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Der Kartellprozeß gegen Microsoft geht weiter

07.01.1999
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) – Nach einer dreiwöchigen Weihnachtspause wurde am Montag der Prozeß gegen Microsoft wieder aufgenommen. Zunächst wiederholte William Harris, CEO von Intuit, seine schriftliche Aussage, in der er zu der Bedeutung von Betriebssystemen Stellung nahm. Für Computerbenutzer und Provider, so Harris, sei Windows so wichtig wie der "Wählton bei der Verwendung des Telefons". Die Regierung müsse daher für eine Betriebssystemneutralität sorgen und den Sourcecode für jedermann zugänglich machen. Microsofts Anwälte konterten daraufhin mit einer Schreckensversion einer staatlichen Aufsicht des Softwaremarktes. Anschließend versuchten sie aufzuzeigen, daß Intuit mit „Quicken“ ebenfalls eine monopolartige Stellung besitze. Im Bereich Finanzsoftware weist das Produkt einen Marktanteil von 85 Prozent auf. Harris entgegnete, das Produkt könne ohne weiteres durch das eines Mitbewerbers ersetzt werden. Mit

Microsofts Betriebssystem sei dies hingegen nicht möglich.

Als letzter Zeuge der Anklage wurde der Wirtschaftswissenschaftler Franklin Fisher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) aufgerufen. Fisher hatte in den vergangenen Monaten Geschäftsunterlagen des Softwaregiganten unter die Lupe genommen. Er behauptete, daß Microsoft ohne das Eingreifen der Regierung ein Monopol bei Web-Browsern errichtet hätte. Microsoft habe Netscapes Geschäftspraktiken analysiert und festgestellt, daß die Umsätze des Mitbewerbers größtenteils vom Browser-Geschäft herrührten. Um Netscape finanziell zu schädigen, hätten sie den Internet Explorer verschenkt. Die Browser-Company habe daraufhin nachziehen müssen.

Völlig überraschend unterbrach Richter Thomas Jackson die Vernehmung des Ökonomen und zitierte einen Artikel aus der „Washington“ Post. In dieser Kolumne wurde AOLs President Steve Case zitiert, der beteuerte, daß America Online trotz Fusion mit Netscape nicht mit Microsoft im Bereich Betriebssysteme konkurrieren wolle. Jackson kennzeichnete den Zeitungsausschnitt als Beweisstück Nummer eins. Microsoft hatte wiederholt argumentiert, die Netscape-Übernahme mache die Anschuldigungen der Regierung hinfällig.