Robotic Process Automation

Der neue Jobkiller in der IT-Branche?

Bob Violino arbeitet als freier IT-Journalist für InfoWorld und Network World in den USA.
Dietmar Müller ist freier Journalist in München und arbeitet für Computerwoche und Channelpartner.
Robotic Process Automation löst knifflige IT-Aufgaben ohne Zutun von IT-Mitarbeitern und könnte damit zur bislang besten Alternative zum Outsourcing werden. Sie hat aber weitreichende Auswirkungen auf die Belegschaft.

Eine stille Revolution bahnt sich in der IT an: Robotic Process Automation (RPA) könnte große Auswirkungen auf die Belegschaft haben und erinnert damit nicht stark an die Versprechungen von Outsourcing.

Ziel der RPA es, verschiedene, üblicherweise von Menschen ausgeführte Prozesse möglichst automatisiert ablaufen zu lassen. Das wird für einige Unruhe in den Anwenderunternehmen sorgen, denn es bringt die Gefahr von Stellenkürzungen und die Möglichkeit der Auflösung von Outsourcing-Verträgen mit sich. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Fortschritte beim Softwaredesign und künstlicher Intelligenz sorgen dafür, dass auch hochkomplexe Vorgänge immer selbstständiger ablaufen. Das hat natürlich Folgen.

Was ist Robotic Process Automation?

Sobald RPA-Software so weit entwickelt wird, dass sie bestimmte Prozesse "versteht", kann sie automatisch Transaktionen durchführen, Daten verändern, Antworten einhole und mit anderen Systemen kommunizieren. Es ist ihr zu eigen, Aufgaben von gut ausgebildeten IT-Profis wie Support, Workflow, Remote Infrastructure sowie Back-Office-Prozesse, wie man sie in der Buchhaltung, dem Supply Chain Management, Personalmanagement oder auch im Kundendienst findet, zu übernehmen.

RPA-Software setzt sich aus diversen Komponenten zusammen, etwa für das Sammeln von Daten durch Bildererkennung oder für den Zugriff auf bestimmte Server oder Internet-Sites. Üblicherweise nutz sie ein Regelwerk, wie wir es von Business-Process-Management-Tools kennen.

"Grundsätzlich sollte sie auf der Ebene des Graphical User Interface operieren können und möglichst wenig manuelle Eingriffe benötigen", so Cathy Tornbohm, Vice President BPO (Business Process Outsourcing) Research bei Gartner. "RPA-Werkzeuge entstehen aus der Kombination von anderen, spezifischen Werkzeugen."

Auf der einen Hand verspricht RPA deutliche Kosteneinsparungen und die Eliminierung langweiliger Routineaufgaben von IT-Spezialisten. Auf der anderen Hand bedroht sie die Jobs eben dieser Spezialisten, denn RPA verspricht auch knifflige Aufgaben zu lösen.

Reduzierung der IT-Belegschaft

Vor noch nicht allzu langer Zeit stellte RPA "ein totales Mysterium" für viele Organisationen dar, ihr Potential hat aber nun die Aufmerksamkeit von Beratern, Analysten, Outsourcing-Anbietern und Konzernen geweckt, so Frank Casale, altgedienter Outsourcing-Experte und Gründer des neu ins Leben gerufenen Institute for Robotic Process Automation (IRPA). "Dieser Trend breitet sich blitzartig aus und wird getrieben von einer Kombination aus mächtiger Prozessautomatisierungssoftware und künstlicher Intelligenz", so Casale. Aktuell befänden sich die Anbieter aber noch in einer Testphase.

Das frisch gegründete Institute for Robotic Process Automation (IRPA) untersucht den neuen Trend der "Roboter-Services".
Das frisch gegründete Institute for Robotic Process Automation (IRPA) untersucht den neuen Trend der "Roboter-Services".

IRPA untersucht die Software daraufhin, ob sie die Fehler im Meldewesen reduzieren kann. Zudem wird angenommen, dass sie Unternehmen 20 bis 40 Prozent ihrer Ausgaben für Personal sparen helfen könnte. "Ich gehe davon aus, dass in den kommenden drei Jahren die meisten Jobs im Support der IT-Infrastruktur wegfallen werden", so Casale. "Ich habe bereits Fälle gesehen, in denen 60 Prozent des Supports von RPA übernommen wurde."

Betroffen sind Jobs in den Bereichen Help Desks, Rechenzentrums- und Server-Wartung, Netzwerk und andere Support-Aufgaben. Ausgenommen sind noch die Applikationsentwicklung und Maintenance, aber auch hier ist es wohl nur mehr eine Frage der Zeit, sagt Casale.

Nach Ansicht der Gartner-Analystin Tornbohm wird RPA hauptsächlich den Umgang mit Daten übernehmen, weil da regelbasiert vorgegangen wird. "So gut wie jede regelbasierte Aufgabe, die heute noch von Menschen ausgeführt wird, kann auch von einer Software übernommen werden. RPA imitiert die Handlungen dieser Menschen. Das hat viele Auswirkungen auf die IT, auch und gerade beim Software-Testing."

Frühere RPA-Ansätze adressierten vorrangig simple Aufgaben, an die wir uns heute teilweise gar nicht mehr erinnern können, etwa das Wechseln von Tapes", berichtet Chris Boos, CEO des RPA-Anbieters Arago. "RPA verschiebt den Fokus der Automatisierung hin zu den höherwertigen Aufgaben. Gleichzeitig aber besteht nach wie vor ein sehr hoher Bedarf an gut ausgebildeten ITlern, weil die Unternehmen sie benötigen, um technisch immer auf dem neusten Stand zu sein. Für diese Leute ist RPA ein Segen."

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