Sparen mit Open Source

Der Mythos vom Kostenkiller

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Viele Unternehmen wollen mit Open-Source-Software Kosten sparen. Doch nur wenige messen den wirtschaftlichen Nutzen, wie eine exklusive Studie der COMPUTERWOCHE zeigt.

Die Rezession ist in den IT-Abteilungen angekommen. Das belegt eine aktuelle Umfrage der COMPUTERWOCHE unter 147 IT-Entscheidern und -Spezialisten aus mittleren und großen Unternehmen. Bei 45 Prozent steht das IT-Budget wegen der konjunkturellen Lage auf dem Prüfstand. Kann Open-Source-Software von dieser Entwicklung profitieren? Anzeichen dafür gibt es. So denkt mehr als die Hälfte der Befragten angesichts der Krise über eine verstärkte Nutzung quelloffener Systeme nach oder hat sie bereits fest geplant.

Die meisten IT-Manager wollen mit quelloffener Software Kosten senken.
Die meisten IT-Manager wollen mit quelloffener Software Kosten senken.

"Das Interesse an Open Source nimmt zu", bestätigt Marcel Warmerdam vom Marktforschungsunternehmen IDC. "Viele IT-Anwender ändern angesichts der bevorstehenden härteren Zeiten bereits ihre Prioritäten, verschieben Projekte oder blasen sie gleich ganz ab." Das beflügle den Markt für Open-Source-Software, weil Firmen damit Lizenzkosten reduzieren könnten.

Tatsächlich wollen 77 Prozent der von der CW interviewten IT-Manager mit quelloffener Software in erster Linie Kosten sparen. Gut 60 Prozent hoffen zudem, die Abhängigkeit von Herstellern zu verringern (siehe Grafik). Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. So befragte die amerikanische CW-Schwesterpublikation CIO im vergangenen Jahr 328 Führungskräfte aus der IT und anderen Abteilungen. 59 Prozent gaben an, mit Hilfe von Open-Source-Produkten Betriebskosten (TCO = Total Cost of Ownership) senken zu wollen. Fast ebenso viele (56 Prozent) erwarten günstigere Konditionen bei der Beschaffung. Auch das amerikanische Marktforschungs- und Beratungshaus Saugatuck Technology analysiert in einer Studie vom Dezember 2008 die Motive für den Open-Source-Einsatz. Anschaffungskosten stehen für Anwenderunternehmen demnach ganz oben auf der Liste.

Nur wenige Unternehmen analysieren die Kosteneffekte eines Open-Source-Einsatzes.
Nur wenige Unternehmen analysieren die Kosteneffekte eines Open-Source-Einsatzes.

Umso überraschender erscheint ein anderes Ergebnis der CW-Umfrage: Trotz der überragenden Bedeutung des Kostenarguments erklärten 53 Prozent der Interviewten, den wirtschaftlichen Nutzen der Open-Source-Software in ihrem Unternehmen gar nicht zu messen. Knapp ein Viertel vergleicht zumindest Anschaffungs- und Lizenzkosten von kommerzieller und quelloffener Software. Eine Analyse der gesamten Betriebskosten (TCO) über die geplante Nutzungsdauer der Systeme nehmen lediglich 23 Prozent vor.