Nur freie DV-Berater verdienen bei den PTT gutes Geld:

Der Post laufen die Informatiker weg

12.06.1987

BERN (CWS) - Für die schweizerische Post- und Telefonverwaltung (PTT) wird es immer schwieriger, ihre DV-Vorhaben organisatorisch und kostenmäßig im Griff zu behalten. Neues Personal ist bei den derzeit gezahlten Gehältern nicht zu bekommen, und nur mit größter Mühe können die PTT ihre Informatik-Spezialisten bei der Stange halten. Deshalb müssen teure freiberufliche Kräfte engagiert werden.

Paradox genug: Die PTT zahlen heute für externe Informatikberater zwar Stundenlöhne von bis zu 310 Franken, doch bei der Festanstellung von Informatikern kommt ihnen die Gehaltsstruktur des Bundespersonals in die Quere. Der "Gelbe Riese" ist auf dem ausgetrockneten Informatiker-Arbeitsmarkt nicht konkurrenzfähig. Scherzen Mitarbeiter über den "Lockruf der PTT": "Wir bieten weniger Lohn und mehr Bürokratie."

Der Katalog der DV-Probleme der PTI' liest sich streckenweise wie die Ankündigung neuer Desaster. Dies um so mehr, als ein Sonderausschuß des PTT-Verwaltungsrates Mitte Februar kundgetan hatte, die "Turbulenzen" beim schillerndsten Fall - Terco-Teilprojekt 2.1 - seien überwunden. Gleichzeitig wurde mitgeteilt: "Der Projekterfolg wird wesentlich von einer zufriedenstellenden Lösung der anstehenden Personalprobleme abhängen." Und präzis in in diesem Punkt erweckt der PTT-Geschäftsbericht für 1986, soeben den Eidgenössischen Räten vorgelegt, keine großen Hoffnungen.

Ausreichendes Informatik-Wissen ist für die Unternehmung PTT nach eigenem Bekunden von "strategischem Interesse". Doch die Post ist inzwischen zu sehr auf den "Beizug externer Spezialisten" angewiesen. So bestehe heute "mehr denn je die Gefahr, daß die Verarbeitungssicherheit wegen des hohen Anteils an Fremdpersonal nicht mehr zu gewährleisten ist und die Dienstleistungen damit beeinträchtigt werden". Selbst die im Rahmen der koordinierten Ausbildung der Bundesrechenzentren zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze könnten den Bedarf an Nachwuchs-Informatikern "bei weitem" nicht mehr decken.

Die Mißstände hätten sich beim Terco-Projekt besonders negativ bemerkbar gemacht. Zwar sei vorgesehen gewesen, den Anteil an PTT-Mitarbeitern laufend zu erhöhen. Doch sei es im Lauf der letzten Jahre nicht gelungen, austretendes bewährtes Personal auch durch erfahrene DV-Fachkräfte zu ersetzen. Dieser Mangel führe dazu, daß viele Schlüsselpositionen auch heute noch durch externe Mitarbeiter besetzt seien.

Ungeachtet dieser drastisch geschilderten Zustände stellen die PTT beim Projekt Terco kühn fest: "Trotz der aufgetretenen Schwierigkeiten ist die Terco-Stufe 2.1 (Abonnementsdienst) nun wieder unter Kontrolle." Hatte doch die beigezogene Berater-Firma ICS AG unlängst trocken diagnostiziert, vor Ort seien kurzfristig die besten Leute gefragt, und zwar "aus der Kategorie Troubleshooters".