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Der Markt für Enterprise-Mobility ist schwierig aber lukrativ

Maximilian Hille ist Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Cloud Computing, Social Collaboration und Mobile Innovations.
Gerade erst hat Apple gezeigt, dass das Geschäft mit Smartphones, Tablets und Co. lukrativer scheint als das Fördern von Öl. Hier wie dort gilt allerdings, dass jeder, der ganz vorne dabei sein will, ständig nach neuen Quellen Ausschau halten muss. So ist es nicht verwunderlich, dass die Mobility-Riesen zum Angriff auf die Enterprises geblasen haben.
Anwenderunternehmen werden in den kommenden Monaten beginnen müssen, ihre Enterprise-Mobility-Strategie zu entwickeln.
Anwenderunternehmen werden in den kommenden Monaten beginnen müssen, ihre Enterprise-Mobility-Strategie zu entwickeln.
Foto: Scanrail, Fotolia.com

Mobiles Arbeiten ist die Zukunft, die schon heute begonnen hat. Mit der Weiterentwicklung und Digitalisierung der Geschäftsprozesse und der Vernetzung der Stakeholder eines Unternehmens müssen neue Arten der Wertschöpfung entwickelt und in den Unternehmen umgesetzt werden.

Mobility-Strategien gelangen in die Unternehmen

Um als Anwender den Übergang hin zu einem mobilen und digitalen Unternehmen schaffen zu können, ist eine technologische Grundlage notwendig. Hier kommen viele Komponenten ins Spiel, die in der Kombination die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Enterprise-Mobility-Strategie bilden. Dazu zählen übergeordnete Programme, wie Mobile-Device-Management oder umfangreiche Enterprise-Mobility-Management-Suites, eigene Endgeräte für das Geschäftliche und die richtigen Business Apps.

Auf der anderen Seite stehen die Smartphone-Hersteller und App-Entwickler, die auf der Consumer-Seite bereits sehr tief integriert sind und einen nahezu gesättigten Markt mit hohem Wettbewerbsdruck geschaffen haben. Um langfristig die hohen Wachstumsraten aufrecht zu erhalten, ist es für viele Anbieter unerlässlich, auch über ein dediziertes Enterprise-Angebot zu verfügen. In Großunternehmen und Konzernen schlummert das Potential mit einem einzigen Deal eine Anzahl von Geräten im fünfstelligen Bereich auszurollen.

Auch Mobility-Riesen müssen das Angebot anpassen

Um aber solche Abschlüsse erzielen zu können, müssen sich die Anbieter stärker auf die Bedürfnisse der Anwenderunternehmen einstellen. Dabei gehen die Anforderungen weit über sichere Endgeräte oder einzelne Enterprise-Features hinaus. Das Ziel ist es, die mobilen Unternehmensprozesse über das Smartphone und Tablet von der Organisation bis hin zum operativen Geschäft vor Ort abbilden zu können. Oder aber sie überhaupt erst mobil zu machen.

So verfügen die drei großen Unternehmen hinter den mobilen Betriebssystemen, Google (Android), Microsoft (Windows Phone) und Apple (iOS), über eine breite Palette an Anwendungen und Services für mobile Endgeräte im Unternehmenseinsatz.

Google und das Problem mit den Derivaten

Google stellt mit Collaboration- und Kommunikations-Anwendungen, die von Google Apps for Work bekannt sind, wesentliche Tools für die mobile Zusammenarbeit bereit. Allerdings ist es für die Anwender oft schwierig das gesamte Unternehmen mit Android-Geräten auszustatten. Dies liegt daran, dass Android in vielen Ausführungen auf unterschiedlichen Geräten installiert ist. Die einzelnen Versionen sind in unterschiedlichen Derivaten verteilt und können selten einheitlich verwaltet werden. So ist es für die Unternehmen nur dann möglich, ein einheitliches Enterprise Mobility Management einzurichten, wenn alle eingesetzten Geräte über das gleiche Derivat verfügen. Das bedeutet, dass zur Vereinheitlichung des Managements alle Geräte neu angeschafft werden müssen.
Diese Problem haben Microsoft und Apple nicht.

Apple/IBM Business-Portfolio 2014
Apple/IBM Business-Portfolio 2014
Foto: Crisp Research AG

Apple und IBM - Erste Früchte aus der Partnerschaft

Bei dem iPhone- und iPad-Hersteller aus Cupertino ist das Thema Mobile for Business seit der Partnerschaft mit IBM in den strategischen Fokus gerückt. Anfang Dezember wurden nun auch die ersten branchenspezifischen Anwendungen vorgestellt. Im Zuge der Partnerschaft wollen Apple und IBM weitere Apps und Services für den Unternehmenseinsatz veröffentlichen. Die neuesten Anwendungen von individuellen Vertriebs- und Analysetools für die Finanzindustrie bis hin zu Flugplanungen für die Luftfahrtindustrie treffen auf den ersten Blick auch die Anforderungen der jeweiligen Branchen.

