Auf Deutschlands größter Jobmesse

Der erste Eindruck zählt

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
300 Arbeitgeber, 12.000 Besucher, 150 Vorträge. Zwei Tage lang drehte sich in Köln alles um den Berufseinstieg. Ein Besuch auf dem Absolventenkongress in Köln.
Gut besucht: der Absolventenkongress des Staufenbiel Instituts in Köln.
Gut besucht: der Absolventenkongress des Staufenbiel Instituts in Köln.
Foto: Staufenbiel Institut

Der Absolventenkongress in Köln florierte in diesem Jahr ganz im Sinne des Veranstalters, des Staufenbiel Instituts: Vom Konzern über den Mittelständler bis zum Startup suchten 300 Firmen Wege, um die Aufmerksamkeit der Hochschulabsolventen auf Deutschlands größter Jobmesse zu gewinnen. Unterschiedlichste Branchen waren vertreten, insbesondere der Handel trumpfte mit den größten Ständen, bunten Werbeflächen und Einkaufswägen voller Obst auf. Die eigene Firmenpräsentation garnierte sich ein Discounter wie Lidl schon mal mit dem Sternekoch Kolja Kleeberg, andere punkteten mit kostenlosen Services wie Lebenslauf-Checks und Bewerbungsfotos.

Dass Firmen nicht unbedingt ein üppiges Budget oder einen großen Stand brauchen, um aufzufallen, demonstrierte das Schnäppchen-Portal Groupon. Das Online-Startup verteilte Tüten, die aber drei Mal so groß waren wie die der Konkurrenz. "Wir haben Großes vor" stand vollmundig drauf, und diesen Werbespruch trug bald darauf fast jeder dritte Messebesucher in XXL-Format mit sich herum. Andere Firmen wie Apple oder Porsche Consulting brauchten nicht einmal große Tüten, sie verließen sich ganz auf die Strahlkraft ihrer Marken. Und der Andrang der Studenten gab ihnen Recht.

Vorstellungsgespräch? Nein, der erste Eindruck zählt.

Der persönliche Kontakt zwischen Personaler und Bewerber bleibt für die meisten Unternehmen der wichtigste Grund, sich auch im Web-2.0-Zeitalter auf Jobmessen wie dem Absolventenkongress zu präsentieren. "Social Media und Online-Bewerbung sind wichtige Recruiting-Kanäle für uns. Diese ersetzen jedoch nicht den persönlichen Kontakt", sagt Anke Krämer vom BI-Spezialisten Cundus. "Im Beratungsgeschäft sind Kommunikationsfähigkeit und das persönliche Auftreten wichtige Anforderungen. Beim ersten Kontakt am Messsestand können uns Bewerber von ihrer Beraterpersönlichkeit überzeugen."

Für mittelständische Firmen wie Cundus oder Convista Consulting ist die messe eine gute Chance,sich ins Gespräch zu bringen. "Unsere gesamte Konkurrenz ist regelmäßig vertreten. Da müssen wir versuchen, am Ball zu bleiben und die Absolventen auf uns aufmerksam zu machen" sagte Julia Thomson von Convista Consulting aus Köln. Das SAP-Beratungshaus füllte für jeden Besucher auf der Messe nach dem Gespräch einen Bewerberbogen aus. Thomson dazu: "Darauf fassen wir unseren Eindruck kurz zusammen. Nur wenn die Bewertung gut ausfällt, werden die Unterlagen an die Fachbereiche weitergeleitet."

Zwar haben die meisten Gespräche zwischen Bewerber und Unternehmen auf dem Absolventenkongress nur Informationscharakter und können kein Vorstellungsgespräch ersetzen. Dennoch ist ein erster positiver Eindruck der Türöffner. Das bestätigt auch Tanja Schmidt, Department Manager HR Development bei Metro Systems: " Die Eindrücke der Personalreferenten und Kollegen aus den Fachbereichen sind ausschlaggebend für die Entscheidung zu einem späteren Gespräch. Diese Empfehlung wird nach dem Gespräch auf der Messe notiert. " Allerdings müsse das Unternehmen den Bewerbern schnell ein Feedback geben, insbesondere wenn es die guten Kandidaten für sich gewinnen will. Das bestätigt auch Karlheinz Deitz, zuständig für University & Talent Relations bei Bayer Business Services: "Wer die Highflyer haben will, muss sich beeilen." Im Bayer-Konzern, für den allein in Deutschland 3000 und weltweit 6000 Mitarbeiter in der IT arbeiten, ist das Ziel, binnen drei bis vier Wochen auf eine Bewerbung zu reagieren. Dank Online-Formularen und dem entsprechenden Bewerbungs-Management-System seien die Bewerbungen innerhalb des Konzerns besser zu steuern.