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Der neueste "Trend": Parasitic Computing

30.08.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In der heutigen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" findet sich ein Bericht über Forscher der amerikanischen University of Notre Dame und deren eigenartiges Projekt, dem sie den Arbeitstitel "Parasitic Computing" gegeben haben. Es handelt sich dabei um eine Art ungebetenes Distributed Computing: Die Wissenschaftler ließen (über eine Lücke im TCP-Standard) mathematische Probleme ungefragt von fremden Web-Servern in Nordamerika, Europa und Asien lösen. Zugegriffen wurde dabei jeweils nur auf "öffentliche Bereiche" der Systeme.

Sinnvoll nutzen lässt sich das Parasitic Computing eigentlich nicht - auf einem simplen Desktop-Rechner hätte das Notre-Dame-Team seine Berechnungen 200 mal schneller ausführen können. Jay Brockman, einer der Projektmitarbeiter, erklärt die Motivation: "Wenn künftige Netze nicht mit Hinblick darauf konzipiert werden, dass derartige Schlupflöcher geschlossen werden, dann könnte dies zu einem echten Problem werden." Das Experiment berühre eines der heißesten Themen der gegenwärtigen Cyberlaw-Diskussion - nämlich: Was ist antisoziales Verhalten im öffentlichen Netz? "Wenn Sie einen öffentlichen Dienst anbieten, dann kann ich diesen für Zwecke nutzen, die sie nie vorgesehen haben", ergänzt Kollege Vincent Freeh. "Gehen Sie unterwegs auf´s McDonalds-Klo, ohne einen Hamburger zu kaufen? Das ist die Ethik, um die es hierbei geht."