Der Offshore-Trend erreicht Europa

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Analysten warnen jedoch vor voreiligen Projekten und einer einseitigen Fixierung auf die Kostenseite.

Ungeachtet der Bedenken gegenüber dem Arbeitsplatzabbau im eigenen Land und der Risiken von Projekten in Niedriglohnländern ist der Trend zum Offshoring nicht mehr aufzuhalten. Während US-amerikanische Firmen ihre IT schon seit Jahren in Länder wie Indien auslagern, haben jetzt offenbar auch die Europäer erkannt, welches Potenzial im Offshoring steckt.

Hier lesen Sie...

  • worauf sich das rasante Wachstum des Offshore-Markts gründet;

  • welche Vor- und Nachteile die einzelnen Offshore- und Nearshore-Länder bieten;

  • inwiefern die qualitative Komponente globaler Sourcing-Modelle an Bedeutung gewinnt;

  • und welche weiteren Trends sich im Markt abzeichnen.

Für Firmen aus Europa bietet sich das Auslagern in süd- und osteuropäische Länder nicht nur wegen der geografischen Nähe an.
Für Firmen aus Europa bietet sich das Auslagern in süd- und osteuropäische Länder nicht nur wegen der geografischen Nähe an.

Auf dem Outsourcing-Kongress von Gartner vergangene Woche in London bestand Einigkeit darin, dass das so genannte Global-Delivery-Modell derzeit einen der wichtigsten Wachstumstreiber im europäischen Markt für extern erbrachte Dienstleistungen bildet.

Um insgesamt 50 Prozent werden sich die europäischen Offshore-Ausgaben Berechnungen von Gartner zufolge in diesem und im kommenden Jahr erhöhen. Getragen wird das Wachstum vornehmlich von Firmen aus Großbritannien, doch auch in Deutschland und Skandinavien steigt die Nachfrage: "Der weltweite Anteil an Unternehmen, die sich Offshore-Ressourcen bedienen, wird in den kommenden zwei Jahren von 13 auf 20 Prozent zunehmen", prognostizierte Ian Marriott, Research Vice President bei Gartner. "Europäische Anwender bilden die Speerspitze dieser Entwicklung."

Effizienz und Qualität wichtig

Marriott warnte allerdings da-vor, voreilig auf den Offshoring-Zug aufzuspringen, nur um "dabei zu sein". Angesichts der sich rasant verändernden Marktanforderungen könnten einige Geschäftsmodelle schon bald wieder überholt sein. So eröffneten zurzeit viele europäische Service-Provider Standorte in Niedriglohnländern, um Billigleistungen anbieten zu können. Aber bei weitem nicht allen gelinge es, auch tatsächlich mehr Effizienz, besseren Support und Innovationen für ihre Kunden zu erreichen, da sie sich häufig vorrangig auf die Lösung technischer Probleme zu günstigen Preisen fokussierten.