Spencer Stuart befragt IT-Chefs

Der CIO 2.0

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Eine aktuelle Untersuchung von Spencer Stuart bestätigt es nicht zum ersten Mal: Der CIO muss strategisch denken, Führungsqualitäten besitzen und proaktiv ins Kerngeschäft eingreifen.

Die weltweit tätige Personalberatung Spencer Stuart hat die Fortune-100-IT-Chefs nach ihrem Jobprofil befragt, welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen und welche Fähigkeiten und welches Können wichtiger beziehungsweise weniger wichtig werden - in einem schwieriger und internationaler gewordenen Umfeld.

Lutz Tilker, Spencer Stuart: "Der CIO muss zum Key-Accounter seiner Abteilung werden."
Lutz Tilker, Spencer Stuart: "Der CIO muss zum Key-Accounter seiner Abteilung werden."

Lutz Tilker, Partner in Deutschland und spezialisiert auf die Vermittlung von CIOs vor allem in großen Unternehmen, ist überzeugt, dass die Bedeutung des obersten IT-Chefs in Anwenderunternehmen zunehmen wird, auch wenn nicht automatisch jeder CIO im Vorstand Platz nimmt. Er verweist auf die Ergebnisse der firmeneigenen Studie, die eindeutig zu folgenden Schlüssen gekommen sei.

  • CIOs müssen strategische Berater der Vorstände sein. Die Bereiche Technologie und IT sind heute in die Geschäftsstrategie integriert.

  • CIOs müssen Geschäftsprozesse ganzheitlich sehen und Technologie und IT als Kernfunktion des Unternehmens managen können.

  • CIOs werden für Unternehmen umso wertvoller, je mehr sie neben ihren Kernkompetenzen auch Wissen über Business-Fragen mitbringen. Strategische Fragen sind: Wie können Technologie und IT zu einer Gewinnsteigerung beitragen? Wie helfen sie, Kosten zu senken? Wie können sie direkt zur Kundenzufriedenheit beitragen?

  • CIOs müssen auch Talent-Manager sein. IT-Chefs verbringen zwischen 15 und 30 Prozent ihrer Zeit mit der Weiterentwicklung ihres Personals.

Tilker kennt die CIO-Stellenausschreibungen der großen Konzerne bestens und kann auch aus der eigenen Praxis bestätigen, dass für Firmenlenker in erster Linie der Stratege mit Weitblick zählt, der Leadership-Qualitäten vorweisen kann. Dass solche Stellen mittlerweile international ausgeschrieben würden, verstehe sich von selbst. Umso wichtiger sei deshalb die Erfahrung, mit Mitarbeitern aus verschiedenen Ländern zusammengearbeitet zu haben.

Nach wie vor kämpft die IT mit dem Image, eine technologieverliebte Abteilung zu sein, die gelegentlich die Geschäftsanforderungen aus den Augen verliere. Um davon wegzukommen, müsse der CIO der "Key-Accounter der IT-Abteilung sein", wie es Tilker formuliert, also seine Leistungen und die seiner Abteilung offensiv verkaufen. Dazu gehöre auch, dass der oberste Datenverarbeiter, aber auch seine Mitarbeiter im Unternehmen gut vernetzt sein müssen.

Der CIO dürfe sich nicht nur als Dienstleister verstehen. Er sollte proaktiv Innovationen anstoßen, die zwar im Kerngeschäft wirksam werden, in denen aber die IT eine wesentliche Rolle spielt.

Der CIO von heute

Die Befragung der Fortune-100-CIOs ergab interessante biografische Details: Fast die Hälfte hat "nur" einen Bachelor oder vergleichbaren Abschluss erworben, und mehr als 80 Prozent haben einen IT-Hintergrund. Im Schnitt bleiben sie vier Jahre im Amt und haben die 50 knapp überschritten. Mehr als die Hälfte berichtet an den CEO.