Der nächste Coup der Inder

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Auch Arbeit von Spezialisten lässt sich auslagern und offshore erledigen. Vom Knowledge Process Outsourcing (KPO) versprechen sich indische Dienstleister eine Verbesserung ihrer ohnehin schon üppigen Margen.

Es gibt noch kein Anzeichen einer Krise unter den indischen Dienstleistern, allerdings hat sich der Wettbewerb im Offshore-Markt verschärft. In der Konkurrenz um Kunden, stehen sich Offshore-Spezialisten und -Schwergewichte wie Tata Consultancy Services, Wipro und Infosys sowie westliche IT-Dienstleister wie IBM Global Services, Accenture und Capgemini gegenüber. Allesamt investieren in indische Servicezentren und suchen Fachkräfte.

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  • was Knowledge Process Outsourcing ist;

  • welche Aufgaben betroffen sind;

  • wie hoch die erwarteten Wachstumsraten sind;

  • wo die Grenze der Auslagerung liegt.

Lohnkosten steigen

Der Hunger der IT-Dienstleister nach zusätzlichen IT-Spezialisten lässt Fluktuation und Löhne in Indien steigen. Das ist vor allem für die einheimischen Dienstleister ein Problem, weil deren Arbeitsweise viel mehr Personal erfordert, ihr Geschäftsmodell also noch abhängiger von den günstigen Lohnkosten ist, als das der westlichen Dienstleister, die in Indien ihre Dependancen gegründet haben.

Der weltweite KPO-Markt verspricht in den kommenden Jahres das größte Wachstum. Unterm Strich bleibt das IT-Outsourcing auf absehbarer Zeit aber das Geschäft mit dem höchsten Umsatz.
Der weltweite KPO-Markt verspricht in den kommenden Jahres das größte Wachstum. Unterm Strich bleibt das IT-Outsourcing auf absehbarer Zeit aber das Geschäft mit dem höchsten Umsatz.

Infosys nimmt beispielsweise mit rund 50000 Mitarbeitern etwa zwei Milliarden Dollar pro Jahr ein. IBM beschäftigt im Servicesektor knapp viermal so viele Mitarbeiter (zirka 190000). Der Umsatz belief sich im Jahr 2004 allerdings auf gut 46 Milliarden Dollar, also auf das 23fache der Infosys-Jahreseinnahmen.

Üppige Margen der Offshorer

Die Margen der indischen Anbieter sind dennoch üppig: Infosys meldete zuletzt beispielsweise eine Gewinnspanne von 34 Prozent, Wipro schloss das dritte Quartal 2005 mit einer Betriebsmarge von 24 Prozent ab. Die meisten IT-Dienstleister aus den Industrienationen wären über derartige Kennzahlen hellauf begeistert (zum Vergleich: IBMs operative Marge beläuft sich auf knapp zwölf Prozent), doch die Firmen vom Subkontinent haben schon bessere Zeiten erlebt.

Die indischen IT-Dienstleister versuchen deshalb entlang der Wertschöpfungskette aufzusteigen, und zwar vom IT-Outsourcing über BPO (Business Process Outsourcing) zum KPO (Knowledge Process Outsourcing). Der mit klassischen Geschäftsprozess-Auslagerung befasste Unternehmensbereich BPO von Tata Consultancy Services, der beispielsweise Call-Center betreibt, bietet seit August 2005 auch KPO-Services an. Sie umfassen Untersuchungen und Analysen im Finanzsektor. Adressaten sind Anlageunternehmen, Aktienhändler und Finanzabteilungen großer Konzerne. In diesem Markt stoßen die IT-Experten allerdings auf Konkurrenz mit ausgeprägtem Branchenwissen. Den Tata-Vorstoß konterte beispielsweise Indiens größter bankunabhängiger Finanzdienstleister Karvy flugs, indem er seine Servicetochter im Oktober 2005 ins KPO-Rennen schickte. Zudem gehen etliche große Firmen auch selbst nach Indien, um dort Arbeitskräfte anzuheuern.

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