IT-Jobs

Der große Arbeitsmarktreport 2012

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Berater, Entwickler, SAP-Experten, IT-Architekten und Projekt-Manager gehören zu den begehrtesten IT-Profis. Allerdings nur, wenn sie nicht zu teuer sind und ihre Spezialisierung stimmt.

Derzeit arbeiten hierzulande 858.000 Beschäftigte in der ITK. Der Branchenverband Bitkom geht von 30.000 offenen Stellen aus, die Hersteller-, Dienstleistungs- und Anwenderfirmen besetzen wollen. "Der IT-Arbeitsmarkt ist erstaunlich robust", urteilt Stephan Pfisterer, Bereichsleiter Bildungspolitik und Arbeitsmarkt beim Bitkom. Die europäische Schuldenkrise habe sich bislang nicht auf das Einstellungsverhalten ausgewirkt, auch wenn die Unsicherheit im Markt groß sei. "Wir rechnen heuer mit einer verhalten positiven Entwicklung der Beschäftigtenzahlen", so Pfisterers Prognose.

Wenn Nokia Siemens Networks Massenentlassungen vornehme, belaste das in erster Linie den Bereich TK-Infrastruktur. Dort gehe die Zahl der Beschäftigten schon seit Jahren zurück. Nach Einschätzung Pfisterers wird es für Spezialisten mit diesem Know-how schwieriger, eine Anschlussbeschäftigung zu finden. Das gelte erst recht, wenn viele Personen am gleichen Standort suchten.

Bitkom-Experte Stephan Pfisterer rechnet mit einem weiteren Jobwachstum für Software- und Servicespezialisten.
Bitkom-Experte Stephan Pfisterer rechnet mit einem weiteren Jobwachstum für Software- und Servicespezialisten.
Foto: Bitkom

"Der Arbeitsmarkt für Software- und Servicespezialisten ist davon kaum belastet. Er ist der wichtigste Wachstumstreiber", sagt Pfisterer. Themen wie Social Media und Cloud sorgten für Bewegung. Auch wenn Cloud Computing in vielen Unternehmen technisch noch nicht umgesetzt werde, seien Systemarchitekten, IT- und Prozessberater aufgerufen, die ersten strategischen Fragen zu beantworten. Wie müssen sich die Arbeitsprozesse ändern, damit man die Vorteile der Cloud nutzen kann? Welche Anwendungen lassen sich gefahrlos in die Wolke schieben?

Parallel gewinnt das Thema IT-Sicherheit weiter an Bedeutung. Alle Unternehmen, die große Datenmengen verwalten müssen, brauchen IT-Sicherheitsexperten - egal ob es sich um eine Bank, einen TK-Anbieter oder eine Online-Spielefirma handelt. Auch Behörden suchen Sicherheitsprofis.

Natürlich sind auch Projekt-Manager weiter gefragt. Guido Happe, Vorstandsvorsitzender der Personalberatung Steinbach & Partner in München, sieht vor allem für Key Account Manager mit tiefem Branchenwissen und guten Kundenkontakten Chancen. "Besonders gefragt", so Happe, "sind Manager von Großprojekten, die über eine Projekt-Management-Ausbildung und fundiertes Methodenwissen verfügen. Zudem bauen Anwender viele Inhouse-Consulting-Stellen auf. Dafür suchen sie Kandidaten, die über IT-, Branchen- und Prozesswissen verfügen und dieses in andere Bereiche übertragen können."

Wie groß die Jobauswahl für IT-Profis ist, hängt von der Qualifikation und dem Gehaltswunsch ab. Zu viel bezahlen will seit dem Platzen der Dotcom-Blase niemand mehr. "Ein Jobwechsel ist heute nicht automatisch mit einem Gehaltssprung verbunden. Vor der Wirtschaftskrise waren Aufschläge von bis zu 20 Prozent möglich", sagt Headhunter Happe. Die Krise habe hier bremsend gewirkt. Unfreiwillig Suchende müssten sich darauf einstellen, dass ein Neustart mit einer "Neuorientierung des Gehalts" verbunden ist, was für einst überdurchschnittlich bezahlte IT-Profis große Abstriche bedeutet.

Ob man zu teuer für den Markt ist, ist eine Frage des Alters und des vorherigen Arbeitgebers. Wer ein langes oder gar sein ganzes bisheriges Berufsleben in Konzernen verbracht hat, kann als Jobsuchender schnell zum Problemfall werden: Sein Gehalt übersteigt das Marktübliche deutlich, manchmal ist auch sein Wissen nicht aktuell. Ein Linux-Administrator, der bei einem großen IT-Dienstleister 75.000 Euro im Jahr verdiente, ist derzeit nur schwer vermittelbar, wenn es Spezialisten mit vergleichbaren Qualifikationen für 40.000 Euro zu haben gibt.

Große Gehaltssprünge sind vorbei

"Zu teure Kandidaten schlagen wir unseren Kunden gar nicht erst vor", sagt darum auch Dagmar Schimansky-Geier, die sich mit ihrer Personalberatung 1a Zukunft auf die Suche nach SAP-Experten konzentriert. Zwar sei der Markt für erfahrene SAP-Professionals schon seit Jahren eng; nach SAP-Retail-Spezialisten, Application Managern oder SAP-Entwicklern, die mit Kunden kommunizieren und Prozesse verstehen, müsse man lange suchen. "Dennoch sind die Zeiten der großen Verdienstsprünge vorbei, da die Kandidaten in die bestehenden Gehaltsstrukturen des Unternehmens passen müssen", sagt Schimansky-Geier.

Mehr Gehalt ist für viele Bewerber aber immer noch der wichtigste Wechselgrund. Das bestätigt Lars-Rüdiger Fink, Geschäftsführer der Personalberatung Next Level in Köln: "Das zweite Argument für den Entwickler ist die spannende Aufgabe, die ihm hilft, sich und sein Profil weiterzuentwickeln." Denn gerade für Softwareentwickler sei es entscheidend, sich zu spezialisieren. Wer nur breite Java-Kenntnisse ohne Branchenwissen, etwa im Banken- oder Energiesektor, habe, laufe eher Gefahr, seinen Job zu verlieren. Er ist austauschbar und tut sich schwer, eine neue Stelle zu finden. Dazu Fink: "Begehrt sind dagegen Entwickler mit Scrum-Erfahrung oder Programmierer, die sich über Entwurfsmuster Gedanken machen und darüber, wie sie eine Software konzipieren sollen."

Für Web-Entwickler ist derzeit Berlin eine ganz heiße Szene. Startups, zum Teil mit einer üppigen Finanzierung ausgestattet, suchen händeringend Personal, aber auch andere Firmen bauen Entwicklungssparten auf. "Wer Ruby on Rails oder PHP und die darauf basierenden Shopsysteme Oxid oder Magento beherrscht, hat in Berlin ebenso gute Aussichten wie Datenbankentwickler mit MySQL-Know-how", sagt Fink.