Ratgeber

Der beste Netbook-Prozessor

Thomas Rau ist Ressortleiter Hardware bei der PC-WELT. Sein Spezialgebiet sind Notebooks: Seit 1998 testet er Business- und Consumer-Laptops sowie andere mobile Geräte für unsere Schwesterpublikation. Zu seinen Themenbereichen gehören außerdem WLAN und Netzwerke.
AMD oder Intel? Bei Netbooks wird diese Frage wieder interessant. Denn der neue AMD C-50 ist ein echter Konkurrent für Intels Atom. Der test klärt, wer die beste Netbook-CPU baut.
Sind Netbooks mit AMD-CPU wie das Acer Aspire One 522 die besseren Mini-Notebooks?
Sind Netbooks mit AMD-CPU wie das Acer Aspire One 522 die besseren Mini-Notebooks?
Foto: Acer

Vor einem Jahr war alles noch ganz einfach: In fast allen Netbooks arbeitete ein Atom-Prozessor mit einem Rechenkern. Meist war dies der Atom N450 oder der N455 (1,66 GHz) mit Hyper-Threading. Seine Rechenkraft war bescheiden, aber er war sparsam und sorgte so für eine lange Akkulaufzeit. Und echte Alternativen gab es keine.

Jetzt ist alles anders: Intel hat mit dem N550 einen echten Doppelkern-Atom für Netbooks im Programm. Und der ewige Intel-Konkurrent AMD geht mit dem C-50 an den Start, der sich anschickt, die Atom-Herrschaft von Intel zu beenden. PC-WELT geht der Frage nach, für wen sich ein Doppelkern-Prozessor im Netbook eignet und welche Vorteile AMDs neuer Prozessor bringt.

Lohnt sich ein Doppelkern-Prozessor fürs Netbook?

Netbooks sind rechenschwach. Selbst ein Einsteiger-Notebook für rund 500 Euro arbeitet im Schnitt rund dreimal so schnell wie ein Mini-Laptop. Und auch in den günstigsten Notebooks sitzt heutzutage ein echter Doppelkern-Prozessor. Können Netbooks mit Dual-Core-CPU hier Boden gut machen?

Der Atom N550 besitzt zwei echte Rechenkerne. Außerdem arbeitet er mit Hyper-Threading: Das Betriebssystem kann also vier Recheneinheiten nutzen. Deutliche Vorteile bringt das aber nur bei Programmen, die darauf vorbereitet sind: Hier arbeitete ein Netbook mit N550 trotz der geringeren Taktrate tatsächlich fast doppelt so schnell wie eines mit N450.

Prozessorleistung (Cinebench 10.5)

Intel Atom N550

1452 Punkte

Intel Atom N455

852 Punkte

Doch im Alltag laufen auf Netbooks meist Programme, die mit mehreren Kernen nichts anfangen können. Auch der zweite Trumpf einer Mehr-Kern-CPU sticht bei Netbooks kaum: Sie beschleunigt Multi-Tasking, also das Arbeiten mit mehreren Programmen gleichzeitig. Doch hier bremst der nur 1 GB kleine Arbeitsspeicher die Netbooks aus, sodass eine Mehr-Kern-CPU kaum Vorteile bringt.

Systemleistung (PC Mark 05)

Gesamt

CPU-Leistung

Intel Atom N550

1630 Punkte

1739 Punkte

Intel Atom N450

1294 Punkte

1426 Punkte

Insgesamt liegt das Tempoplus eines Netbooks mit N550 bei Standard-Programmen gegenüber einem Vorgänger-Modell bei nur rund 20 Prozent. Nur wegen des Doppelkern-Prozessors lohnt sich also die Anschaffung eines neuen Netbooks nicht.

Lohnt sich ein Doppelkern-Atom-Prozessor wie er im Samsung NF310 sitzt?
Lohnt sich ein Doppelkern-Atom-Prozessor wie er im Samsung NF310 sitzt?
Foto: Samsung

Auch bei Spielen bringt der Atom N550 kaum mehr Tempo: Seine Grafikeinheit Intel GMA 3150 ist die gleiche wie beim N450 – und daher außer für sehr alte oder grafisch einfache Spiele ungeeignet.

3D-Leistung (3D Mark 06)

Gesamt

CPU-Leistung

Intel Atom N550

143

746

Intel Atom N450

153

497

Ebenso wenig bringt der Doppelkern-Prozessor die Netbooks bei HD-Videos weiter. YouTube-Videos in Full-HD packen auch Netbooks mit N550 nicht. Wie bei Geräten mit N450 lassen sich maximal 720p-Videos flüssig abspielen.
Auch bei WMA-HD-Videos schnitten die Doppelkern-Netbooks nicht besser ab als die N450-Modelle: Die Darstellung von Full-HD-Material wirkte zwar etwas flüssiger. Allerdings zeigten auch die Doppelkern-Notebooks einen deutlichen Bild-/Ton-Versatz.
Für Blu-rays sind Atom-Netbooks gänzlich ungeeignet – außer den wenigen und teuren Geräten, in denen dem Atom-Prozessor ein Videobeschleuniger von Broadcom zur Seite steht, der die Mini-Laptops Full-HD-fähig macht. Außerdem bieten Atom-Netbooks keinen HDMI-Ausgang für den Anschluss an einen Full-HD-Fernseher. In der Praxis scheitert das Abspielen einer Blu-ray von einem externen Laufwerk meist an einer Fehlermeldung der Abspiel-Software, die einen inkompatiblen Treiber bemängelt.

Der AMD-Prozessor C-50 soll dagegen besonders bei HD-Videos und Spielen Netbooks deutlich beschleunigen. Ob das stimmt und ob das auf Kosten der Akkulaufzeit geht, erfahren Sie auf der nächsten Seite.