Gastkommentar

Der Cloud-Einstieg will vorbereitet sein

15.02.2013 | von Philipp Stute
Philipp Stute, Geschäftsbereichsleiter IT Services bei der Janz IT AG, Paderborn, erläutert, warum sich gerade kleine und mittlere Unternehmen intensiv mit Cloud Computing beschäftigen sollten und worauf sie zu achten haben.

Cloud Computing ist in aller Munde, doch an vielen Stellen überwiegt noch die Skepsis. Eine aktuelle Studie der Lieberman Software Corp. unter amerikanischen IT-Profis ergab, dass 51 Prozent der Befragten kein Vertrauen in die Cloud haben, wenn es um private Daten geht. Allerdings glaubt auch etwa die Hälfe der Teilnehmer, dass die Sicherheit ihrer betrieblichen Daten durch den Cloud-Einsatz gestiegen sei. Sofern man nicht unterstellt, dass es sich um die andere Hälfte der Befragten handelt, scheint die Einstellung der IT-Experten - zumal die Umfrage in den "Cloud-freundlichen" USA stattgefunden hat - auf den ersten Blick widersinnig. Um dieses Paradoxon aufzulösen, hilft es möglicherweise zu hinterfragen, wie Privatpersonen und Unternehmen unterschiedlicher Größe heute IT und Cloud Services nutzen.

Kleine Unternehmen auf dem Weg in die Wolke

Philipp Stute, Geschäftsbereichsleiter Janz IT AG
Philipp Stute, Geschäftsbereichsleiter Janz IT AG

Privatpersonen und auch kleine Unternehmen legen großen Wert auf eine funktionierende IT, die ihnen das Privat- und Berufsleben erleichtert. In Kleinbetrieben wird meistens keine besondere Software zur Kundenverwaltung oder Unternehmensplanung benötigt. Einfache und günstige Standard-Tools zur Datenspeicherung und für gängige Büroaufgaben reichen aus. Allerdings sind die wenigsten Privatpersonen IT-Experten, und auch kleine Unternehmen leisten sich oft keinen Mitarbeiter für ihre IT, so dass bei Problemen und Neuanschaffungen oftmals ein lokaler Dienstleister zu Rate gezogen wird.

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Gerade kleine Unternehmen können objektiv von einem Wechsel in die Cloud profitieren, da Public-Cloud-Dienste für Ihre Bedürfnisse völlig ausreichend sind, sich Verfügbarkeit und Datensicherheit spürbar verbessern lassen und auch der Datenschutz für sie in der Regel keine unüberwindbare Hürde darstellt. Die Einbindung mobiler - möglicherweise sogar privater Endgeräte - bietet zudem einen echten Mehrwert gegenüber der bestehenden IT. Eine hochgradige Individualisierung der Anwendungen oder eine Integration der Services ist in der Regel nicht notwendig. Dies wäre allerdings bei den populären Cloud-Diensten auch nur in Grenzen zu realisieren.

Aufgrund mangelnden Wissens über die Möglichkeiten und den Umstiegsprozess sowie die durch Presseberichte oftmals geschürten Unsicherheit über die rechtliche Lage schrecken viele kleinere Betriebe in Deutschland vor der Cloud zurück. Auch die wirtschaftlichen Vorteile sind für diese Gruppe oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, zum Beispiel dass sich die Software zumeist weit über den Abschreibungszeitraum hinaus nutzen lässt. Auch die Kosten für Systempflege und Administration als solche fallen aus der Bewertung, da diese Arbeiten "nebenbei" mit erledigt werden. Die Herausforderung für Dienstleister in dieser Klientel liegt in einem pragmatischen Aufklärungs- und Beratungsansatz, ohne gleich ein aus Sicht der Kunden teures Beratungsprojekt durchzuführen.

Mittelstand vor der wolkigen Herausforderung

Mittelständler dagegen haben den Einsatz von IT und die Verzahnung mit Ihren Unternehmensprozessen oftmals unbewusst über die Jahre gesteigert. Sie tätigten Investitionen vielfach nach Bedarf und Finanzlage ohne festes jährliches Budget. Daraus sind gewachsene heterogene IT-Landschaften entstanden, die von einem eigenen Mitarbeiter oder einer kleinen Abteilung betreut werden. Standardapplikationen wurden häufig angepasst, so dass eine Modernisierung der Umgebung oftmals nur schrittweise möglich ist. Auch die Vernetzung von mehreren Standorten und die Einbindung in das IT-Konzept des Unternehmens sind nicht immer klar geregelt.

Die Abhängigkeit von funktionierenden Informationssystemen wird jedoch heute mehr und mehr Mittelständlern - auch getrieben durch einen Generationswechsel in der Führung - deutlich bewusst. Dieser Generationswechsel ist es auch, der das Thema Cloud Computing in die treibt. Als erste "PC-Generation" und ökonomisch gut ausgebildet, hinterfra-gen viele junge Geschäftsführer im Mittelstand die interne IT und stellen zudem objektiv die Make-or-Buy-Frage. So zeigt auch die aktuelle Ausgabe des IT Cloud Index des Kasseler Analystenhauses techconsult, dass - mit steigender Tendenz - in 14 Prozent der befragten Unternehmen aller Größen die Einführung von Cloud Computing von der Geschäftsführung angeregt wurde. In kleineren Mittelstand sind es sogar 50 Prozent.