Ein erstes Indiz dafür ist, dass beispielsweise die Citi Bank, die bereits zuvor auf Apples iPhones setzte, als erster Referenzkunde für die Vertriebs- und Analysetools für Banken auftritt und die Anwendungen in der nächsten Zeit im Einsatz haben wird. Um ein ganzheitliches Mobile Enterprise Szenario abbilden zu können, hat auch Apple gemeinsam mit IBM hinsichtlich Support und Management deutlich nachgelegt. Die Kombination aus einer einheitlichen Plattform, verstärkter Management- und Support-Möglichkeiten sowie die sukzessiv wachsende Zahl spezifischer Business-Anwendungen ist für die Allianz ein wichtiger Anker im Enterprise-Geschäft.

Microsoft setzt auf Cross-Plattform

Microsoft wird ebenfalls den mobilen Footprint innerhalb der Unternehmen stärken. Im Gegensatz zu Apple, das sich mit IBM einen großen Partner an die Seite geholt hat, um die eigenen Produkte zu vermarkten, holt sich Microsoft die Unterstützung junger Start-Ups, die die fehlende Cross-Plattform-Expertise in das Unternehmen bringen. Darüber hinaus kann Microsoft auf jahrelange Beziehungen mit vielen Unternehmen verschiedener Branchen bauen. Als Infrastruktur- und Softwarelieferant vieler großer Unternehmen ist die Integration des Microsoft-Stacks bereits weit fortgeschritten.
Die zusätzliche Integration von Windows Phones in die bestehende Infrastruktur wie zum Beispiel Microsoft Exchange ist daher zumeist deutlich einfacher. Erst vor kurzem hat sich BMW vermutlich nicht zuletzt aufgrund dieser Tatsache für die Ausrollung von über 57.000 Lumia-Devices entschieden.

Nichtsdestotrotz muss auch Microsoft an seinem mobilen Geschäft weiter hart arbeiten. Gerade was seine Abdeckung des gesamten Smartphone-Marktes betrifft ist Microsoft unter den großen Anbietern etwas abgeschlagen auf Platz drei. Allerdings ist sich das Unternehmen dessen durchaus bewusst. Microsoft setzt daher verstärkt darauf, die Business Apps, die für den klassischen Desktop entwickelt wurden, neben Windows Phone (Windows 10) nun auch auf die anderen Plattformen auszurollen.
Dies ermöglicht es den Anwenderunternehmen mittelfristig trotz des Einsatzes von Android- oder iOS-Geräten den Microsoft-Stack zu erhalten, beziehungsweise sogar auszubauen. Anwender können daher mittelfristig auch auf Android- und iOS-Geräten Office-Apps, E-Mail-Programme, Developer-Tools und weitere bekannte Microsoft-Lösungen verwenden.

Echte Potenziale im Enterprise-Geschäft

Betrachtet man die Potenziale, die eine Enterprise-Ausrichtung der Anbieter mit sich bringt, wird deutlich, wie wichtig es ist, sich auf dem Enterprise-Markt weiter zu entwickeln. Um auch die Unternehmen unterstützen zu können, die es bis heute noch nicht geschafft haben, eine Enterprise-Mobility-Strategie zu entwickeln, muss von vorn herein eine breite Beratungs- und Implementierungskompetenz von Seiten der Anbieter, oder Ihrer Partner vorhanden sein.

Damit entstehen gleichzeitig viele heute noch ungenutzte Potenziale. Geht man beispielsweise davon aus, dass die Dax-30-Konzerne im Jahr 2013 1,52 Millionen Mitarbeiter beschäftigen und jeden davon mit einem Smartphone und einem Tablet ausstatten, können allein diese bei einem laut Bitkom geschätzten Gesamtvolumen von 34 Millionen verkauften Devices einen Anteil von etwa 9 Prozent der gesamten Absatzzahlen ausmachen. Schaut man etwas differenzierter auf die Marktpotenziale für alle großen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, so ergibt sich eine Zielgruppe von etwa 10 Millionen Mitarbeitern. Daraus lassen sich Marktpotenziale von 850 Millionen bis 1,4 Milliarden Euro pro Jahr ableiten, je nach Ausstattung und Häufigkeit der Ersatzkäufe.

Marktpotenzial Business Devices
Marktpotenzial Business Devices
Foto: Crisp Research AG

Fakt ist, dass die zunehmende Mobilität der Mitarbeiter in den Unternehmen ein Handeln hervorrufen wird. Die Anwenderunternehmen werden in den kommenden Monaten beginnen müssen, ihre Enterprise-Mobility-Strategie zu entwickeln. Dabei kommt den Anbietern eine besondere Rolle zu, da Beratungs- und Integrationskompetenzen ein wichtiger Faktor bei der Auswahl der Plattform sein werden.

Der Enterprise Markt für Mobility ist jedenfalls derartig attraktiv, dass sich keiner der Kontrahenten etwas schenken wird. Nicht einmal Apple, das derzeit in anderen Sphären hinsichtlich Umsatz und Gewinn schwebt. (bw)