Kapitalbeschaffung

Der Mittelstand kämpft um frisches Geld

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
An der vielzitierten Kreditklemme ist doch mehr dran: Laut einer Umfrage von CFOworld hat jedes vierte Unternehmen Cash-Probleme.

Zum Start der CW-Schwesterpublikation CFOworld wurden überwiegend mittelständische Unternehmen zu ihrer Situation bei der Kapitalbeschaffung befragt. Heraus kam ein geteiltes Bild: Während rund 65 Prozent der befragten Controller und Vorstände die Liquidität ihres Unternehmens durch die Wirtschafts- und Finanzkrise bislang nicht gefährdet sehen, gaben 25 Prozent an, genau hier Probleme zu haben. Weitere zehn Prozent waren zudem nicht in der Lage, ihre aktuelle Situation einzuschätzen (mehr zur Umfrage siehe unten).

Firmen geben sich selbst die Schuld

Grundsätzlich fiel bei den Antworten auf, dass die Unternehmensvertreter durchweg selbstkritisch waren, wenn es um die Ursachen der Kreditklemme und Probleme im Cash-Management geht. So sehen über 60 Prozent die Verursacher der Kapitalprobleme in manchen Firmen gleichermaßen in den Banken und den Firmen selbst. Rund ein weiteres Drittel hält den ganzen Ärger sowieso für hausgemacht, und nur zehn Prozent prangern die derzeitige Finanzierungspolitik der Banken an.

Kredite und Leasing

Wie auch immer, klar ist allen Firmenvertretern, dass sie in den kommenden Monaten ein besonderes Augenmerk auf ihre Kapitalausstattung und das Cash-Management legen müssen. Die Ansätze sind dabei breit gefächert (Mehrfachnennungen waren möglich). Am häufigsten setzen die Controller und Vorstände demnach auf Bankkredite, Leasing oder eine Erhöhung der Eigenkapitalquote, um sich mit frischem Kapital einzudecken. Jeder dritte bemüht sich zudem "gelegentlich" um Gesellschafterdarlehen, jeder fünfte versucht durch eine Verlängerung der Kreditlinie in ruhiges Fahrwasser zu gelangen.

Gar nicht genutzt wird hingegen Risikokapital. Ebenso gibt es nur sehr wenige Firmen, die auf Wandel- und Optionsanleihen, Lease-Back-Verfahren, Factoring oder Joint Ventures setzen. Überraschend ist, dass rund die Hälfte der Mittelständler bislang keinerlei Interesse an den KfW-Darlehen der Bundesregierung zeigt. Lediglich zwei Firmen erklärten, voll auf solche Fördermittel zu setzen.

Working Capital Management

Für ein Drittel der Befragten besteht zudem aktuell kein Anlass, die eigenen Prozesse im Cash-Management zu überarbeiten. Ihnen gegenüber steht eine Gruppe (25 Prozent), die an einem Working-Capital-Management arbeitet und/oder eine Teasury- und Liquiditätsplanung aufbauen wollen (20 Prozent). Jeder fünfte sieht schließlich auch in einem funktionierenden Berichtswesen einen Beitrag zur besseren Kapitalsteuerung (Mehrfachnennungen waren möglich).

Zur Umfrage: Die Befragung von CFOworld erfolgte anhand eines strukturierten Fragebogens online. Rund 100 Unternehmen nahmen teil, von denen letztlich etwa ein Drittel die Fragen komplett beantwortet haben. Unter diesen stellten Geschäftsführer, CFOs und Bereichsleiter die größte Gruppe. Etwa die Hällfte von ihnen arbeitet in Firmen mit bis zu 500 Mitarbeitern, der Rest in Unternehmen mit bis zu 1000 Beschäftigten.

Mit freundlicher Genehmigung durch die CW-Schwesterpublikation CFOworld