CeBIT

Der kleine Bruder von "Watson" kommt nach Hannover

18.02.2011
Maschine schlägt Mensch - zumindest in der Quiz-Show "Jeopardy". Auf der CeBIT wird es eine kleiner Ausgabe von "Watson" zu sehen geben.

Das von IBM entwickelte System "Watson" soll künftig auch in Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft eingesetzt werden. Menschliche Intelligenz aber besitzt "Watson" noch lange nicht.

"Watson" läuft unter dem quelloffenen Betriebssystem Linux.
"Watson" läuft unter dem quelloffenen Betriebssystem Linux.
Foto: IBM

Eine intelligente Software und 2880 Prozessorkerne sind beim Beantworten von Quiz-Fragen schneller als ein Mensch mit der besten Allgemeinbildung. Diesen Beweis hat jetzt "Watson" in der amerikanischen Quiz-Show "Jeopardy" erbracht. Das von IBM entwickelte System schlug mit großem Vorsprung die beiden Quiz-Asse Ken Jennings und Brad Rutter. Der Gegner aus Draht und Algorithmen sei eindeutig überlegen gewesen, klagten die unterlegenen Kandidaten.

"Watson war einfach zu clever und zu schnell für uns reine Sterbliche", schrieb der IBM-Software-Experte Todd Watson in seinem Blog. Das Computersystem ist allerdings nicht nach "Turbotodd" oder dem Adlatus von Sherlock Holmes benannt, sondern nach dem langjährigen IBM-Chef Thomas Watson.

Bei "Watson" handelt es sich um die Verbindung eines leistungsstarken Supercomputers mit einer speziellen Software zum Verständnis natürlicher Sprache, entwickelt im DeepQA-Projekt von IBM. Die hohe Geschwindigkeit beim Beantworten der Fragen sei ein Ergebnis der Parallelisierung der elektronischen Elemente, erklärt Michael Kiess vom IBM-Forschungs- und Entwicklungszentrum in Böblingen. "Mit einem einzelnen Prozessor hätte er für eine Antwort zwei Stunden gebraucht."

So aber absolvierte "Watson" die Aufgabe in drei Sekunden - dies war die Vorgabe der Entwickler für den sogenannten Entscheidungsbaum. In dieser Zeitspanne musste das System eine Vielzahl von komplexen Schritten absolvieren: Zuerst geht es darum, die Frage zu verstehen und zu analysieren. Bei der Suche nach möglichen Antworten greift "Watson" dann auf eine Datenbank mit 200 Millionen Buchseiten zurück - darunter Wörterbücher und die gesamte Wikipedia. Im nächsten Schritt bildet "Watson" 200 Hypothesen für mögliche Antworten und ordnet diese nach der größten Wahrscheinlichkeit. Die drei an oberster Stelle platzierten Hypothesen reicht die Maschine dann an die Sprachausgabe weiter.

"Watson" lag bei sehr vielen Fragen richtig, sogar mit einer Frage nach Plattdeutsch konnte das System etwas anfangen. Dafür lag es andere Male ziemlich daneben. So wusste "Watson" nicht, dass Slowenien zur EU gehört und nannte beim Fragenbereich über Städte in den USA einmal die kanadische Stadt Toronto.

Hat "Watson" menschliche Intelligenz? "Nein", antwortet Kiess. Was fehle, sei der gesamte Bereich von Ironie und Doppeldeutigkeit ebenso wie das intuitive Erfassen von Situationen. Das auf dem freien Betriebssystem Linux aufgebaute System mit seinen 2880 "POWER7"-Prozessoren mit einer Taktrate von 3,55 Gigahertz sowie einem Arbeitsspeicher von 15 Terabyte verfüge aber durchaus über eine besondere Kombinationsgabe - "beschränkt auf den Datensatz, den es bekommen hat".

IBM hat "Watson" mit seinen 80 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde (flops) nicht für die Fernsehunterhaltung entwickelt. Das System werde jetzt in Zusammenarbeit mit acht Universitäten zu einem universellen Auskunftssystem weiterentwickelt, erklärte IBM-Sprecher Hans-Jürgen Rehm. Eine solche Technik biete sich überall dort an, wo riesige Datenmengen in kurzer Zeit analysiert werden sollten. Mögliche Verwendungszwecke gibt es in der Wissenschaft, der Medizin oder auch in der Betriebswirtschaft großer Unternehmen.

Es sei künftig auch denkbar, mit einem Smartphone eine Frage an ein solches System zu stellen und sie dann von einem "digitalen Assistenten in der Cloud" beantwortet zu bekommen, erklärt Rehm - die Cloud ist der Fachbegriff für verteilte Rechenzentren im Internet, die eine Vielzahl von IT-Diensten bereitstellen. CeBIT-Besucher können nach Angaben Rehms demnächst die Demonstration eines solchen Systems in Augenschein nehmen: Der kleine Bruder von "Watson" kommt Anfang März nach Hannover. (dpa/tc)