Trotz Ultrabooks

Der PC-Markt in Westeuropa schrumpft

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Gartner hat Zahlen zum westeuropäischen PC-Markt im zweiten Quartal 2012 vorgelegt. Und die sehen nicht gut aus. Auch in Deutschland geht der Absatz zurück.
"Das Q2 war ein Übergangsquartal", sagt Gartner-Expertin Meike Escherich.
"Das Q2 war ein Übergangsquartal", sagt Gartner-Expertin Meike Escherich.
Foto: Gartner

In ganz Westeuropa wurden laut Gartner-Mitteilung von April bis Juni 13,6 Millionen PCs verkauft, das sind 2,4 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. In Deutschland ging es mit 6,5 Prozent sogar noch deutlicher bergab. "Es gab zwar einen leichten Aufschwung bei Verkäufen mobiler PCs; insgesamt gab es aber über alle Länder hinweg schwache PC-Auslieferungen", konstatiert Meike Escherich, Principal Analyst bei Gartner.

Die Notebook-Verkäufe in Westeuropa stiegen im zweiten Quartal 2012 um vier Prozent, wohingegen das Desktop-Segment um 12,8 Prozent zurückging. Unternehmen kauften 5,8 Prozent weniger Rechner als ein Jahr zuvor, der Consumer-Markt stagnierte mehr oder weniger mit 0,4 Prozent Wachstum.

Auf Seiten der Hersteller konnte Hewlett-Packard westeuropaweit seine Spitzenposition trotz sinkenden Marktanteils halten. Acer hat laut Gartner seine Lagerprobleme mittlerweile besser im Griff, steigerte seinen Market Share um 2,7 Prozent und konnte damit Platz zwei halten. Am besten von den fünf größten Anbietern schnitt Asus ab und schob sich auf den dritten Platz vor.

"Die Verbraucher halten sich angesichts der unsicheren Wirtschaftslage bei PC-Käufen weiter zurück", sagt Analystin Escherich. "Wenn das so bleibt, könnten vor dem Launch von Windows 8 im Oktober noch einige Lagerbestände übrigbleiben. Das könnte im September zu deutlichen Preissenkungen führen und gleichzeitig den Verkauf neuer Produkte in den Handelskanal im dritten Quartal 2012 erschweren."

Von den größten Ländermärkten wuchs einzig Frankreich, wo mit 2,5 Millionen PCs immerhin 0,7 Prozent mehr verkauft wurden als im zweiten Quartal 2011. In Großbritannien wurden ebenfalls 2,5 Millionen Rechner ausgeliefert, was dort allerdings ein Minus von 7,6 Prozent bedeutet.

In Deutschland wurden im zweiten Quartal 2012 mit 2,6 Millionen PCs 6,5 Prozent weniger Geräte ausgeliefert als in der vergleichbaren Vorjahreszeit. Die Schere zwischen Notebooks und Desktops geht hierzulande noch weiter auf als in ganz Westeuropa - bei mobilen Rechnern hat Gartner ein Plus von 3,9 Prozent ermittelt, wohingegen es bei stationären PCs um 20,2 Prozent abwärts ging. Das deutsche Consumer-Segment ging um 8,2 Prozent stärker zurück als die professionelle Nachfrage mit 4,9 Prozentpunkten.

"Das zweite war ein Übergangsquartal, wo alle auf zwei wichtige Ereignisse gewartet haben: mehr Ultrabook-Neuerscheinungen und den Start von Windows 8", erläutert Gartner-Frau Escherich. "Die PC-Anbieter und Channels kontrollieren die Inventory Levels für beide sorgfältig - und das kann die Stückzahlen halt deutlich dämpfen."

Acer schob sich im Hersteller-Ranking für den deutschen PC-Markt auf Platz 1 und konnte im professionellen Segment um satte 29 Prozent zulegen. "Acer löst sein Versprechen ein, seine Gewinne stärker in den B2B-Sektor zu verlagern", kommentiert Escherich. Lenovo konnte dank starker Verkäufe im Handel den zweiten Platz halten (die Chinesen hatten ja den Aldi-Lieferanten Medion übernommen) und wurde im Home-Segment mit 16 Prozent Market Share sogar Marktführer. HP fiel in Deutschland auf den dritten Platz zurück, was Escherich unter anderem auf schlechte Performance aufgrund der Zusammenlegung der PC- und Druckersparte schiebt.

"Die Branche legt dieser Tage große Hoffnung in das Erscheinen des neuen ultra-dünnen und leichten Formfaktors für mobile PCs, der die Lücke zwischen Notebooks und Tablets schließen könnte. In die Ultrabook-Entwicklung ist der Großteil der R&D-Gelder geflossen, dazu kommen Intels massive Investitionen zum Anschieben dieses Markts", bilanziert Escherich. "Wir erwarten, dass die Ultrabook-Preise im zweiten Halbjahr 2012 von jetzt von 800 bis 1000 Dollar auf 700 Dollar und darunter fallen werden, was einige zusätzliche Nachfrage erzeugen könnte."