Der Druck auf Siebel steigt

08.04.2005
Das Lizenzgeschäft hängt weit hinter den Vorgaben zurück.

Mit einem Kursabschlag von knapp zehn Prozent haben Investoren in der vergangenen Woche den CRM-Spezialisten Siebel für die Umsatz- und Gewinnwarnung zum ersten Quartal bestraft. Zudem trafen einige große Anteilseigner in den USA zusammen, um das Unternehmen in Sachen Kurspflege auf Trab zu bringen. Ihre Forderung: Mit über 2,2 Milliarden Dollar in Reserve solle die Company gefälligst im großen Stil Aktien zurückkaufen, um den Wert nach oben zu treiben. Ein Kommentator sprach Siebel sogar ab, in der aktuellen Verfassung ein interessantes Übernahmeobjekt für Konzerne wie Oracle oder IBM zu sein.

Wartung und Services wachsen

So schlecht, wie es klingen mag, sind die Finanzen des Konzerns aber beileibe nicht, so dass sich auch der Aktienkurs am Folgetag wieder etwas erholte. Wartung und Services entwickelten sich anhaltend positiv, außerdem verschafft das finanzielle Polster Spielraum. Klare Schwachstelle des Unternehmens sind aber die Lizenzverkäufe. Im ersten Quartal rechnet Siebel mit Softwareumsätzen von 75 Millionen Dollar, geplant waren 100 Millionen bis 120 Millionen Dollar. Dies bedeutet einen Rückgang um 41 Prozent verglichen mit dem Lizenzgeschäft im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtumsatz soll etwa 300 Millionen Dollar betragen, mehr als zehn Prozent unter Plan.

CEO Mike Lawrie übernahm einen Teil der Verantwortung und sprach von einer schwachen Leistung des Unternehmens. Hinzu kämen die typische saisonale Schwäche zu Beginn des Kalenderjahres, die zögerliche Nachfrage der Kunden sowie die Tatsache, dass viele Aufträge um ein oder zwei Quartale verschoben worden seien. Als Reaktion kündigte Lawrie an, die Kosten zu senken. Neben der Umsatz- hat Siebel im ersten Quartal auch die Ergebnisprognose verfehlt. Netto landet das Unternehmen sogar leicht im Minus.

Für Siebels Anleger kam die Warnung einem unerwarteten Rückschlag gleich, weil es der Company im Abschlussquartal 2004 gelungen war, erstmals seit 14 Berichtszeiträumen die Umsätze gegenüber Vorjahr zu steigern. Das mühsam erarbeitete Vertrauen ist vorerst dahin. Allerdings war Siebels Ausrutscher vergangene Woche keine Ausnahme, denn auch andere US-amerikanische Softwarehäuser mussten vor einem schwachen Jahresauftakt warnen. Am 27. April präsentiert Siebel die endgültigen Zahlen des ersten Quartals und nennt Details zur Kostensenkung. (ajf)