Neben der Sorge um die Sicherheit des geistigen Eigentums in Public Clouds, das für innovative Mittelständler oft ein wichtiges Kapital darstellt, ist gerade die Integration von Cloud Services aus mehreren Gründen eine Herausforderung: Aufgrund der individuellen Anforderungen und der Sicherheitsbedürfnisse ist die Nutzung von Software as a Service (SaaS) für Standard-Applikationen das Mittel der Wahl - zusammen mit Infrastructure as a Service (IaaS) als Basis für individuelle Anwendungen aus einer Virtual Private beziehungsweise Managed Cloud. Hier lassen sich die Vorteile einer skalierbaren Cloud mit der Transparenz hinsichtlich Standort und eingesetzter Technik kombinieren.

Dennoch ist es auch in mittelgroßen Umgebungen nicht einfach, alle Umstände ausreichend zu berücksichtigen. Zudem gibt es im Gegensatz zu Großunternehmen in den Teams eher Generalisten und Administratoren als Spezialisten und Systemarchitekten im Team, so dass in der Regel auf den Rat eines Dienstleisters zurückgegriffen wird. Viele IT-Dienstleister bauen ihr Angebot im Zusammenhang mit Cloud Computing, insbesondere im Zusammenhang mit der Integration von Cloud-Services, gerade erst auf. Deshalb kann es sinnvoll sein, neben dem bisherigen Systemhaus auch einen zusätzlichen Cloud-Berater zu Rate zu ziehen.

Cloud-Projekte versprechen eine bessere Verfügbarkeit der Systeme, eine optimierten Unterstützung der Geschäftsprozesse und vor allem Kosteneinsparungen. Bislang fehlt aber meistens eine umfängliche Kostenerfassung und eine Service-Level-Definition für die interne IT, so dass ein objektiver Vergleich schwierig ist. Hier gilt es, sich nicht durch vereinfachte TCO- oder ähnliche Rechnungen seitens der Anbieter blenden zu lassen, sondern eine individuelle Analyse vorzunehmen. Nicht immer stellt sich die erhoffte Kostensenkung auch in der Praxis ein.

Großunternehmen von heiter bis wolkig

Große Unternehmen mit einer Vielzahl von Applikationen und Standorten sind heute IT-seitig oftmals noch funktionsorientiert aufgestellt. Experten oder Teams kümmern sich um einzelne Applikationen, Standorte oder Hardwarekomponenten wie Server, Storage oder Netzwerke. Dieses Expertenwissen sichert die weitegehende Unabhängigkeit von Herstellern und Dienstleistern, erschwert aber oftmals die Fokussierung auf die Aufgabe der IT als Unterstützer der Geschäftsprozesse und macht bei IT-Veränderungen langwierige Abstimmungsprozesse notwendig.

In diesen Konzernen sind die Virtualisierungsprojekte auf den verschiedenen Ebenen meist schon weit fortgeschritten. Sie stehen nun vor der Herausforderung, Ihre IT in eine Private Cloud zu transformieren oder - zu Testzwecken oder zum Abfedern von Lastspitzen - Public-Cloud-Angebote zu nutzen. Der Cloud-Ansatz setzt jedoch an vielen Stellen ein detailliertes Verständnis der gesamten Infrastruktur und der zu unterstützenden Business-Prozesse voraus.

Hier positionieren sich verschiedene Beratungshäuser, die Unterstützung bieten wollen. Sie gegebenenfalls auch in Fragen der Compliance - gerade bei globalen Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Ländern mit unterschiedlichsten rechtlichen Anforderungen - Antworten liefern. Insgesamt wird bei großen Unternehmen deutlich, dass die es sich bei einer Cloud-Strategie nicht nur um einen weiteren Evolutionsschritt der IT handelt, sondern die kaufmännischen, organisatorischen und rechtlichen Aspekte im Zusammenhang zu berücksichtigen sind.

Die Vorbereitung ist entscheidend

Die Herausforderungen kleiner, mittelständischer und großer Unternehmen auf dem Weg in die sichere und zugleich selbstverständliche Cloud-Nutzung mögen verschieden sein, doch die ersten Schritte haben alle gemein: Umfassende Information, eine gründliche Analyse der Ziele, Bedürfnisse und Möglichkeiten, die Entwicklung passender Maßnahmen und erst dann die Integration der eigentlichen Cloud Services. Wer einfach die Turnschuhe schnürt und schon mal lossprintet, dem geht womöglich bald die Puste aus oder er stellt fest, in die falsche Richtung gelaufen zu sein. (hv)

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Der Autor

Philipp Stute ist Geschäftsbereichsleiter IT Services bei der Janz IT AG, Paderborn. Er verantwortet zudem das Portal mittelstandscloud.de.