Jobwechsel

Der Brancheninsider ist im Vorteil

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Wer den Job wechseln will, sollte sich ehrlich prüfen.
Gerhardt Merkel: "Das Gras des Nachbarn ist nicht immer grüner als das im eigenen Garten."
Gerhardt Merkel: "Das Gras des Nachbarn ist nicht immer grüner als das im eigenen Garten."
Foto: 3C

Die Fragen im "CW-Ratgeber" kreisen immer wieder um den Jobwechsel in diesen nicht ganz einfachen Zeiten. So fragt ein Besucher: "Wie realistisch schätzen Sie die Chancen ein, wenn man von einem Anwenderunternehmen, großer Mittelstand, zum Beispiel als Projekt-Manager in die IT-Industrie wechseln will? Worauf muss man sich einstellen? Welche Überlegungen sollte man im Vorfeld treffen, um nicht in alle Fettnäpfchen zu treten? Und wo sehen Sie die größten Unterschiede?"

Personalberater Gerhardt Merkel von 3C aus München antwortet:

"Grundsätzlich gilt es abzuwägen, was man bei einem solchen Wechsel aufgibt und was man dafür bekommt. Sicherlich sind Sie heute in dem, was Sie tun, Experte, Fachmann, Kenner der Szene. Können Sie sich diese Kennerschaft auch attestieren, wenn Sie sich auf Neuland einlassen, speziell in einem Umfeld, in dem das Know-how der in der IT-Industrie Beschäftigten immer ausgeprägter, spezialisierter und profunder ist und wird? Wo ist Ihr Added Value den man sich bei einer Einstellung Ihrer Person erwartet und einkauft? Kann dieser Added Value mit den Kenntnissen und Fertigkeiten der dortigen Experten und Fachkräfte mithalten? Ist er etwa größer und besser?

Wir stellen immer wieder fest, dass ein Branchenwechsel oder aber ein markanter Berufswechsel auf dem Papier und in der Theorie einfach anmuten. In Wirklichkeit aber suchen die Unternehmen Mitarbeiter, die mit ihren Voraussetzungen zielgenau auf das Gesuchte passen, und riskieren es gerade heute eher selten, einem wenn auch noch so begabten Interessenten von außen die gleiche Chance zu geben wie einem Brancheninsider.

Die Wahrscheinlichkeit, einen solchen Branchenwechsel oder aber ein Wechseln vom Anbieter zum Anwender erfolgreich zu gestalten, hängt auch davon ab, auf welcher Positionsebene man sich bewegt, ob mehr das Fachwissen gefragt ist oder aber das Führungspotenzial.

Ich rate allen Kandidatinnen und Kandidaten, die ein ähnliches Anliegen haben, mit sich erst einmal in Klausur zu gehen, diesen Wechsel sehr kritisch zu hinterfragen und ein Stärken- und Schwächen-Profil (ähnlich dem eines T-Kontos) für sich selbst aufzumachen.

Haben Sie auch Fragen zu Gehalt, Karriere oder Bewerbung? Unsere Personalexperten im Karriere-Ratgeber sind täglich für sie da und beraten Sie kostenlos.