Vom PC zum Workspace as a Service

Der IT-Arbeitsplatz wird zur Dienstleistung

Peter Goldbrunner verantwortet als Regional Director Central Europe das Gesamtgeschäft von RES in Deutschland, Österreich und der Schweiz, damit ist er auch Teil des EMEA Managment Teams von RES. Der erfahrene Manager ist seit Januar 2016 bei RES. Zuvor hat er als Country Manager Deutschland das Geschäft der Citrix Systems GmbH verantwortet sowie die Region Zentraleuropa seit 1997 mit aufgebaut und gestaltet. Vor seiner Zeit bei Citrix war Peter Goldbrunner bei Informix Software beschäftigt.
Das Arbeitsumfeld vieler Berufstätiger – insbesondere der Wissensarbeiter, die ihre Tätigkeit hochgradig IT-gestützt verrichten – hat sich grundlegend verändert. Für sie ist der Arbeitsplatz heute kein Schreibtisch mehr, sondern ein digitaler Workspace, der überall und jederzeit als Cloud-Service bereitsteht.

In der "guten alten Zeit" der Büroarbeit - die in vielerlei Hinsicht freilich nur dank nostalgischer Verklärung eine "gute" alte Zeit ist - thronte auf dem Schreibtisch stolz ein Windows-PC. Natürlich der mit der neuen 233-MHz-CPU - da darf man nicht an der falschen Stelle sparen! Daneben befand sich ein Tischtelefon, daran angeschlossen ein kleines blinkendes Kästchen: der Anrufbeantworter. Um die Termin- und Reiseplanung der Mitarbeiter kümmerte sich eine Sekretärin, Flüge buchte sie über das Reisebüro. Für Autofahrten hatte man natürlich die aktuellen Landkarten besorgt, Angebote verschickte man per Fax, und die Dokumentenablage erfolgte in stets säuberlich aufgereihten Aktenordnern.

Ein mobiles Endgerät wie Smartphone oder Tablet und ein gesicherter Zugang zum Firmennetzwerk. Schon steht der moderne mobile Arbeitsplatz.
Ein mobiles Endgerät wie Smartphone oder Tablet und ein gesicherter Zugang zum Firmennetzwerk. Schon steht der moderne mobile Arbeitsplatz.
Foto: violetkaipa - shutterstock.com

Aus heutiger Sicht erscheint dieses Szenario fast wie ein fremder Planet irgendwo zwischen Pluto und dem jüngst entdeckten Kepler-453b. Denn der Desktop-Computer von einst passt heute im wörtlichen Sinne "in die Hostentasche", ist doch ein aktuelles Smartphone um ein Vielfaches leistungsstärker als ein Pentium-PC aus den 1990er-Jahren. Telefonie ist lediglich eine App, die auf diesem Kleinstrechner läuft, und der Anrufbeantworter ein Service, den der Carrier für die Anwender irgendwo in der Cloud betreibt.

Auch der Kalender ist nur mehr eine App auf dem Smartphone oder Tablet-Computer, die Reise- und Flugplanung erledigt der Anwender mittels Self Service-Portal selbst, und statt einer Landkarte verlässt er sich auf Google Maps oder Navigationsdienste - wenn das Meeting nicht eh online per Videokonferenz stattfindet. Angebote erreichen ihre Adressaten per PDF und E-Mail statt Fax, und zur Dateiablage nutzt man unternehmensweit verfügbare Filesharing Systeme, die den Mitarbeitern alle benötigten Informationen leicht zugänglich machen.

Den klassischen Schreibtisch schließlich ersetzt heute ein virtueller Workspace, der neben einem sicheren Browser und E-Mail-Client alle weiteren benötigten Apps und Services sowie die Links zu den Dateien im Enterprise Filesharing System (EFSS) vorhält.

Kleiner, mobiler, virtueller

Denn die grundlegenden Entwicklungen der Arbeitswelt lauten heute: Miniaturisierung, Mobilität und Virtualisierung. Hing der Endanwender zu Großvaters Zeiten noch an einem riesigen Mainframe, landete die Rechenpower vor einer Generation im deutlich handlicheren PC-Format auf oder unter dem Schreibtisch des Anwenders selbst. Miniaturisierung und Mobilisierung vereinen sich später praktischerweise im Notebook, um dann über Sub-Notebooks beim heutigen Tablet und Smartphone anzukommen.

Zeitgleich erleben wir einen Trend zu einer immer umfassenderen Virtualisierung: Im "guten alten" Büro griff man per PC auf einzelne, aus Kosten-, Sicherheits- oder Wirtschaftlichkeitsgründen virtualisierte Windows-Applikationen zu. Vor einigen Jahren folgte die Option, ganze Desktops zu virtualisieren (Virtual Desktop Infrastructure, VDI), während man heute vom virtuellen Workspace aus Windows-Apps und -Desktops mit beliebigen Endgeräten ebenso nutzen kann wie Linux-Desktops, mobile Apps, SaaS-Angebote oder Cloud-Services wie zum Beispiel gehostete Web-Conferencing- oder EFSS-Dienste.

Zwar scheint manchem Wissenarbeiter das eigene Notebook noch unverzichtbar, doch für immer mehr Einsatzfälle, etwa für den Außendienst, reichen oft inzwischen Smartphone und Tablet völlig aus. Schließlich will der Außendienstmitarbeiter dem Kunden lediglich seine Produktinformationen präsentieren, Preislisten abrufen, Aufträge erfassen und E-Mails bearbeiten. Das meiste davon ist heute bequem per Touch- und Swipe-Bedienung erledigt.

Stehen doch einmal aufwändigere Arbeiten an, ergänzt man das Tablet rasch um eine Bluetooth-Tastatur und eine iPad-Maus. Damit ist der Tisch im Hotel oder Café, in der Flughafen-Lounge, beim Kunden oder auch zu Hause im Handumdrehen zum Arbeitsplatz umfunktioniert.

Diese Entwicklung zum Virtuellen betrifft aber nicht nur Endanwender, sondern auch das Rechenzentrum: Hier laufen die virtualisierten Workspaces auf virtualisierten Servern - und selbst diese muss ein Unternehmen nicht physisch selbst betreiben. Denn der Trend geht zur Konzentration der Rechenleistung in hocheffizienten Datacentern -entweder für selbst administrierte "Colocation"-Umgebungen oder gar für den Bezug von Software und Workspaces "as a Service". (bw)