Elektronische Gesundheitskarte gestartet

Der Beginn eines riesigen Daten-Monstrums

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Für Außenstehende ist das Gezerre um die elektronische Gesundheitskarte nur noch schwer verständlich. Es scheint so, als sei Transparenz im Gesundheitswesen nicht erwünscht. Die Befürworter machen jedoch unverdrossen weiter. In der Region Nordrhein begann der Basis-Roll-Out.
Noch fehlen in vielen Praxen in der Region Nordrhein die Lesegeräte.
Noch fehlen in vielen Praxen in der Region Nordrhein die Lesegeräte.

Anfang Oktober begann der offizielle Roll-Out der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in der Region Nordrhein. Bis Ende des Jahres wollen die dortigen Kassen nach Angaben des Vorsitzenden der AOK Rheinland/Hamburg noch in diesem Jahr 100.000 bis 120.000 Karten ausgeben. Nach und nach sollen acht Millionen gesetzlich Versicherte die neue Karte erhalten.

„Mit der Ausgabe der eGK beginnt eine neue Ära. Sie bedeutet den Einstieg in zukunftsorientierte Systeme, die in der Medizin auch durch die intensive Nutzung der Telematik zum Vorteil der Patienten erschlossen werden", sagte der Vorstandsvorsitzender Wilfried Jacobs laut einer gemeinsamen Erklärung der gesetzlichen Krankenkassen.

Begleitet wurde die Einführung vom Sperrfeuer ihrer Kritiker. So hofft der Präsident der „Freien Ärzteschaft", Martin Grauduszus, in seiner Pressemitteilung, dass die FDP das Projekt in den Koalitionsverhandlungen noch stoppen möge. „Insbesondere bei dem Thema ‚elektronische Gesundheitskarte‘ sehen wir den Regierungspartner FDP in der absoluten Pflicht ihre in der Vergangenheit mehrfach dokumentierte Ablehnung dieses Gigantischen Daten-Monstrums jetzt in praktische Regierungspolitik umzusetzen", forderte er. Die neue Bundesregierung müsse „dieses Projekt einstampfen und deshalb mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln den Roll-out der neuen Gesundheitskarte in der Testregion Nordrhein unverzüglich stoppen."

Eigentlich sollte die Karte schon 2006 an die Versicherten ausgegeben werden. Die Gesundheitskarte startet in der ersten Region Nordrhein, also etwa in Duisburg, Essen, Mülheim, Oberhausen, Düsseldorf und Köln, zwar mit drei Jahren Verspätung - aber trotzdem mit allerlei Schwierigkeiten. Auf der Karte sind bisher nur die Stammdaten wie Anschrift und Geburtsdatum gespeichert; neu ist das Foto des Versicherten. Die Online-Anbindung ist erst für Sommer 2011 vorgesehen.