Internationalisierung im Mittelstand

Der deutsche Mittelstand entdeckt die Welt

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Anzeige  In einer globalisierten Ökonomie wagen auch kleinere deutsche Mittelständler immer häufiger den Schritt ins Ausland. Dabei stellen nicht nur die Unterschiede in Sprache, Kultur und Gesetzgebung die Unternehmen vor Herausforderungen. Ebenso wichtig sind die die IT-Systeme: Ein reibungslos funktionierendes ERP-System spielt eine Schlüsselrolle und trägt wesentlich dazu bei, ob das Auslandsengagement zu einem Erfolg wird.
Axel Schmied, Country Operations Manager des Geschäftsbereichs Mittelstand für den deutschsprachigen Raum beim ERP-Spezailisten Sage.
Axel Schmied, Country Operations Manager des Geschäftsbereichs Mittelstand für den deutschsprachigen Raum beim ERP-Spezailisten Sage.
Foto: Sage Software GmbH

Produktionsstandorte oder Vertriebsniederlassungen im Ausland: Was für große Konzerne der Normalfall ist, begreifen unterdessen auch viele deutsche Mittelständler als Chance zur Expansion. Wenn KMU sich im Ausland engagierten, war es noch vor einigen Jahren eher der gehobene Mittelstand, der Teile der Produktion als verlängerte Werkbank in Länder mit niedrigerem Gehaltsniveau verlegte.

"Heute sind es vielfach auch kleinere Unternehmen zwischen 100 und 500 Mitarbeitern, die nicht nur im Ausland produzieren wollen, sondern auch die zunehmend kaufkräftigen Märkte für sich entdecken, und Vertriebs- und Verkaufsniederlassungen gründen", sagt Axel Schmied, Country Operations Manager des Geschäftsbereichs Mittelstand für den deutschsprachigen Raum beim ERP-Spezialisten Sage. So hat er beobachtet, dass auch Unternehmen, die seit Jahrzehnten erfolgreich in Deutschland tätig sind, in den letzten Jahren vermehrt darüber nachdenken, Dependancen im Ausland zu gründen.

Der deutsche Mittelstand agiert zunehmend international, wie unsere Infografik zeigt.
Der deutsche Mittelstand agiert zunehmend international, wie unsere Infografik zeigt.

"Dieser Trend hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und beginnt oft schon bei Unternehmen mit weniger als 100 Angestellten." Besonders ausgeprägt sei dieser Trend bei Zulieferern, die typischerweise im Mittelstand angesiedelt sind. Sie folgten ihren Auftraggebern - großen Konzernen etwa aus der Auto-, Maschinenbau- oder Konsumgüterindustrie -, die Produktionsstätten in den wachsenden Märkten in Osteuropa oder Asien aufbauen.

Nicht nur deutsche Mittelständler streben ins Ausland

Aber es sind nicht nur deutsche Mittelständler, die ins Ausland drängen. So schreiben die Autoren der Studie "Internationalization - a driver for business performance", die das internationale Forschungsunternehmen IHS im Auftrag von DHL-Express durchgeführt hat: "Firmen, die über die eigene Landesgrenze hinaus aktiv werden, sind doppelt so oft wirtschaftlich erfolgreich, wie die Unternehmen die sich auf das Inlandsgeschäft beschränken".

Dabei seien es vor allem fallende Handelsschranken sowie sinkende Transport- und Kommunikationskosten, die den KMUs neue Möglichkeiten für das internationale Engagement eröffneten. "Internationaler Handel und Kooperation wird für KMUs zum Schlüsselfaktor für den wirtschaftlichen Erfolg", resümieren die Marktforscher. Für die Studie haben sie 410 kleine und mittelständische Firmen aus elf Ländern befragt. Die Studie definiert KMUs als Unternehmen mit einem Umsatz unter 50 Millionen Euro pro Jahr und 10 bis 249 Mitarbeitern.

Dabei ist es den meisten deutschen Firmen durchaus klar, dass beim Schritt ins Ausland eine Vielzahl von Klippen zu umschiffen sind "Fast alle Unternehmen sind sehr gut informiert und haben sich schon gründliche Gedanken darüber gemacht, auf welche Probleme sie dabei treffen werden", hat Schmied beobachtet. Auf Seiten der IT-Systeme ginge es in erster Linie um die unterschiedlichen Landessprachen und Gesetzgebungen, auf die vor allem die ERP-Systeme zugeschnitten sein müssen. "Wenn ich darauf hinweise, dass die IT-Systeme - allen voran die ERP-Software - für den Auslandseinsatz vorbereitet werden müssen, renne ich in aller Regel offene Türen ein."

Der Zugang zu neuen Märkten ist das wichtigste Ziel der Auslandsaktivitäten mittelständischer Unternehmen.
Der Zugang zu neuen Märkten ist das wichtigste Ziel der Auslandsaktivitäten mittelständischer Unternehmen.
Foto: IHS/DHL

Dabei gebe es durchaus unterschiedliche Wege, wie die zukünftige Auslandstochter mit einem geeigneten ERP-System ausgestattet werden könne. "Das hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, so dass man jeweils im Einzelfall entscheiden muss, was am besten ist", sagt ERP-Fachmann Schmied. Bei einer ersten oder kleineren Auslandsniederlassung wählten Unternehmen oft den Weg, mit einer kleinen lokalen Software zu beginnen, die sich innerhalb von ein bis zwei Wochen installieren ließe und Grundfunktionen wie Fibu und Faktura am Standort bereitstellt.

Im günstigsten Fall verfüge der Lieferant des ERP-Systems am deutschen Hauptsitz über ein internationales Partnernetz oder Schwesterfirmen in den Ländern, die die lokale Software installieren und an das zentrale System anschließen können. Fast alle großen ERP-Anbieter arbeiten mit internationalen Partnern zusammen. Schmieds Arbeitgeber Sage etwa verfügt über ein globales Netzwerk mit mehr als 20.000 Vertriebspartnern. "Wir können unsere Kunden an praktisch jedem relevanten Ort auf der Welt mit dem spezifischen ERP-Know-how unterstützen, das er für sein Auslandsengagement benötigt und übernehmen dabei auch die Projektverantwortung bei der Implementation", verspricht Schmied.

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