Der Aufschwung zahlt sich für Freiberufler noch nicht aus

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Trotz steigender Nachfrage hinken die Stundensätze der Freelancer dem Aufschwung hinterher, wie eine Diskussionsrunde der COMPUTERWOCHE ergab.
Ulrich Bode, Freiberufler: "Bei den Auftraggebern fehlt noch die Einsicht, dass bessere Zeiten angebrochen sind."
Ulrich Bode, Freiberufler: "Bei den Auftraggebern fehlt noch die Einsicht, dass bessere Zeiten angebrochen sind."

Das IT-Freelancer-Portal Gulp vermeldet zwar wieder steigende Stundensatzforderungen von Freiberuflern - aber noch handelt es sich mehrheitlich um Wunschdenken. In der Podiumsdiskussion des COMPUTERWOCHE-Karriereforums unter dem Titel "Profitieren Freiberufler vom Aufschwung?" auf der diesjährigen CeBIT waren sich die Diskussionsteilnehmer einig: Die gute Konjunktur im IT-Markt macht sich in der Brieftasche der Freiberufler noch nicht bemerkbar.

Ulrich Bode, IT-Freelancer: 'Bei den Auftraggebern fehlt noch die Einsicht, dass bessere Zeiten angebrochen sind.'
Ulrich Bode, IT-Freelancer: 'Bei den Auftraggebern fehlt noch die Einsicht, dass bessere Zeiten angebrochen sind.'
Foto: Ulrich Bode

"Die Auftragslage ist gut bis sehr gut", sagt Ulrich Bode, Herausgeber des "IT-Freelancer"-Magazins und selbst Informatiker und Freiberufler, "aber bei den Auftraggebern fehlt noch die Einsicht, dass wieder bessere Zeiten angebrochen sind." Und Markus Korinth, Teamleiter beim Personalvermittler Pass-IT in Aschaffenburg, bekräftigt: "Der Markt ist aufgeblüht, allein in den letzten Monaten haben wir einen Anstieg der Projektanfragen von rund 30 Prozent verzeichnet." Für die Freiberufler hat er gute Nachrichten: "Ich rechne damit, dass die Honorare spätestens zum Ende des Jahres ansteigen werden."

Die Aussichten sind gut

Nach Ansicht von Marktbeobachtern sprechen viele Gründe dafür, dass die gute Auftragslage anhalten wird. Auf der einen Seite sind es spezifische fachliche Aufgaben und Lastspitzen im wieder anziehenden Projektgeschäft, die für Nachfrage sorgen: "Es gibt spezielle Qualifikationen, die Unternehmen punktuell für ein Projekt benötigen. Für sie lohnt es sich meist nicht, für eine Projektdauer von wenigen Monaten eigenes Know-how aufzubauen", sagt Wolfgang Beier, Personalchef bei Brainforce.

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Thomas Algermissen, Its-people: 'Der Kunde bekommt das, wofür er bezahlt.'
Thomas Algermissen, Its-people: 'Der Kunde bekommt das, wofür er bezahlt.'

Und Thomas Algermissen vom Freiberufler-Netzwerk Its-people ergänzt: "Nach Jahren, in denen Systemhäuser Personal abgebaut haben, haben sie jetzt gar keine andere Wahl, als auf Freiberufler zurückzugreifen." Berater Harald Weber sieht es ähnlich: "In den letzten drei Jahren haben enge Märkte zu einer Anpassung auf der Personalseite geführt - das lässt sich jetzt nicht mehr zurückdrehen." Dabei sei die Entwicklung nicht neu: "Der Trend in den Unternehmen geht eindeutig dahin, Fixkosten abzubauen und sich für Projekte mit zusätzlichem Personal zu flexiblen Ausgaben zu verstärken", hat Algermissen beobachtet.

Die Tendenz zum Near- und Offshoring wird diese Entwicklung in Deutschland nicht bremsen. "Am ehesten wandern einfache Programmiertätigkeiten ins Ausland ab. Deshalb sind bei Freiberuflern zunehmend andere Fähigkeiten und Qualifikationen wie das Erarbeiten von Konzepten und die Planung von Projektteilen gefragt", so Korinth von Pass-IT. Brainforce-Personalchef Beier sieht den deutschen Freiberuflermarkt nicht vom günstigeren Osten bedroht: "Off- und Nearshoring sind keine Alternativen für das Projektgeschäft, schon wegen der erforderlichen engen Kommunikation. " Teamfähigkeit, soziale und kommunikative Kompetenz werden im Projektgeschäft fast so wichtig wie das fachliche Know-how.

Keine falsche Bescheidenheit

Die Freiberufler sollten jedenfalls keine falsche Bescheidenheit an den Tag legen und ihren Anteil am Aufschwung einfordern: "Schließlich sind sie es, die bei nachlassender Konjunktur immer zuerst gehen müssen", resümiert Freiberufler Bode. "Wenn das Geschäft gut läuft, sollten sie die Chance haben, für schlechte Zeiten vorzubauen und sich ein wenig Speck anzulegen."

Diese Erkenntnis stößt indes nicht bei allen Auftraggebern auf Verständnis: "Es gibt trotz merklich verbesserter Auftragslage und Personalengpässen in stark nachgefragten Themengebieten selbst jetzt noch Kunden, die die Honorare drücken wollen", weiß Pass-IT-Teamleiter Korinth - eine Einstellung, die möglicherweise auf die Auftraggeber zurückfallen könnte. "Letzten Endes bekommt der Kunde immer das, wofür er bezahlt", ist Algermissen von Its-People überzeugt. Bei guter Auftragslage hieße das eben auch, dass sich gute Freiberufler einen adäquat dotierten Job suchen, und der Kunde, der die Preise drückt, mit genau jenen Qualifikationen zurückbleibt, für die er zu zahlen bereit ist. (hk)

*Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.