Cyber-Angriffen zum Trotz

Der Mittelstand spart an Security-Profis

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
61 Prozent aller Digitalangriffe in Deutschland richten sich gegen den Mittelstand. Doch der schreibt nur 18 Prozent aller IT-Security-Stellen aus, so eine Auswertung der Meta-Jobsuchmaschine Joblift.

Jeden Tag finden mehr als 20 Cyber-Angriffe auf das Regierungsnetz statt, berichtet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die hohe Zahl der Attacken auf deutsche Behörden und Unternehmen veranlasste Joblift zu untersuchen, wie es hierzulande um das Angebot an IT-Sicherheitsfachkräften bestellt ist.

Obwohl der Großteil der Digitalangriffe den Mittelstand trifft, sucht dieser wenige Spezialisten in diesem Bereich.
Obwohl der Großteil der Digitalangriffe den Mittelstand trifft, sucht dieser wenige Spezialisten in diesem Bereich.
Foto: Maksim Kabakou - shutterstock.com

Das Ergebnis: Es gibt einen ausgeprägten Fach­kräftemangel, der dazu führt, dass die Aussichten für IT-Sicherheitsexperten überdurchschnittlich vielversprechend sind. 95 Prozent der ausgeschriebenen Jobs sind laut Joblift Vollzeitstellen, 89 Prozent der angebotenen Verträge unbefristet. Ebenso ergab die Arbeitsmarktanalyse, dass vor allem die großen Unternehmen IT-Sicherheit ernst nehmen. Knapp die Hälfte der Stellen in diesem Bereich werden von Organisationen mit mehr als 1000 Mitarbeitern ausgeschrieben.

Unis bilden kaum Sicherheitsexperten aus

Die steigende Nachfrage nach Experten, die Gefahren wie Hacker-Angriffe und Datendiebstahl abwehren sollen, passt nicht zu dem schlechten Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten. Nur sechs der 64 staatlichen deutschen Universitäten, die über einen Lehrstuhl für Informatik verfügen, bieten eigenständige ­Studiengänge in den Bereichen IT-Sicherheit beziehungsweise Cyber Security an: die Universitäten in Passau, Saarbrücken, Bochum, Erlangen-Nürnberg, Darmstadt und seit diesem Jahr auch Lübeck.

Im Bereich der Fachhochschulen haben zehn von 91 Informatikfakultäten ­eigenständige Programme rund um das Thema IT-Sicherheit ­aufgesetzt. Der ohnehin eklatante Mangel an IT-Fachkräften macht sich im Teilbereich ­Sicherheit also noch deutlicher bemerkbar.

1323 ausgewiesene Spezialisten im Bereich IT-Security werden aktuell auf joblift.de gesucht, Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr lag das durchschnittliche monatliche Wachstum der in diesem Bereich veröffentlichten Stellenanzeigen bei rund elf Prozent, wohingegen das durchschnittliche Wachstum über alle Branchen hinweg zwei Prozent betrug. Der Fachkräftemangel führt offensichtlich dazu, dass Arbeitsplätze rund um IT-Sicherheit besonders sicher sind.

Nachfrage wächst kontinuierlich

Eine Analyse der Unternehmen, die diese Stellen auf Joblift ausschreiben - Personalvermittlungen ausgenommen -, ergibt außerdem, dass es sich hierbei zu 54 Prozent um größere Betriebe mit mindestens 500 Mitarbeitern handelt. 48 Prozent zählen sogar über 1000 Beschäftigte. Doch auch kleinere Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern wollen sich offenbar gegen ­Cyber-Attacken wappnen: 29 Prozent der ausgeschriebenen Stellen sind dieser Größen­klasse zuzuordnen. Bedenkt man aber, dass diese Unternehmenstypen laut Statistischem Bundes­amt rund 98 Prozent aller deutschen Betriebe ausmachen, mutet die Zahl wiederum gering an.

Kleinere Unternehmen mit 50 bis 499 Mitarbeitern haben lediglich 18 Prozent der gegenwärtig zu besetzenden Stellen ausgeschrieben. Das Risiko von Cyber-Angriffen scheinen also vor allem sehr große Unternehmen ernst zu nehmen, zumindest, wenn man die aktuelle Nachfrage nach Sicherheitsexperten als Maßstab heranzieht.