E-Government Monitor 2011

Der Amtsschimmel scheut das Web

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Ein aktueller E-Government-Vergleich zeigt: Deutsche Behörden hinken ihren Pendants in Schweden, Österreich und Großbritannien hinterher.
Foto: Shutterstock, Joachim Wendler

Die Vorteile elektronischer Dienste sind den Bürgern in Deutschland wohl bekannt, dennoch nutzen nur 40 Prozent entsprechende Angebote. Damit liegt Deutschland im Vergleich zu Großbritannien, Österreich und Schweden zurück. Dort machen sich deutlich mehr Bürger die Möglichkeiten des digitalen Behördenkontakts zunutze. In Großbritannien sind es 48 Prozent, Österreich (68 Prozent) und Schweden (69 Prozent) sind noch erfolgreicher dabei, ihre Bürger via Web zu bedienen. "Es fehlt offenbar in erster Linie an einem äquivalenten Transaktionsangebot", monieren die Autoren des "E-Government Monitor 2011" mit Blick auf die deutschen Ergebnisse.

Der E-Government Monitor wurde in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal von der Initiative D21 und dem Institut für Public Information Management (ipima) vorgestellt. "Zwar sind die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland mit den Online-Angeboten ihrer Verwaltung heute zufriedener als vor einem Jahr. Allerdings sind die Vorbehalte, die einer intensiveren Nutzung von E-Government-Angeboten entgegenstehen, heute deutlich ausgeprägter als noch vor Jahresfrist", beobachtet York von Heimburg, Präsdiumsmitglied der Initiative D21 und Vorstand der IDG Communications AG, in der unter anderem die COMPUTERWOCHE und das CIO-Magazin erscheinen. Ursache der deutschen Zurückhaltung sei auch die geringe Präsenz des Themas auf der Tagesordnung deutscher Politik und Behörden. Viele könnten den Nutzen von E-Government-Angeboten über die elektronische Steuerklärung hinaus kaum erkennen.

Wichtig ist den befragten Bürger die Sicherheit, der Datenschutz und die Zuverlässigkeit der Systeme.
Wichtig ist den befragten Bürger die Sicherheit, der Datenschutz und die Zuverlässigkeit der Systeme.
Foto: TNS Infrastest

Die Studienergebnisse zeigen, dass erfahrene Bürger die Vorteile der digitalen Angebote positiver bewerten und gleichzeitig Nutzungshemmnisse als weniger bedeutsam einschätzen. Damit geben sie den Gestaltern von E-Government-Angeboten wichtige Hinweise: In den Vergleichsländern werden durch beschleunigte Bearbeitungszeiten, spätere Abgabefristen bei der Online-Abwicklung und höhere Hürden für die Papierabwicklung deutlichere Anreize für E-Government geschaffen. Damit bereiten die Behörden den Bürgern den Weg, mehr Erfahrung sammeln zu können.

Bremsfaktoren beim E-Government

Bremsfaktoren für die E-Government-Nutzung sind in allen Ländern die Sicherheit, Zuverlässigkeit, Verständlichkeit und Aktualität der Angebote. Grundsätzlich zeigt sich, dass jüngere Befragte ein besonders hohes Risikobewusstsein hinsichtlich der technischen Sicherheitsfragen haben. Ältere zeigen sich häufig unsicher im Umgang mit personenbezogenen Daten.

Wesentlich sind die einfache Bedienung und gute Hilfsangebote. Bürger haben deutlich seltener Kontakt zu ihren Behörden als beispielsweise zu ihrer Bank. Somit fehlt auch die Routine und Erfahrung im Umgang mit Verwaltungsverfahren.

Die deutschen Bürger stellen die größte Gruppe der Nichtnutzer. Insgesamt haben 59 Prozent der deutschen Befragten keine Erfahrung mit E-Government-Diensten.
Die deutschen Bürger stellen die größte Gruppe der Nichtnutzer. Insgesamt haben 59 Prozent der deutschen Befragten keine Erfahrung mit E-Government-Diensten.
Foto: TNS Infratest

Eine besondere Form des E-Government-Angebots sind Online-Beteiligungsmöglichkeiten etwa zu aktuellen politischen Vorhaben und Entscheidungen (Mitmach-Plattformen, Petitionen, Bürgerhaushalte). Sie werden vor allem von jungen Onlinern als zunehmend wichtiges Informations- und Partizipationsmedium gesehen. Das ist eine Chance, gerade diese Gruppe für politisches Interesse und Engagement zu gewinnen und eine breitere Akzeptanz in der Bevölkerung für politische und Planungsentscheidungen zu schaffen.

Auf den folgenden Seiten finden Sie die Einzelergebnisse im Detail. Basis sind jeweils 1000 befragte Bürger in Deutschland, Österreich und Schweden sowie 1001 Befragte in Großbritannien.