenscheinigen Gründen abgesagt oder so gelegt, dass diese nicht einzuhalten waren. Sie weiß von Headhuntern, die Kandidaten ohne ernste Vermittlungsabsichten dem Kunden präsentieren: "Die Dramaturgie heißt: Stelle dem Kunden ständig Bewerber vor, auch wenn diese nicht so geeignet sind, bis er zermürbt ist und irgendeinen nimmt." Ein Vorgehen, das viele Bewerber frustriert und ratlos zurücklässt, da sie immer wieder abgelehnt werden.

Nicht geeignete Kandidaten, die aus taktischen Gründen zum Vorstellungsgespräch gebeten werden, erkennt Dieter Schoon auf den ersten Blick. Als Personalleiter des IT-Beratungshauses Itelligence sitzt er auf der anderen Seite des Schreibtisches und arbeitet regelmäßig mit Personalberatern zusammen, wenn er Führungskräfte oder Consultants mit besonderen Skills braucht.